04.11.2024
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Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Studie: Wie die Gene die Ernährungstherapie beim Reizdarm bestimmen
Eine aktuelle europäische Studie zeigt, dass genetische Defekte in der Kohlenhydratverdauung die Wirksamkeit von Ernährungsumstellungen bei Menschen mit Reizdarmsyndrom (IBS) beeinflussen können [Zam 2024]. Insbesondere eine kohlenhydratmodifizierten Ernährung, bekannt als low-FODMAP-Diät, könnte für Betroffene mit bestimmten genetischen Varianten – in den sogenannten hCAZyme-Genen – vorteilhafter sein. Diese Enzyme spielen eine Schlüsselrolle beim Kohlenhydratabbau. Ihre genetischen Veränderungen könnten erklären, warum manche IBS-Patienten stärker auf diese Ernährungsweise ansprechen als andere.
In der Studie, an der 250 Betroffene teilnahmen, zeigte sich, dass insbesondere IBS-D-Patienten (überwiegend diarrhöisches Reizdarmsyndrom) mit genetischen Defekten eine sechsfach höhere Erfolgsrate bei der low-FODMAP-Diät hatten als diejenigen ohne diese genetischen Merkmale. Im Vergleich dazu zeigte eine medikamentöse Behandlung mit dem Krampflöser Otiloniumbromid keinen ähnlichen genetischen Einfluss auf den Behandlungserfolg.
Die Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass eine genetische Analyse zukünftig helfen könnte, individuell zugeschnittene Ernährungsempfehlungen für IBS-Betroffene zu entwickeln und unnötige Diätmaßnahmen zu vermeiden. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um die Mechanismen dieser genetischen Einflüsse besser zu verstehen und neue personalisierte Therapieansätze für das Reizdarmsyndrom und ähnliche Erkrankungen zu etablieren.
Vorgestellt
Linkliste: Reizdarmsyndrom – Adressen und Co.
Zum Thema Reizdarmsyndrom gibt es für Betroffene, Angehörige sowie therapeutisches Fachpersonal verschiedene Anlaufstellen, die Beratungs-, Hilfs- und/oder Informationsangebote bereitstellen. Wir haben eine kleine Auswahl erstellt. Die farblich grün hinterlegten Begriffe enthalten die Links auf die entsprechenden Webseiten der Angebote.
- MAGDA ist das unabhängige Informationsforum für Magen-Darm-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität, das beispielsweise ein Expertenregister, wichtige Studien, ein umfassendes FAQ sowie aktuelle Erkenntnisse zum Reizdarmsyndrom anbietet.
- Die Deutsche ReizdarmSelbsthilfe ist eine Selbsthilfeorganisation, die Betroffenen Unterstützung, Austausch, eine Klinikliste sowie Informationen zu Krankheitsbild, Diagnose und Behandlung bietet.
- Die Gastro-Ligaist ein gemeinnütziger Verein, der über verschiedene Magen-Darm-Erkrankungen, einschließlich das Reizdarmsyndrom, aufklärt.
- Das Kompetenznetz Darmerkrankungen ist ein Forschungsnetzwerk, das aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse wie Studien, Fortbildungen sowie medikamentöse Therapien unter anderem zum Reizdarmsyndrom veröffentlicht.
- Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) ist eine Fachgesellschaft, die regelmäßig aktualisierte Leitlinien und Patienteninformationen sowie Fortbildungen auch zum Reizdarmsyndrom herausgibt.
- Die Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik, Charité Berlin bietet eine spezialisierte Reizdarm-Sprechstunde mit ausführlicher Beratung und Therapieempfehlungen, auch zur Ernährung.
- Die Monash Fodmap App der Monash University wird als hilfreiche Ressource für Patienten empfohlen.
- S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom ist die aktualisierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) mit evidenzbasierten Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie.
- Cara Care für Reizdarm bietet eine App für ein 12-wöchiges Programm mit personalisierten Ernährungsplänen, Symptom-Tracking und psychotherapeutischen Ansätzen, die als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) anerkannt ist und von Ärzten verschrieben werden kann.
- Bowelle ist ein digitales Tagebuch speziell für RDS-Patienten, das hilft, Symptome, Ernährung und andere Faktoren zu verfolgen, um Muster zu erkennen und Auslöser zu identifizieren.
Beratungspraxis
Best Practices: Mit Kalium den Blutdruck senken
Kalium spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks und kann einen positiven Einfluss auf Bluthochdruck haben. Laut den neuen Leitlinien der europäischen Hochdruckgesellschaft wird neben der Reduktion des Kochsalzanteils nun auch eine vermehrte Kaliumzufuhr empfohlen, am besten durch kaliumreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Nüsse. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfehlen eine tägliche Kaliumaufnahme von mindestens 3,5 g, was in Deutschland oft nicht erreicht wird. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung kann helfen, den Kaliumbedarf zu decken und gleichzeitig die Kochsalzzufuhr zu reduzieren.
