Inhaltstyp: Kurzprofil Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.
Bulimia nervosa ist eine Essstörung, die durch wiederholte Essanfälle mit anschließendem kompensatorischem Verhalten wie Erbrechen oder Fasten geprägt ist. Betroffene leiden unter einem gestörten Körperbild und starker Angst vor Gewichtszunahme.
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Definition und Verbreitung
- Definition: Essstörung mit wiederholten Essanfällen und kompensatorischem Verhalten wie Erbrechen oder Laxantien; verbunden mit gestörtem Körperbild und Angst vor Gewichtszunahme
- Verbreitung: Vor allem bei jungen Frauen zwischen 12–25 Jahren, seltener bei Männern; häufig mit Depressionen oder Angststörungen verknüpft
- Deutschland: Ca. 1–3 % der Frauen und 0,1–0,5 % der Männer betroffen
Ursachen und Risikofaktoren
- Psychische Erkrankungen (hoch): Angststörungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Substanzmissbrauch
- Umwelt & Soziales (hoch): Gesellschaftlicher Druck, Schlankheitsideale, familiäre Konflikte, Mobbing
- Lebensstil (mittel): Stress, Perfektionismus, geringe Selbstachtung, Bewegungsmangel
- Ernährung (mittel): Strenge Diäten, Nährstoffmangel, restriktives Essverhalten, unregelmäßige Mahlzeiten
- Genetik (mittel–gering): Familiäre Prädisposition, Gene wie ANK3, BDNF
- Medikamente (gering): Einfluss durch Antidepressiva, Antipsychotika, Stimmungsstabilisatoren
Formen
- Akut: Kurzfristig, mit intensiven Essanfällen und anschließenden Gegenmaßnahmen
- Chronisch: Langfristig, wiederkehrende Essanfälle mit Erbrechen oder kompensatorischem Verhalten
- Mit Purging: Regelmäßiges Erbrechen oder Abführmittelmissbrauch
- Ohne Purging: Gewichtskontrolle durch Fasten oder exzessiven Sport statt Erbrechen
Entstehung/ Verlauf
- Gestörte Nahrungsaufnahme: Wechsel zwischen Essanfällen und kompensatorischem Verhalten (Erbrechen, Sport, Fasten).
- Elektrolytstörungen: Häufiges Erbrechen führt zu Ungleichgewichten, Risiko für Herzrhythmusstörungen.
- Magen-Darm-Beschwerden: Ösophagitis, Schleimhautveränderungen, verzögerte Magenentleerung.
- Hormonelle Veränderungen: Zyklusstörungen bis Amenorrhoe durch hormonelle Dysbalance.
- Psychische Folgen: Schuld, Scham, Angst, Depression, geringes Selbstwertgefühl.
- Körperliche Schäden: Gewichtsschwankungen, Dehydrierung, Zahnschäden durch Magensäure.
Symptome
Folgen und Komplikationen
Diagnostik
- Anamnese: Essverhalten, Gewichtsschwankungen, Körperbild, emotionale Belastungen, Familienanamnese
- Anthropometrie: Gewicht, Größe, BMI, Körperfettanteil
- Labor: Elektrolyte, Blutbild, Leber- und Nierenwerte
- Apparativ: Ultraschall, EKG, psychologische Tests
Therapiesäulen (nach Relevanz)
- Psychotherapie: Verhaltenstherapie, Familien- und Gruppentherapie, Achtsamkeitstraining
- Ernährungstherapie: Strukturierte Essenspläne, ausgewogene Ernährung, Protokolle zur Nahrungsaufnahme
- Lebensstil: Verhaltensänderungen, Stressbewältigung, regelmäßige Bewegung
- Medikamentöse Therapie: Antidepressiva, SSRIs, Bupropion
- Chirurgische Therapie: Keine spezifischen Verfahren