Laktose – Kleiner Steckbrief

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

Dieser Steckbrief erklärt, was Laktose (Milchzucker) ist, wie sie im Körper verarbeitet wird und welche technologischen Eigenschaften sie in Lebensmitteln hat. Im Fokus stehen außerdem Ursachen, Symptome und Diagnostik der Laktoseintoleranz sowie praktische Hinweise zu Vorkommen, Toleranzmengen und therapeutischer Relevanz.

Gehört zu:

Zuletzt aktualisiert:

10. August 2026

Für den übersichtlichen Druck der folgenden Einträge ist ein Login erforderlich.

Bedeutung und Eigenschaften

  • Bedeutung: Laktose ist ein Milchzucker, der vor allem über Milch und Milchprodukte aufgenommen wird. Für Erwachsene ist Laktose kein essenzieller Nährstoff. Praktisch relevant ist sie dennoch, weil Milchprodukte wichtige Kalziumquellen sind und bei einer Unverträglichkeit die Kalziumzufuhr aus anderen Quellen abgesichert werden muss.
  • Definition und chemische Struktur: Laktose (Milchzucker) ist ein Disaccharid aus Glukose und Galaktose. Beide Bausteine sind über eine beta-1,4-glykosidische Bindung verbunden. Die Süßkraft liegt bei etwa 25 Prozent im Vergleich zu Saccharose. Ab etwa 150 Grad Celsius kann Laktose in der Maillard-Reaktion bräunen.
  • Aktive Substanzen: Laktose ist der relevante Zucker. Zusätzlich sind einige Derivate für die Praxis und Therapie bedeutsam.
    • Laktose: Disaccharid aus Glukose und Galaktose; die Spaltung durch Laktase ist Voraussetzung für die Aufnahme.
    • Laktulose: Galaktose und Fruktose; im Dünndarm unverdaulich, bindet im Dickdarm Wasser und senkt dort den pH-Wert.
    • Laktitol (Laktit, E 966): Galaktose und Sorbit; unverdaulich, wirkt abführend und ist kalorienärmer als Zucker.
  • Eigenschaften: mäßige Süße (etwa 25 Prozent von Saccharose), hohes Wasserbindungsvermögen, technologische Effekte auf Rieselfähigkeit und Textur, Bräunung und Aromaentwicklung ab etwa 150 Grad Celsius, gute Eignung als Trägerstoff für Aromen.

Wirkungen im Körper

  • Energiequelle in der Säuglingsphase: Laktose wird in der Milchdrüse gebildet und ist in den ersten Lebensmonaten die wichtigste Energiequelle für Säuglinge.
  • Modulation des Mikrobioms: Nicht vollständig resorbierte Laktose kann im Dickdarm zu Milch-, Essig- und Kohlensäure abgebaut werden. Das entstehende saure Milieu fördert Bifidobakterien und hemmt Fäulniserreger.
  • Blutzuckerwirkung: Spaltung und Resorption erfolgen langsamer als bei Haushaltszucker. Dadurch fällt die Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel vergleichsweise moderat aus.
  • Osmotischer Effekt bei Malabsorption: Ungespaltene Laktose bindet Wasser im Darm und kann bei Laktasemangel zu wässrigem Durchfall beitragen. Zusätzlich entsteht durch bakterielle Vergärung Gas.

Therapeutische Relevanz

  • Laktoseintoleranz (primär und sekundär): Bei Laktasemangel gelangt Laktose ungespalten in den Dickdarm, wird dort vergoren und bindet Wasser. Typische Folgen sind Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Viele Betroffene tolerieren langfristig etwa 6 bis 10 Gramm pro Tag. Beschwerden treten häufig erst bei Mengen über 10 bis 12 Gramm auf.
  • Reizdarmsyndrom und SIBO: Laktose wirkt als FODMAP, kann Wasser in den Darm ziehen und wird vergoren. Bei Reizdarm kann die Gasbildung aufgrund viszeraler Hypersensitivität besonders schmerzhaft sein. Eine Low-FODMAP-Ernährung mit Laktosereduktion kann Symptome bei einem großen Anteil der Betroffenen lindern.
  • Entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa): In einem Schub kann die Darmschleimhaut geschädigt sein und die Laktaseaktivität sinken. Eine vorübergehende Laktosekarenz kann Beschwerden reduzieren. In Remission ist eine Wiedereinführung oft möglich.
  • Zöliakie: Durch Zottenatrophie entsteht häufig eine passagere sekundäre Laktoseintoleranz. In der Anfangsphase kann eine laktosearme Ernährung sinnvoll sein. Nach Regeneration der Schleimhaut wird Laktose oft wieder vertragen.
  • Osteoporose-Risiko bei Vermeidung: Das zentrale Risiko bei strikter Vermeidung ist kein Laktosemangel, sondern eine unzureichende Kalziumzufuhr, weil Milchprodukte zu den wichtigsten Kalziumlieferanten zählen.
  • Therapeutische Nutzung von Laktulose: Laktulose wird als Abführmittel eingesetzt, weil sie im Dickdarm Wasser bindet. Bei hepatischer Enzephalopathie wird sie genutzt, weil der bakterielle Abbau den pH-Wert senkt und Ammoniak zu Ammonium bindet, das ausgeschieden wird.

