Hashimoto-Thyreoiditis – Kurzportrait zum Krankheitsbild

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

Das Krankheitsbild in der Schnellübersicht stellt dar: Definition, Ursachen und Risikofaktoren, Formen/ Stadien, Entstehung und Symptome, Folgen, Diagnostik sowie Therapiesäulen der Hashimoto-Thyreoiditis. Die Übersicht kann von Mitgliedern als (PDF-)Handout gedruckt werden.

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Zuletzt aktualisiert:

18. Mai 2026

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Formen

  • Hypertrophe Form: Schmerzlose Vergrößerung der Schilddrüse mit diffuser Konsistenzvermehrung durch chronische Entzündung und lymphozytäre Infiltration.
  • Atrophe Form: Schrumpfung der Schilddrüse mit fortschreitender Gewebezerstörung und Ersatz durch Bindegewebe bis zu einer kaum sichtbaren Schilddrüse im Ultraschall.
  • Hashitoxikose: Vorübergehende Überfunktion durch plötzliche Freisetzung gespeicherter Hormone mit Symptomen wie Nervosität, Schlaflosigkeit, Schwitzen und Herzrasen.

Definition und Verbreitung

  • Definition: Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Entzündung der Schilddrüse durch eine Fehlregulation des Immunsystems, bei der Antikörper gegen körpereigene Strukturen gebildet werden und Schilddrüsenzellen zerstört werden. Häufig entsteht daraus eine dauerhafte Schilddrüsenunterfunktion.
  • Verbreitung: Betroffen sind vor allem Frauen; die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten und wird mit zunehmendem Alter wahrscheinlicher.
  • Deutschland: Die Prävalenz wird auf etwa 2 % geschätzt; mindestens 4,8 Millionen Menschen werden mit Schilddrüsenhormonen behandelt.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Erkrankungen (hoch): Polyautoimmunität mit häufigen Assoziationen zu Typ-1-Diabetes, Zöliakie, Vitiligo und Morbus Addison.
  • Umwelt und Soziales (mittel): Infektionen werden als Auslöser diskutiert. Zudem werden Schadstoffexpositionen wie Schwermetalle, Pestizide und Lösungsmittel als mögliche Risikofaktoren beschrieben.
  • Genetik/ Medikamente: Familiäre Häufung und genetische Disposition mit Assoziationen zu HLA-Klasse-II-Merkmalen sowie immunregulatorischen Genen. Als Auslöser werden unter anderem Interferon-alpha, Amiodaron, Lithium sowie Checkpoint-Inhibitoren genannt.

Entstehung

  • Prädisposition: Genetische Anfälligkeit bildet die Grundlage, auf der Umweltfaktoren als Trigger wirken können.
  • Verlust der Immuntoleranz: Autoreaktive T-Zellen erkennen Schilddrüsengewebe fälschlich als fremd und lösen eine Immunreaktion aus.
  • Infiltration und Antikörperbildung: Entzündungszellen wandern ein. Immunzellen (B-Lymphozyten) produzieren vor allem TPO- und Tg-Antikörper.
  • Zellzerstörung: Schilddrüsenzellen gehen durch Apoptose, zytotoxische T-Zell-Wirkung und oxidativen Stress zugrunde, was langfristig zur Unterfunktion führt.

Symptome

  • Körperlich: Müdigkeit, Gewichtszunahme, vermehrtes Frieren, trockene oder teigige Haut, Haarausfall, Verstopfung.
  • Psychisch: Depressive Verstimmung bis Depression, Angstzustände, Stimmungsschwankungen.
  • Ernährungsbezogen: Verminderter Appetit, Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung, Verstopfung.
  • Leistungsbezogen: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisschwäche, mentale und motorische Verlangsamung.

Folgen und Komplikationen

  • Komplikationen: Fortschreitende Hypothyreose mit Bedarf an lebenslanger Hormonersatztherapie, kurzzeitige Hyperthyreose in der Hashitoxikose, in extremen Fällen Myxödemkoma.
  • Folgeerkrankungen: Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Fettstoffwechselstörungen und Arteriosklerose sowie erhöhtes Osteoporoserisiko bei Überdosierung von Schilddrüsenhormonen.
  • Häufige Begleiterkrankungen: Typ-1-Diabetes, Zöliakie, Autoimmungastritis mit Vitamin-B12-Mangel sowie Vitiligo und rheumatoide Arthritis.

Diagnostik

  • Anamnese: Erfassung typischer Unterfunktionssymptome, Abklärung familiärer Belastung und Medikamenteneinnahme sowie der Jodexposition.
  • Labor: Bestimmung von TSH als Basismarker; bei Auffälligkeit Messung von fT4 und gegebenenfalls fT3; Nachweis von TPO- und Tg-Antikörpern.
  • Apparativ: Sonographie zur Beurteilung von Struktur und Größe mit typischer Echoarmut und Inhomogenität; Szintigraphie ist für die Hashimoto-Diagnostik nicht erforderlich.

Therapiesäulen (nach Relevanz)

  • Hormonsubstitution: Levothyroxin ist die Standardtherapie bei manifester Hypothyreose; Ziel ist ein TSH im Referenzbereich und klinische Stabilität bei individuell angepasster Dosierung und korrektem Einnahmemodus.
  • Ernährungstherapeutische Maßnahmen: Jodmanagement mit bedarfsdeckender Zufuhr und Vermeiden sehr hoher Jodmengen. Mögliche Optimierung der Selenversorgung. Differenzierter Umgang mit goitrogenen Lebensmitteln und Gluten abhängig von Begleiterkrankungen.
  • Lebensstil und Mängelversorgung: Stressreduktion und moderate Bewegung. Gezielte Abklärung und Ausgleich häufiger Mängel wie Vitamin D, Eisen und Vitamin B12, besonders bei assoziierten Erkrankungen.