FETeV Newsletter 2025-18

19.05.2025

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Taillenumfang der Männer korreliert mit Krebsrisiko

Fett rund um die Taille scheint bei Männern ein stärkeres Warnsignal für Krebs zu sein als der bekannte Body-Mass-Index (BMI). Das zeigt eine große Analyse von über 300.000 Patientendaten aus Schweden [Sun 2025]. Je größer der Taillenumfang, desto höher war das Risiko für bestimmte Krebsarten – deutlicher als beim BMI. Bei Frauen war dieser Unterschied nicht zu beobachten.

Warum der Unterschied? Männer speichern überschüssiges Fett häufiger im Bauchraum. Diese Fettdepots gelten als besonders ungünstig, da sie Entzündungen fördern und den Stoffwechsel stören können. Frauen hingegen lagern Fett eher unter der Haut ein – eine Form, die gesundheitlich oft weniger riskant ist. Deshalb liefert der Taillenumfang bei Männern zusätzliche Hinweise, während er bei Frauen nicht über den BMI hinausgeht.

Der BMI ist schnell berechnet – beim Taillenumfang sieht das anders aus. Schon kleine Fehler beim Messen können die Aussagekraft schwächen. Um verlässliche Ergebnisse zu erhalten, wurden die Daten aufwendig bereinigt. Auch andere Faktoren wie Rauchen oder Einkommen wurden berücksichtigt. Die Studie betont: Die Fettverteilung sollte bei der Risikobewertung stärker beachtet werden.


App: DiGa deprexis – Nutzen ungewiss, Kosten zu hoch

deprexis® ist eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für Erwachsene mit unipolarer Depression ohne akutes Suizidrisiko. Sie vermittelt im virtuellen Dialog psychotherapeutische Techniken (z. B. kognitive Umstrukturierung) und kann zusätzlich per SMS oder E-Mail begleiten. Die Nutzung wird 1–2 × wöchentlich für je ca. 30 Minuten empfohlen. Als dauerhaft gelistete DiGA kann sie auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden.

Laut arznei-telegramm stützt sich die Zulassung auf zwei randomisierte Studien mit methodischen Schwächen:

  • In der größeren Studie (n=1.013, leichte bis moderate Symptome) fällt die Reduktion der PHQ-9-Scores mit deprexis signifikant, aber gering aus [Kle 2016].
  • In der kleineren Studie (n=163, schwerere Symptome) zeigt sich ein moderater Effekt (Cohen’s d = 0,71), ohne Angabe der Punktdifferenz [Mey 2015].
  • Die Studien verzichten auf klinische Diagnosen, verwenden vor allem Selbstbeurteilungsinstrumente und zeigen hohe Drop-out-Raten (22%).

In einer herstellerfinanzierten Metaanalyse wurden zusätzlich zehn weitere, meist ebenfalls methodisch schwache Studien ausgewertet.

arznei-telegramm kommt zu dem Schluss: Der klinische Nutzen von deprexis bleibt trotz statistischer Effekte zweifelhaft. Der Preis von 210 € pro Nutzung gilt angesichts dessen als unangemessen hoch.


Best Practices: Erhöhte Leberwerte – was steckt dahinter?

Erhöhte Leberwerte gehören zu den häufigsten Zufallsbefunden bei Routineuntersuchungen. Meist steckt nichts Akutes dahinter – manchmal aber ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko. Der reine Laborwert erlaubt dabei selten klare Rückschlüsse. Schwankungen im Tagesverlauf, andere Ursachen wie Muskelerkrankungen und die begrenzte Aussagekraft einzelner Werte machen die Interpretation komplex.

Ursachen erkennen, nicht raten

Die häufigsten Gründe für auffällige Leberwerte in der hausärztlichen Praxis sind eine durch Stoffwechselprobleme bedingte Fettleber und Alkoholkonsum. Extrem hohe Werte deuten dagegen auf akute Auslöser wie bestimmte Infektionen, Medikamente oder seltene Autoimmunerkrankungen hin. Entscheidend ist dabei: Eine deutlich erhöhte Zahl einzelner Werte sollte gezielt abgeklärt werden – idealerweise in Kombination mit anderen Laborparametern und Symptomen.

Häufige Ursachen erhöhter Leberwerte (nach Entstehung):

  1. Metabolisch bedingt: Fettleber durch Stoffwechselstörungen (MASLD), Hämochromatose (Eisenüberladung), Morbus Wilson (Kupferstoffwechselstörung), Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
  2. Alkohol- oder medikamentenbedingt (nutritiv-toxisch): Alkoholabusus, Medikamentennebenwirkungen (auch pflanzliche Präparate), Pilzvergiftungen (z. B. Knollenblätterpilz)
  3. Infektiös bedingt: Virushepatitis (z. B. Hepatitis A–E), Infektionen mit EBV, CMV oder anderen Erregern, Parasitäre Erkrankungen (z. B. Echinokokkose)
  4. Autoimmun bedingt: Autoimmunhepatitis, Primär biliäre Cholangitis (PBC), Primär sklerosierende Cholangitis (PSC), IgG4-assoziierte Cholangitis

Nicht jeder braucht ein Screening

Ein flächendeckendes Leberwert-Screening ist laut Experten nicht sinnvoll. Viel wichtiger sind gezielte Untersuchungen bei klaren Risikofaktoren, etwa bei bestimmten Vorerkrankungen, familiärer Belastung oder Einnahme leberschädigender Medikamente. Auch wer unspezifische Beschwerden hat, kann von einer orientierenden Kontrolle profitieren – doch ohne Anlass bleibt der Nutzen begrenzt.

