FETeV Newsletter 2025-20

02.06.2025

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Künstliche Süßstoffe und Appetitregulation

Künstliche Süßstoffe wie Sucralose sollen den Zuckerkonsum senken. Doch ihre Wirkung auf das Gehirn wirft Fragen auf. Eine neue Studie unter Beteiligung deutscher Forschender zeigt: Sucralose kann Hungersignale verstärken. Bei Menschen mit starkem Übergewicht war das besonders ausgeprägt. Obwohl Sucralose keine Kalorien liefert, erhöht sie die Aktivität in einem Hirnareal, das für Hunger- und Sättigungsgefühle zuständig ist. Die Folge: Ein stärkeres Verlangen nach Essen ohne körperlichen Bedarf.

Im Versuch tranken die Teilnehmenden entweder Wasser, zuckerhaltige Getränke oder solche mit Sucralose [Cha 2025]. Danach wurde unter anderem die Gehirnaktivität gemessen. Das Ergebnis: Sucralose führte zu deutlich stärkeren Reaktionen im Gehirn als Wasser und teils auch als Zucker. Besonders auffällig war eine erhöhte Verbindung zwischen Hirnregionen, die mit Entscheidungsprozessen und Motivation zusammenhängen. Die Lust auf Essen steigt, auch wenn der Körper eigentlich keine Energie braucht.

Die Forschenden vermuten, dass künstliche Süße das Gehirn irritiert: Geschmackssignale werden wahrgenommen, die erwarteten Kalorien bleiben jedoch aus. Das könnte zu einem dauerhaften Mehrverzehr führen. Die Weltgesundheitsorganisation warnt bereits seit Längerem davor, künstliche Süßstoffe zur Gewichtsreduktion einzusetzen. Die neue Studie stützt diese Empfehlung und unterstreicht, dass vermeintlich harmlose Alternativen ebenfalls tief in den Stoffwechsel eingreifen können.


App: Bowelle bei Reizdarm und Verdauungsstörungen

Bowelle ist ein digitales Tagebuch für den Alltag mit Verdauungsbeschwerden – schnell, einfach und übersichtlich. Die App hilft dabei, über längere Zeiträume zu beobachten, wie sich Wohlbefinden, Ernährung, Stress und andere Faktoren entwickeln. Durch die visuelle Darstellung lassen sich individuelle Muster leichter erkennen.

Neben Mahlzeiten und Getränken können auch Stimmung, Stuhlgang, Stress und persönliche Notizen dokumentiert werden. Die Daten lassen sich filtern, exportieren und mit medizinischen Fachpersonen teilen. So entsteht ein differenzierter Überblick, der im Alltag ebenso hilfreich ist wie in der Beratung oder ärztlichen Begleitung.

Grundlegende kostenfreie Funktionen:

  • Dokumentation von Mahlzeiten, Getränken, Stimmung und Stuhlgang
  • Individuelle Eingabefelder und freie Notizen
  • Visuelle Auswertungen und Tagesdurchschnitte
  • Datenfilterung und Export per E-Mail
  • Integration mit Apple Health (z. B. Schritte, Gewicht)

Bowelle Premium richtet sich an alle, die ihre Gesundheitsdaten noch gezielter erfassen und auswerten möchten. Die kostenpflichtige Version ermöglicht unter anderem individuelle Eingabefelder, detaillierte Zeiträume für Auswertungen, die Integration mit Apple Health sowie den Export aller Daten, zum Beispiel auch als Bericht für den Arzt. So wird aus einem einfachen Tagebuch ein umfassendes Werkzeug zur Selbstbeobachtung und Vorbereitung auf medizinische Gespräche.

Einen großen Nachteil hat die App jedoch: Bowelle ist derzeit ausschließlich für iOS verfügbar und kann im App Store heruntergeladen werden.


Beratungspraxis: Ernährung auf Rezept – ein Modell mit Zukunft?

