FETeV Newsletter 2025-11

17.03.2025

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Beginnt Übergewicht mit einer gestörten Insulinempfindlichkeit im Gehirn?

Eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Tübingen, von Helmholtz Munich und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) liefert neue Erkenntnisse zur Rolle des Gehirns bei der Entstehung von Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Die Forschenden zeigen, dass Insulin nicht nur den Blutzucker reguliert, sondern auch das Essverhalten steuert – ein Mechanismus, der bei Übergewichtigen gestört ist [Kul 2025].

Bereits eine kurzzeitige Ernährungsumstellung kann die Insulinreaktion im Gehirn beeinflussen. In der Tübinger Studie nahmen normalgewichtige Männer über fünf Tage täglich zusätzlich 1.500 Kilokalorien aus hochverarbeiteten Snacks zu sich. Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) zeigte sich, dass die Insulinempfindlichkeit im Gehirn der Testpersonen bereits nach wenigen Tagen deutlich sank – ein Effekt, der auch eine Woche nach Rückkehr zur normalen Ernährung anhielt. Gleichzeitig erhöhte sich der Fettgehalt in der Leber, was das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes steigert.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Verarbeitung von Nahrung im Gehirn eine Schlüsselrolle für das Körpergewicht spielt. Forschende fordern daher, das Gehirn stärker in die Therapie und Prävention von Adipositas einzubeziehen. Da bereits kurzfristige Ernährungsgewohnheiten tiefgreifende Veränderungen bewirken können, rückt die Bedeutung einer langfristig ausgewogenen Ernährung noch stärker in den Mittelpunkt der Gesundheitsvorsorge.


Doku: Fix und fertig – wenn Essen süchtig macht

Die Dokumentation zeigt die gesundheitlichen Risiken hochverarbeiteter Lebensmittel auf, die immer häufiger mit schweren Erkrankungen wie Krebs, Demenz und Darmentzündungen in Verbindung gebracht werden. Sie stützt sich auf Erkenntnisse aus dem Buch Gefährlich lecker (2023) von Chris van Tulleken.

Kerninhalte:

  • Hochverarbeitete Lebensmittel sind praktisch, lange haltbar und kostengünstig – doch ihr massenhafter Konsum gefährdet die Gesundheit.
  • Die Lebensmittelindustrie nutzt gezielt chemische Optimierung und psychologische Tricks, um ihre Produkte unwiderstehlich zu machen.
  • Ehemalige Brancheninsider enthüllen, wie Geschmack, Textur und sogar das Geräusch von Lebensmitteln so perfektioniert werden, dass sie süchtig machen.
  • Trotz zunehmender wissenschaftlicher Belege für gesundheitliche Schäden wächst die Fertigkostbranche weiter.
  • Einige Länder, insbesondere in Lateinamerika, haben strengere Regulierungen eingeführt, darunter Warnhinweise und Sondersteuern auf stark verarbeitete Produkte.

Im Mittelpunkt steht eine Frage, die auch jeder für sich selbst beantworten kann: Wären wir gesünder, wenn wir wieder mehr selbst kochen?

Die Dokumentation ist bis zum 13.04.2025 auf Arte verfügbar.


Heilmittelerbringer fordern Mitbestimmung: Eine Reform für eine bessere Patientenversorgung

Der Verband der Oecotrophologen e. V. (VDOE) unterstützt die Forderung nach einer stimmberechtigten Vertretung der Heilmittelerbringer im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und setzt sich für eine stärkere Berücksichtigung der Ernährungstherapie in der gesundheitspolitischen Entscheidungsfindung ein.

Heilmittelerbringer spielen eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung. Sie helfen Menschen, ihre Selbstständigkeit zu erhalten, Krankheiten vorzubeugen und die Lebensqualität zu verbessern. Dennoch haben sie bislang keinen direkten Einfluss auf Entscheidungen, die ihre Arbeit betreffen. Der G-BA legt Richtlinien für die Gesundheitsversorgung fest – jedoch ohne stimmberechtigte Vertretung der Heilmittelerbringer. Die maßgeblichen Berufsverbände fordern nun, diesen Missstand zu beheben.

Rund 400.000 Therapeuten und Therapeutinnen aus der Ergotherapie, Ernährungstherapie, Logopädie, Physiotherapie und weiteren Fachbereichen sind in Deutschland tätig. Sie arbeiten eng mit Medizinern, der Pflege und anderen Gesundheitsberufen zusammen. Trotz dieser interdisziplinären Rolle haben sie kein Antrags- oder Mitberatungsrecht im G-BA. Entscheidungen über Heilmittelrichtlinien werden von Krankenkassen, Krankenhausgesellschaften und der Ärzteschaft getroffen – ohne die Expertise derer, die die Versorgung direkt umsetzen.