In eigener Sache: Bauchumfang als Warnsignal für die Leber

Ein dauerhaft erhöhter Bauchumfang gilt als einfach messbarer Hinweis auf innere Fettansammlungen – und damit auf ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselstörungen. Da gerade diese Form des Übergewichts mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine Fettleber einhergeht, kann ein auffälliger Taillenumfang als Anlass für eine gezielte Leberwertkontrolle dienen – insbesondere, wenn weitere Risikofaktoren wie Diabetes, Blutfettstörungen oder Alkoholkonsum vorliegen.


Intervention in der Praxis: 30 Pflanzen pro Woche essen

Die Vielfalt der pflanzlichen Ernährung gewinnt zunehmend an Bedeutung – nicht nur für die Mikronährstoffversorgung, sondern insbesondere für die Darmgesundheit. Studien wie das American Gut Project zeigen: Wer regelmäßig 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche verzehrt, profitiert von einem vielfältigeren Mikrobiom. Dieses wiederum steht in enger Verbindung mit einer verbesserten Immunabwehr, einem stabileren Stoffwechsel und sogar einer ausgeglicheneren Stimmungslage. Dabei kommt es nicht auf Perfektion an, sondern auf den kontinuierlichen Ausbau der Vielfalt.

Ein praxistauglicher Ansatz zur Umsetzung besteht darin, pflanzliche Lebensmittel in zehn übergeordnete Kategorien einzuordnen – von Gemüse und Obst über Kräuter und Hülsenfrüchte bis zu Fermenten. Das Zählen dieser Gruppen kann zu mehr Aufmerksamkeit für bislang vernachlässigte Lebensmittel führen und neue Impulse für den Speiseplan setzen. Auch verarbeitete Produkte wie Granola, Eintöpfe oder Gewürzmischungen tragen zur Pflanzenvielfalt bei, sofern die Zutaten vielfältig sind.

Damit das Ziel von 30 Pflanzen pro Woche realistisch erreichbar bleibt, empfiehlt sich ein pragmatischer Umgang mit Planung, Einkauf und Essgewohnheiten. Statt auf strikte Regeln zu setzen, steht die bewusste Integration pflanzlicher Vielfalt im Vordergrund.

Umsetzungsmöglichkeiten im Alltag:

  • Wochenmärkte nutzen: saisonale Vielfalt entdecken und Sortenreichtum gezielt einkaufen
  • Zutatenlisten ausweiten: Gerichte mit mehreren pflanzlichen Komponenten wählen (z. B. Currys, Bowls, Eintöpfe)
  • Gewürze und Kräuter bewusst einsetzen: jede Zutat zählt für die Mikrobiomvielfalt
  • Fermentiertes ergänzen: Kimchi, Miso oder Sauerkraut regelmäßig einbauen, um nützliche Bakterien zu fördern
  • Frühstück strategisch planen: Müslis, Granola oder Porridge mit Saaten, Nüssen und Obst anreichern
  • Sortenvielfalt beachten: unterschiedliche Linsen-, Apfel- oder Nusssorten zählen mehrfach
  • Checklisten oder Wochenpläne nutzen: zur besseren Übersicht und Motivation
  • Familienmitglieder einbeziehen: spielerische Umsetzung über Punkte- oder Abhaklisten

Diese Empfehlungen lassen sich individuell anpassen – entscheidend ist das Ziel, pflanzliche Vielfalt im Alltag zur Routine zu machen.

Als Hilfsmittel empfehlen wir das Tracken der pflanzlichen Lebensmittel zum Beispiel mit Unterstützung eines Ernährungstrackers. Eine interaktive PDF zum Ausfüllen steht unseren Mitgliedern zum Download bereit.


Online-Seminar: SIBO – Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Therapieoptionen

Kategorie: Online-Seminar
Datum: 17.06.2025
Veranstaltet von: DGMIM
Referierende: Prof. Dr. Christian Sina
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: kostenfrei
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth, Dünndarmfehlbesiedlung) gewinnt zunehmend an Bedeutung in der klinischen Praxis. Das Webinar bietet eine fundierte Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung. Es werden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des SIBO präsentiert. Neben klassischen Antibiotikatherapien werden auch alternative Behandlungsstrategien wie diätetische Maßnahmen, probiotische und präbiotische Konzepte als mögliche Ansätze betrachtet und eingeordnet.