In den USA zeigt ein wachsendes Netzwerk von Programmen, wie Ernährung gezielt in die medizinische Versorgung eingebunden werden kann. Unter dem Begriff Food is Medicine finanzieren Krankenkassen dort unter anderem Rezepte für Obst und Gemüse, individuell zusammengestellte Lebensmittelpakete oder sogar fertig zubereitete Mahlzeiten. Erste Daten sind vielversprechend: Die Gesundheitskosten sanken um bis zu 16 Prozent, Krankenhausaufenthalte wurden fast halbiert. Möglich wird dies durch strukturierte Ansätze von präventiven Maßnahmen bis hin zur therapeutischen Versorgung, wie sie unter anderem an der Tufts University entwickelt und evaluiert werden.

Pilotprojekte mit messbarem Nutzen

Vor allem sogenannte „Produce Prescription“-Programme zeigen Wirkung: Ärztlich verordnete Lebensmittelgutscheine erhöhen den Obst- und Gemüseverzehr und verbessern nachweislich wichtige Gesundheitswerte wie den Blutzucker oder den Body-Mass-Index. Auch in Großbritannien sind solche Ansätze längst Teil der Regelversorgung. Dort überweisen Hausärzte Kranke an Kochgruppen, Ernährungstrainings oder Beratungsstellen – mit Kostenübernahme durch das Gesundheitssystem. Die Erfahrungen zeigen: Ernährung kann nicht nur Krankheiten lindern, sondern auch das Gesundheitssystem entlasten.

Wo steht Deutschland?

Trotz gesetzlicher Grundlagen bleibt Ernährungstherapie hierzulande bislang die Ausnahme. Viele Betroffene wissen nicht, dass sie Anspruch auf Kostenerstattung haben. Ärztliche Fachkräfte stellen nur selten eine entsprechende Verordnung aus. Bürokratische Hürden, Eigenanteile und fehlende Strukturen behindern eine flächendeckende Umsetzung. Dabei wäre das Potenzial enorm, insbesondere angesichts der hohen Zahl chronisch kranker Menschen und der jährlichen Folgekosten durch Fehlernährung in Milliardenhöhe.

Impulse für ein Gesundheitssystem mit Ernährungskompetenz

Es gibt erste Vorreiterprojekte: Das Wahlpflichtfach „Culinary Medicine“ in Göttingen bringt angehenden Ärzten das Kochen bei. Initiativen wie „Station Ernährung“ in Bayern oder Fortbildungsangebote von PAN D-A-CH stärken die Rolle der Ernährung im medizinischen Alltag. Auch beim Nutrition Hub Future Bites Event in Hamburg wurde deutlich: Es fehlt nicht an Ideen, sondern an Verbindlichkeit. Eine Vision für 2030 wäre, dass Ernährung in Hausarztpraxen ebenso selbstverständlich Thema ist wie Medikamente oder Laborwerte mit festen Kooperationen zwischen Ärzteschaft und Ernährungfachkräften.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Veränderung

Ob gesetzliche Verankerung, neue Finanzierungsmodelle oder interprofessionelle Netzwerke: Die Hebel für Veränderung liegen bereit. Gleichzeitig kann jede Fachkraft im Ernährungsbereich sofort aktiv werden, zum Beispiel durch Kooperation mit ärztlichen Praxen, Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit und das Einfordern des eigenen Platzes im Gesundheitswesen. Denn Ernährung ist längst mehr als Prävention, sie ist ein elementarer Teil moderner Medizin.


