FETeV Newsletter 2024-35

30.09.2024

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Nahrungsaufnahme vom Gehirn in Phasen eingeteilt

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass das Gehirn den Essvorgang in verschiedene Phasen zerlegt und wie ein Staffellauf organisiert [Alt 2024]. Während des Essens übernimmt eine Abfolge von „Teams“ von Neuronen (Nervenzellen) im Hypothalamus die Kontrolle und sorgt dafür, dass wir die richtige Menge an Nahrung zu uns nehmen. Die Teams gewichten unterschiedliche Signale aus dem Körper – wie Blutzuckerspiegel, Hungerhormone und Magendehnung – und koordinieren den Übergang von Appetit- zu Konsumverhalten.

Durch die Untersuchung des Hypothalamus bei Mäusen konnte ein Team der FAU Erlangen-Nürnberg zeigen, dass die Kommunikation zwischen diesen Neuronenteams auf gemeinsamen Frequenzen stattfindet. Diese einheitliche „Schwingung“ erleichtert den Informationsaustausch und das rechtzeitige Beenden des Essvorgangs. Andere Neuronengruppen, die für verschiedene Verhaltensweisen wie Erkundung oder soziale Interaktion zuständig sind, kommunizieren hingegen auf unterschiedlichen Kanälen.

Die Erkenntnisse könnten therapeutisches Potenzial bergen. Da sich der Rhythmus von Nervenzellen durch äußere Einflüsse, wie oszillierende Magnetfelder, beeinflussen lässt, besteht die Hoffnung, die Kommunikation der „Ernährungs-Teams“ gezielt zu verbessern und so Essstörungen zu mildern. In zukünftigen Studien soll untersucht werden, wie sich eine direkte Beeinflussung des Schwingungsverhaltens von Neuronen auf das Essverhalten auswirkt.


Report: Ernährungsreport 2024

Der Ernährungsreport 2024 zeigt, dass deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher vermehrt angeben, auf Tierwohl, Regionalität und Bio-Qualität achten zu wollen. Laut der jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durchgeführten Forsa-Befragung ist neben dem Geschmack die Gesundheit weiterhin das wichtigste Kriterium bei der Lebensmittelauswahl. Auffällig ist jedoch, dass viele der angegebenen Präferenzen in der Praxis oft nicht umgesetzt werden: Zwar geben 65 % der Befragten an, das Tierwohllabel zu beachten – ob dies tatsächlich zu einem veränderten Einkaufsverhalten führt, bleibt jedoch fraglich. Ebenso stieg der Anteil derjenigen, die gelegentlich vegetarische oder vegane Alternativen kaufen, auf 39 %, was jedoch wenig über eine tiefgreifende Ernährungsumstellung aussagt.

Bundesernährungsminister Cem Özdemir hebt die Bedeutung einer echten Wahlfreiheit beim Essen hervor und spricht sich gegen eine politisierte Ernährung aus. In der Realität bleiben gesunde und nachhaltige Lebensmittel aber für viele Menschen schwer zugänglich, insbesondere in der Gemeinschaftsverpflegung von Schulen und Kitas. Neue Kennzeichnungssysteme wie das Tierhaltungskennzeichen sollen laut BMEL Transparenz fördern und Verbraucherinnen und Verbraucher dabei unterstützen, bewusste Entscheidungen zu treffen. Doch solange solche Kennzeichnungen nicht mit weitreichenden Maßnahmen zur Preispolitik und Aufklärung begleitet werden, dürften sie kaum zu einem nachhaltigen Wandel führen.

Der Report zeigt zudem, dass zwar 71 Prozent der Befragten täglich Obst und Gemüse essen, der Fleischkonsum aber weiterhin hoch bleibt. Der Rückgang von täglich Fleischkonsumierenden von 34 % im Jahr 2015 auf 23 % ist zwar positiv, aber es ist unklar, ob dieser Trend langfristig Bestand hat oder mit kurzfristigen Modetrends zusammenhängt. Auch die gestiegene Wahrnehmung des Nutri-Scores (88 %) und der Einfluss auf die Kaufentscheidung (37 %) müssen differenziert betrachtet werden: Die tatsächliche Veränderung im Einkaufsverhalten bleibt gering, solange das Verständnis und die Motivation der Verbraucher, ihre Ernährung grundlegend umzustellen, nicht gefördert werden.