Untersuchungen zeigen, dass eine höhere Kaliumaufnahme mit einer Senkung des systolischen Blutdrucks einhergeht. In der INTERSALT- und PURE-Studie konnte beobachtet werden, dass der Blutdruck um etwa 1 mmHg sinkt, wenn die Kaliumaufnahme um 1 g pro Tag gesteigert wird. Auch in der SSaSS-Studie, die Salzsubstitute mit Kaliumchlorid untersuchte, wurde ein Blutdruckrückgang in der Interventionsgruppe beobachtet. Kalium wirkt natriuretisch und mindert die blutdruckerhöhende Wirkung von Natrium, was sich in einer allgemeinen Verbesserung der Blutdruckwerte widerspiegeln kann.
Allerdings sollte bei eingeschränkter Nierenfunktion Vorsicht geboten sein. Eine hohe Kaliumzufuhr kann bei Personen mit Nierenproblemen zu einer erhöhten Gefahr von Hyperkaliämie führen, die schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann.
Zusammenfassende Empfehlungen
- Kaliumzufuhr erhöhen: Täglich mindestens 3,5 g Kalium über natürliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Nüsse aufnehmen.
- Kochsalz reduzieren: Salzzufuhr senken, da hoher Natriumkonsum den Blutdruck ansteigen lässt.
- Salzsubstitute mit Kaliumchlorid nutzen: Ggf. als Alternative zu herkömmlichem Kochsalz erwägen, falls die Nierenfunktion ausreichend ist.
- Lebensstil anpassen: Zusätzlich auf eine ballaststoffreiche, mediterrane Ernährung sowie regelmäßige körperliche Aktivität achten.
- Bei Nierenerkrankungen Vorsicht: Hohe Kaliumzufuhr vermeiden, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion, um Hyperkaliämie-Risiko zu senken.
Mitgliederservice/ Interna
Galerietool: Speiseöle
Das Galerietool für Fettsäuren bietet eine wertvolle Ressource für Ernährungsberater und -therapeuten, die einen schnellen Überblick über die Vielfalt an Fettsäuren in Lebensmitteln benötigen. Es ermöglicht eine flexible Nutzung durch seine Filter- und Suchfunktionen sowie die Sortierbarkeit nach unterschiedlichen Kriterien. Die Übersicht bietet eine kompakte Darstellung der verschiedenen Speiseöle, die mit kurzen Zusammenfassungen und dem aktuellen Status der jeweiligen Einträge versehen ist. Diese Ansicht bietet eine schnelle Orientierung und Vergleichsmöglichkeit. Die Steckbriefe enthalten ausführliche Informationen zu jedem Speiseöl, einschließlich Details zur Gewinnung, Zusammensetzung, Inhaltsstoffen, spezifischen Eigenschaften und der jeweiligen Verwendung.
Hinweis: Das Tool steht Mitgliedern nach dem Login am Ende des Beitrag unter dem Reiter „Galerietool“ zur Verfügung. Im Laufe der Woche wird ebenso der Blogazine-Beitrag zur Verfügung gestellt.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online-Seminar: Multiple Sklerose und Ernährung: Grundlagen für eine sichere und kompetente ernährungstherapeutische Begleitung
Kategorie: Webinar/ Online-Seminar
Datum: 15.11.2024
Veranstaltet von: DiaEATa-Akademie
Referierende: Dr. Petra Goergens
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: 10 % auf 220 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Die Teilnehmer*innen erhalten einen Einblick in die neurologische Erkrankung Multiple Sklerose und ein stabiles Grundgerüst für die ernährungstherapeutische Beratung von MS-Betroffen, um sie sicher und kompetent zu begleiten.
Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung (Autoimmunerkrankung), die i.d.R. zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr beginnt. Dabei kann es zu Entzündungsherden in Gehirn und Rückenmark kommen, sodass Befehle und Reize, die von unseren Gehirnzellen an Muskeln oder Organe gesendet werden, verzögert oder gar nicht an ihren Zielorten ankommen (auch umgekehrt). Deshalb kann es bei MS z.B. zu Bewegungs- und Empfindungsstörungen, zu Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schluckbeschwerden, Verstopfung, usw. kommen. Multiple Sklerose kann in Schüben auftreten, nach denen die Symptome teilweise oder sogar ganz verschwinden können. Aber auch ein stetiges Verschlechtern ist möglich.
MS-Betroffene werden mit vielen, häufig widersprüchlichen und dogmatischen, Ernährungsratschlägen konfrontiert und verunsichert, wie zum Beispiel: vegan, ketogen oder doch lieber Steinzeiternährung? Oder es wird empfohlen Milch wegzulassen oder auch noch glutenfrei zu essen, sowie Fischölkapseln, Vitamin D, Biotin oder Propionsäure einzunehmen.
Auf der Grundlage der jahrelangen Erfahrung in der Ernährungstherapie mit MS-Betroffenen gehen wir genau den Fragen und Themen nach, die die Betroffenen bewegen. Die Teilnehmer*innen erhalten ein stabiles Grundgerüst für die ernährungstherapeutische Beratung von MS-Betroffen, um sie sicher und kompetent zu begleiten.
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