Recherchetool: Ernährungssoftware für Ernährungsfachkräfte

Das Tool bietet einen systematischen Überblick über professionelle Ernährungssoftware-Lösungen im deutschsprachigen Raum speziell für Ernährungsberater und Ernährungstherapeuten. Enthalten sind Informationen zu:

  • Software-Namen und Anbietern
  • Verfügbaren Plattformen (PC, Web, iOS, Android)
  • Wichtigsten Funktionen jeder Software
  • Kostenmodellen (z. B. kostenlose Basisversion, Einmallizenz, Abo-Modell)
  • Direkt verlinkten Websites der Anbieter

Die Tabelle macht deutlich: Der Markt ist breit gefächert. Während klassische PC-Programme wie PRODI, Diät2000 oder NutriGuide vor allem in medizinisch-therapeutischen Kontexten genutzt werden, setzen neuere Anbieter wie Nutrium, Nutrition Logs oder Nutrio auf mobile Nutzung, cloudbasierte Verwaltung und moderne Benutzerführung.

Einige Tools fokussieren sich auf digitale Ernährungstagebücher und intuitive Dokumentation (z. B. Nutrition Logs, Foodiary), andere auf automatisierte Nährwertberechnungen, Speiseplanung oder Rezeptdatenbanken. Auch hybride Plattformen, die sowohl Fachkräfte als auch Patienten bedienen, sind vertreten. Hierzu zählen beispielsweise Oviva oder Zanadio, die auch eine DiGA-Zulassung haben.

Das Tool hilft Fachkräften, einen schnellen Überblick zu gewinnen, Vergleiche anzustellen und passende Softwarelösungen für die eigene Beratungspraxis zu identifizieren. Der Zugriff ist für Mitglieder frei verfügbar.


Online-Seminar: Optimale Ernährung bei Brustkrebs: Beschwerden lindern – Prognose verbessern

Kategorie: Webinar/ Online-Seminar
Datum: 28.06.2025
Veranstaltet von: freiraum Seminare
Referierende: Birgit Blumenschein, Christine Reudelsterz
Kosten/ Ermäßigung für Mitglieder: 190 EUR statt 220 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Dipl.-Med.-Päd. und Diätassistentin Birgit Blumenschein begleitet seit vielen Jahren betroffene Frauen im Bereich Essen und Trinken z. B. über Individualberatungen, Seminare und Kochtrainings in der Zeit nach der Brustkrebsdiagnose. In ihrem neuen Buch „Brustkrebs – Die optimale Ernährung für mich“ – gerichtet an diese Frauen – fasst sie ihre Erfahrungen und Erkenntnisse für betroffene Frauen zusammen. Im Webinar stellt die Referentin dar, wie Ernährungsfachkräfte in ihrer Therapiearbeit den Patientinnen  Krankheitsselbstkompetenz vermitteln. An Hand ihres Buches und dem darin verarbeiteten Input will Birgit Blumenschein den Teilnehmerinnen im Freiraum-Seminar vermitteln, wie sich im Rahmen der Ernährungstherapie der Zustand der Patientinnen während der anstrengenden Therapie über die Lebensmittel- und Speisenauswahl optimieren lässt, und die Prognose dadurch verbessert werden kann. Das Seminar bietet einen aktuellen Überblick über die wissenschaftlich basierten und aktuellen Ernährungsempfehlungen für Frauen nach der Diagnose Brustkrebs.

Zum Einstieg in das Webinar gibt Dipl. oec. troph. Christine Reudelsterz als Coreferentin einen Überblick über die wissenschaftlich-medizinischen Grundlagen – u. a. über die Ätiologie der Erkrankung, die häufigsten Brustkrebsformen und die wichtigsten Optionen, Ziele und Risiken‚ der medizinischen Tumortherapie (Chemotherapie, Zytostatika).

Inhalte

  • Grundlagen zum Mamma-CA
  • Ernährungsempfehlungen rund um die Behandlung bei Brustkrebs
  • Ernährung vor, während und nach einer Chemotherapie und Operation sowie in der Nachsorge
  • Therapiebedingte Nebenwirkungen – Hilfen über die Ernährung
  • Mythen
  • Gewichtsmanagement
  • Ernährungsformen im Vergleich
  • Lebensmittelauswahl optimal gestalten
  • Übungen und Fallbeispiele.