Insgesamt betont der Report vor allem positive Entwicklungen, die in der Praxis aber nur bedingt einen Einfluss auf das Essverhalten der Deutschen haben. Solange Ernährungsinformationen und Kennzeichnungen nicht durch klare politische Vorgaben und ein entsprechendes Angebot begleitet werden, bleibt die Kluft zwischen den Ansprüchen der Verbraucher und ihrem tatsächlichen Verhalten groß.


Ernährungsinterventionen: Das Wahls-Protokoll bei Multipler Sklerose

Das Wahls-Protokoll ist ein umfassender Ernährungs- und Lebensstilansatz zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS), der von Dr. Terry Wahls entwickelt wurde. Es umfasst Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung und Schlafoptimierung. Die Ernährung basiert auf einer modifizierten paläolithischen Diät, bei der insbesondere entzündungshemmende Nährstoffe betont und potenziell entzündungsfördernde Nahrungsmittel (wie Getreide und Milchprodukte) vermieden werden. Es zielt darauf ab, die Gesundheit von Gehirn und Nerven zu verbessern, indem es die Aufnahme von bestimmten Nährstoffen aus Gemüse, gesunden Fetten und Proteinen erhöht.

Empfehlungen im Überblick

  • Ernährung: 9 Tassen Gemüse täglich, gesunde Fette, Verzicht auf Getreide und Milchprodukte.
  • Bewegung: Mindestens 30 Minuten moderate Aktivität pro Tag.
  • Stress: Meditation, Achtsamkeit und Atemübungen.
  • Schlaf: 7-8 Stunden Schlaf, feste Schlafroutine, optimierte Schlafumgebung.

Dieser ganzheitliche Ansatz zielt darauf ab, Entzündungen zu reduzieren, die Zellfunktion zu verbessern und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.

Positive Aspekte des Wahls-Protokolls

  • Symptomverbesserung: Studien zeigen, dass das Wahls-Protokoll positive Effekte auf MS-Symptome wie Müdigkeit und Lebensqualität haben kann. Insbesondere die Studien von Bisht et al. (2014) und Irish (2015) zeigen, dass Patienten, die sich an das Protokoll hielten, Verbesserungen bei Müdigkeit und der allgemeinen Lebensqualität erfuhren [Bis 2014], [Iri 2015].
  • Nährstoffreich: Eine Analyse des Wahls-Protokolls zeigte, dass es einen hohen Gehalt an wichtigen Vitaminen und Mineralien aufweist, insbesondere durch die Betonung auf Obst und Gemüse [Che 2019].

Kritikpunkte am Wahls-Protokoll

  • Mangel an umfassenden klinischen Studien: Obwohl es viele positive Fallstudien und kleine Pilotstudien gibt, fehlen groß angelegte, randomisierte kontrollierte Studien, um die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit des Protokolls umfassend zu belegen. Viele Studien sind klein oder basieren auf Fallberichten, was die allgemeine Anwendbarkeit der Ergebnisse einschränkt.
  • Einschränkungen in der Nährstoffzufuhr: Kritiker haben darauf hingewiesen, dass bestimmte Versionen des Wahls-Protokolls, insbesondere die Wahls-Eliminationsdiät, möglicherweise Nährstoffmängel verursachen könnten, da bestimmte Nahrungsgruppen (wie Getreide und Milchprodukte) ausgeschlossen werden. Dies könnte zu einem Mangel an wichtigen Nährstoffen wie Kalzium und Ballaststoffen führen, die in solchen Lebensmitteln häufig enthalten sind [Che 2019].
  • Schwierigkeit bei der Umsetzung: Die strikte Natur der Diät und die Notwendigkeit, viele Lebensmittel zu vermeiden, machen es für manche Patienten schwierig, das Protokoll langfristig aufrechtzuerhalten.

Galerietool: Was Ernährungstherapie bei verschiedenen Erkrankungen leisten kann

Das Galerietool zeigt die potenziellen Möglichkeiten von Ernährungstherapien bei verschiedenen Indikationen bzw. Erkrankungen mit potenziell kurz-, mittel- und langfristigen Ergebnissen. Das Tool ist filterbar, durchsuchbar und nach verschiedenen Kriterien sortierbar. Sie haben Zugriff auf:

  • Eine übersichtliche Tabellenform zur schnellen Orientierung mit einer kurzen Zusammenfassung.
  • Eine Galerieansicht mit detaillierten Steckbriefen zu potenziellen kurz-, mittel- und langfristigen Ernährungstherapie-Ergebnissen.

