Inhaltstyp: Kurzprofil Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.
Die Binge-Eating-Störung ist eine Essstörung, die durch wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust gekennzeichnet ist ohne kompensatorisches Verhalten wie Erbrechen oder exzessiven Sport. Sie tritt häufig bereits im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auf und ist oft mit Übergewicht verbunden.
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Definition und Verbreitung
- Definition: Essstörung mit wiederholtem Verzehr großer Nahrungsmengen, Kontrollverlust beim Essen, ohne kompensatorisches Verhalten wie Erbrechen oder exzessiven Sport
- Verbreitung: Betrifft Männer und Frauen, Beginn meist in Jugend oder frühem Erwachsenenalter, oft verbunden mit Übergewicht oder Adipositas
- Deutschland: Ca. 1–3 % der Bevölkerung betroffen
Ursachen und Risikofaktoren
- Psychische Erkrankungen (hoch): Depressionen, Angststörungen, Substanzmissbrauch
- Umwelt & Soziales (hoch): Traumata, gesellschaftlicher Druck, negatives Körperbild, familiäre Konflikte
- Lebensstil (mittel): Bewegungsmangel, Stress, Schlafprobleme, emotionale Belastung
- Ernährung (mittel): Viel verarbeitete Lebensmittel, Zucker, Fett, unregelmäßige Mahlzeiten
- Genetik (mittel): Familiäre Häufung, u. a. Gene wie FTO (Hunger-Sättigungs-Regulation)
- Medikamente (gering): Antidepressiva, Angstlöser, Gewichtskontrollpräparate
Formen
- Akut: Episodische Essanfälle mit Kontrollverlust
- Chronisch: Langfristige, regelmäßige Heißhungerattacken, oft stressbedingt
- Mit Komorbidität: Auftreten zusammen mit Depressionen, Angst- oder anderen psychischen Störungen
Entstehung
- Biochemie: Dysregulation von Serotonin und Dopamin beeinflusst Stimmung und Essverhalten
- Kognition: Verzerrtes Selbstbild und Denkmuster verstärken Essattacken
- Emotion: Essen als Bewältigungsstrategie bei Stress, Angst oder Traurigkeit → Teufelskreis mit Schuldgefühlen
- Physiologie: Überernährung verändert Hunger-Sättigungs-Regulation, erhöht Risiko für Übergewicht und Stoffwechselstörungen
- Langfristig: Entwicklung von Adipositas, Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Störungen
Symptome
- Körperlich: Übergewicht, Magen- und Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen, Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen, Muskelverspannungen
- Psychisch: Depression, Angst, Schuldgefühle, Scham, geringes Selbstwertgefühl, Reizbarkeit, emotionale Instabilität
- Ernährungsbezogen: Essanfälle, Kontrollverlust, übermäßige Nahrungsaufnahme, geringe Sättigung, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Diät-Entzugssymptome
- Leistungsbezogen: Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, soziale Isolation, verminderte Produktivität
Folgen und Komplikationen
Diagnostik
- Anamnese: Essgewohnheiten, Häufigkeit der Essanfälle, emotionale Auslöser, Gewichtsentwicklung
- Anthropometrie: Gewicht, Größe, BMI
- Labor: Blutbild, Elektrolyte, Leberwerte
- Apparativ: Abdominaler Ultraschall, psychologische Tests