Zufuhrempfehlungen

  • Empfehlung minimale/ optimale Aufnahme: Für Erwachsene gibt es keine offiziellen Zufuhrempfehlungen, da Laktose kein essenzieller Nährstoff ist. Eine reduzierte Zufuhr ist für Personen mit Laktoseintoleranz angezeigt.
  • Tatsächliche Aufnahme in Deutschland: Eine erwachsene Person nimmt im Durchschnitt etwa 20 bis 30 Gramm Laktose pro Tag über Milch und Milchprodukte auf.

Vorkommen

  • Lebensmittelgruppen (pflanzlich vs. tierisch): Laktose kommt in Milch und Milchprodukten vor. Pflanzliche Lebensmittel enthalten keine Laktose.
  • Konzentrate/ sehr hohe Gehalte: Molkenpulver (über 60 Gramm pro 100 Gramm), Milchpulver (etwa 38 bis 52 Gramm pro 100 Gramm), Kondensmilch (etwa 9 bis 13 Gramm pro 100 Gramm), Milchschokolade (etwa 9,5 Gramm pro 100 Gramm).
  • Milch und vergleichbare Produkte: Vollmilch oder H-Milch (etwa 4,6 bis 4,8 Gramm pro 100 Milliliter; 250 Milliliter enthalten etwa 12 Gramm), Joghurt oder Sauermilch (etwa 3,7 bis 4,5 Gramm pro 100 Gramm), Quark (etwa 2,6 bis 4 Gramm pro 100 Gramm), Schlagsahne (etwa 3 Gramm pro 100 Gramm), Frischkäse oder Hüttenkäse (etwa 2 bis 4 Gramm pro 100 Gramm), Schmelzkäse (etwa 2,3 bis 6 Gramm pro 100 Gramm).
  • Reife Käse und Butter (niedrige Gehalte): Hartkäse wie Emmentaler oder Parmesan (unter 0,1 Gramm pro 100 Gramm), Schnittkäse wie Gouda oder Tilsiter (unter 0,1 Gramm pro 100 Gramm), Butter (etwa 0,1 bis 0,6 Gramm pro 100 Gramm).

Mögliche Überversorgung [nur wenn relevant]

  • Ursachen: Eine „Überversorgung“ im Sinne einer Zufuhr oberhalb der individuellen Spaltungskapazität entsteht bei Laktasemangel, wenn mehr Laktose aufgenommen wird, als durch das Enzym Laktase im Dünndarm gespalten werden kann. Besonders häufig sind große Einzelportionen (Bolus) problematisch.
  • Symptome:
    • Gastrointestinal: Blähungen, wässriger Durchfall, kolikartige Bauchschmerzen und Darmgeräusche; die Beschwerden treten typischerweise 2 bis 4 Stunden nach dem Verzehr auf.
    • Systemisch: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und Konzentrationsstörungen können auftreten.
  • Risikogruppen: Personen mit primärem oder sekundärem Laktasemangel; in Phasen von Schleimhautschädigung (zum Beispiel Zöliakie, akute Darmentzündungen oder nach Chemo- oder Strahlentherapie) kann die Toleranz vorübergehend deutlich sinken.

Bestimmung Status

  • H2-Atemtest: Unverdaute Laktose wird im Dickdarm vergoren. Der dabei entstehende Wasserstoff diffundiert ins Blut und wird über die Lunge abgeatmet. Ein Anstieg von über 20 ppm über den Basalen Wert gilt als positiv für eine Laktosemalabsorption.
  • Genetischer Test (C/T 13910): Genotyp CC spricht für eine Anlage zur Laktasedefizienz. Genotyp CT oder TT spricht für Laktase-Persistenz. Der Test erfasst keine sekundären, erworbenen Formen.
  • Einschränkungen der Aussagekraft: Ein positiver Atemtest zeigt eine Malabsorption. Erst bei gleichzeitigen Symptomen entspricht dies einer klinisch relevanten Intoleranz. Bei sogenannten Non-Respondern ohne wasserstoffproduzierende Bakterien kann der H2-Test trotz Malabsorption negativ ausfallen.

Wichtige Stoffwechselaspekte

  • Absorption, Spaltung und Aufnahme: Die Spaltung erfolgt im Dünndarm an der Bürstensaummembran durch das Enzym Laktase. Resorbiert werden nur Glukose und Galaktose. Bei Laktasemangel wandert Laktose in den Dickdarm, wird dort vergoren und bindet zusätzlich Wasser.
  • Transport und Speicher: Laktose wird physiologisch nicht als Disaccharid transportiert oder gespeichert. Transportiert werden die Spaltprodukte Glukose und Galaktose. Eine Synthese von Laktose findet physiologisch in der Milchdrüse laktierender Personen statt.
  • Abbau und Ausscheidung: Im Dickdarm entstehen durch bakteriellen Abbau kurzkettige Fettsäuren und Gase. Wasserstoff wird über die Lunge abgeatmet, was die Grundlage des H2-Atemtests ist. Osmotisch wirksame Laktose und entstehende Säuren fördern wässrigen Stuhl und werden über den Stuhl ausgeschieden.