Die genannten Potenziale erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und nicht immer ist alles erreichbar. Das hängt von vielen persönlichen und krankheitsbedingten Faktoren ab. Vielmehr soll das Tool schnell und übersichtlich aufzeigen, was theoretisch möglich ist, wie das folgende Beispiel zeigt:

Was Ernährungstherapie bei Reizdarm leisten kann

Kurzfristiges Potenzial

  • Entzündungsreaktionen im Körper reduzieren
  • Symptome wie Gelenkschmerzen, Steifigkeit und Schwellungen lindern
  • Gelenke entlasten und Wohlbefinden verbessern

Mittelfristiges Potenzial

  • Häufigkeit/ Intensität von Entzündungsschüben senken
  • Nährstoffmängel ausgleichen
  • körperliche Funktion und Mobilität unterstützen

Langfristiges Potenzial

  • Progression der Gelenkzerstörung verlangsamen
  • Risiko für sekundäre Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose reduzieren
  • Notwendigkeit für chirurgische Eingriffe minimieren
  • Lebensqualität und Lebenserwartung verbessern

Das Tool steht unseren Mitgliedern nach dem Login am Ende des folgenden Beitrags „Wirksamkeit der Ernährungsberatung und -therapie“ zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!

Blogazine: Knochen und Gelenke – Grundlagen für ein bewegtes Leben

Gesunde Knochen und Gelenke bilden das Fundament für Beweglichkeit, Stabilität und allgemeines Wohlbefinden. Sie tragen den Körper durch das Leben und ermöglichen die Ausführung alltäglicher Aufgaben sowie sportlicher Aktivitäten. Mit zunehmendem Alter und durch ungesunde Lebensgewohnheiten können jedoch die Knochen und Gelenke an Stärke und Funktionalität verlieren. Dieser Blogbeitrag beleuchtet, wie Ernährung und Lebensstil die Gesundheit von Knochen und Gelenken beeinflussen. Dabei wird aufgezeigt, welche Nährstoffe besonders wichtig sind, welche Lebensmittel bevorzugt werden sollten und wie gezielte Maßnahmen die Knochengesundheit bis ins hohe Alter erhalten können.


Online-Seminar: Motivieren in der Ernährungsberatung

Kategorie: Online-Seminar
Datum: 04.-05.11.2024
Veranstaltet von: Jutta Kamensky
Referierende: Jutta Kamensky
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: 298 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Gut motivierte Klienten in der Beratung, die ihre Sache von A bis Z durchziehen, sind ein Traum!

Die Realität sieht leider oft anders aus: Viele fan­gen begeistert an, pflegen dann den Stillstand oder brechen spätestens nach der letzten Kurs­stunde ab. Manche kommen gar nicht in die Pötte oder nur unter großem Widerstand, weil sie vom Arzt geschickt werden. Und dann gibt es noch diejenigen, die beim kleinsten Rückfall völ­lig aus der Spur geraten, getreu dem Motto „Jetzt ist auch schon alles egal!“

Wer jetzt nicht die passende Antwort für das jeweilige Motivationsproblem hat, der braucht Nerven wie breite Nudeln und den kostet das wertvolle Zeit!

Die Inhalte:

Sie bekommen kurz und knackig die wichtigsten psychologischen Grundlagen zur Motivation und einen Koffer voller Methoden, Strategien, Tipps und Tricks, mit dem Sie das Essverhalten Ihrer Klienten nachhaltig positiv beeinflussen können – gerade, wenn es schwierig wird:

  • Was ist Motivation, woran erkennt man sie, wie sprechen motivierte Klienten und an welchen Stellschrauben können Sie im Motivationsprozess drehen?
  • Typgerecht motivieren – so lässt sich Motivation wecken, fördern und stärken: Was tun, wenn Klienten nicht motiviert sind oder geschickt werden? Was tun, wenn Klienten wirklich wollen, aber ewig nicht anfangen und mit Abbrechern und Rückfallkandidaten?
  • Klienten (wieder) in Bewegung versetzen: Starthilfen geben, Unmotivierte mit wirksamen Zielen und selbstgemachtem Rückenwind für gesundes Essen begeistern und individuell die Willenskraft aufmöbeln.
  • Strategien zum Durchhalten in Krisenzeiten: Notfallkoffer für Durchhänger, Hindernisse bei der Veränderung mit der WOOP-Methode überspringen, Rückfälle reduzieren und künftigen Rückschritten vorbeugen.