Angesichts der wachsenden Bedeutung therapeutischer Leistungen fordert die Heilmittelbranche eine strukturelle Reform. Die neue Bundesregierung muss die Beteiligung der Heilmittelerbringer im G-BA verankern, um eine bedarfsgerechte Patientenversorgung sicherzustellen. Eine gleichberechtigte Mitbestimmung ist entscheidend, um Versorgungslücken zu vermeiden und die Qualität therapeutischer Leistungen langfristig zu sichern.


Download: Herzgesundheit und Ernährung

Anfang 2025 startete das neue, fortlaufend erweiterbare Beratungspaket „Unser Körper“. Es beleuchtet vielfältige Aspekte zu Organen, Geweben und Regulationssystemen mit Schwerpunkt auf Wohlbefinden und ausgewogener Ernährung.

Die einzelnen Themen eignen sich für die fundierte Ernährungs- und Gesundheitsberatung und tragen so zur Vermittlung relevanter Kenntnisse bei. Sie sind praxiserprobt und lassen sich direkt im Beratungsalltag anwenden.

In dieser Woche steht unseren Mitgliedern als neuntes Thema „Herzgesundheit und Ernährung“ zum Download zur Verfügung.

Recherchetool: Update Rezeptdatenbank

Wir haben unsere Rezeptdatenbank aktualisiert. Mitglieder finden hier eine umfangreiche Sammlung an Rezepten – jetzt noch strukturierter und praktischer. Die Datenbank bietet:

  • Neue Filtermöglichkeiten nach Mahlzeitenkategorie, Zutatenkategorie, Kostform und Zutaten
  • Nährwerteigenschaften für eine gezielte Auswahl
  • Download-Karten für eine einfache Nutzung

Online-Seminar: Ganzheitliche Ernährungstherapie – Der biopsychosoziale Ansatz

Kategorie: Online-Seminar
Datum: 05.04.2025
Veranstaltet von: freiraum Seminare
Referierende: Dr. Günther Schwarz
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: 190 statt 220 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Ernährung ist mehr als Nahrungsaufnahme und Verdauung; und Ernährungstherapie sollte mehr sein als ein verlängerter Arm der Schulmedizin. Ernährung ist ein ganzheitliches Phänomen. Deswegen dürfen sich Ernährungsberatung -und -therapie nicht auf die medizinisch- diätetische Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten beschränken. Das   bio-psycho-soziale Modell von Gesundheit und Krankheit erweitert den Ansatz der Schulmedizin um die psychische und soziale Komponente. Es ist damit auch wegweisend für die Ernährungsberatung und -therapie, in der es schließlich kaum eine Diagnose gibt, die nicht auch von psychischen und sozialen Einflüssen betroffen wäre. So kann z.B. die Prävention und Therapie der Adipositas ohne Berücksichtigung der psychischen und sozialen Aspekte kaum gelingen.

Dr. Günther Schwarz, Facharzt für Allgemeinmedizin mit den Schwerpunkten Naturheilverfahren und Psychosomatik und langjährig Dozent für Themen, die Medizin und Ernährungswissenschaften verbinden, stellt das bio-psycho-soziale Modell als Ansatz zum ganzheitlichen Verständnis von Körper, Geist und Seele vor und zeigt daran auf, wie die in der Medizin (..und vielen anderen Bereichen) bis heute handlungsleitende Spaltung zwischen Körper, Geist und Seele überwunden werden kann.  Das Webinar vermittelt Grundlagen für die Umsetzung dieses erweiterten Blicks auf Gesundheit und Krankheit und zeigt, wie damit auch in der Ernährungsberatung und -therapie gearbeitet werden kann.

Inhalte:

  • Biomedizinisches Modell: Stärken und Schwächen
  • Biopsychosoziales Modell
  • Biopsychosoziale Praxis
  • Ganzheitlichkeit als zentrales Phänomen
  • Theorie der Körper-Seele-Einheit
  • Risiko- und Schutzfaktoren
  • Die älteste Leitlinie der Welt
  • Relevanz für die Ernährungswissenschaft
  • Ausblick in eine erweiterte Praxis in Medizin, Psychologie, Ernährungsberatung und -therapie