FETeV Newsletter 2025-30

01.09.2025

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studienkrimi: Kein Beleg für Diabetesrisiko durch Zucker?

Eine aktuelle Übersichtsarbeit sorgte jüngst für Schlagzeilen: Es bestehe kein Zusammenhang zwischen der Zuckeraufnahme und dem Risiko für Typ-2-Diabetes [Cor 2025]. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Besonders zuckerhaltige Getränke wie Limonaden oder Cola erhöhen das Risiko deutlich. Pro Dose am Tag steigt es um rund ein Viertel. Für Fruchtsäfte ist der Anstieg geringer, aber dennoch vorhanden. Die Behauptung einer Entwarnung erweist sich damit als verkürzte Interpretation der Daten.

Bei anderen Zuckerarten, etwa Saccharose (Haushaltszucker) oder Fruktose, lassen sich aus den verfügbaren Studien keine klaren Schlussfolgerungen ziehen. Teilweise liegen widersprüchliche Ergebnisse vor, teils ist die Aussagekraft aufgrund kleiner Studiengruppen gering. Manche Arbeiten deuten sogar auf ein erniedrigtes Risiko hin, doch diese Ergebnisse gelten als wenig belastbar. Fachleute selbst weisen in den Originalpublikationen häufig auf methodische Schwächen und die begrenzte Übertragbarkeit hin. Die Gesamtauswertung wirkt daher lückenhaft und sollte mit Vorsicht gelesen werden.

Ein genauer Blick auf die Autorenschaft und das Umfeld der Publikation zeigt enge Verbindungen zur Zucker- und Lebensmittelindustrie. Mehrere beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind in Organisationen aktiv, die von großen Herstellern unterstützt werden. Auch das Fachjournal wird von Partnern aus der Industrie gefördert. Solche Interessenkonflikte können die Darstellung der Ergebnisse beeinflussen und tragen zur Verwirrung bei. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt entscheidend, den Blick nicht auf Details zu verengen, sondern die Gesamtheit der Evidenz zu berücksichtigen.

Relevanz: Gerade in der Beratungspraxis ist es wichtig, Studien kritisch einzuordnen. Auch wenn die Datenlage komplex erscheint, bleibt die Kernaussage klar: Zucker in flüssiger Form stellt ein besonderes Diabetes-Risiko dar. Für gesundheitsbewusste Menschen bedeutet das, Getränke mit zugesetztem Zucker möglichst zu meiden und die Gesamtaufnahme im Blick zu behalten.


Fragebogen: IMPAKTS bei Eosinophiler Ösophagitis – Vermeidungsstrategien erkennen

Viele Menschen mit Eosinophiler Ösophagitis (EoE) passen ihr Essverhalten an, um Beschwerden zu umgehen. Sie essen langsamer, pürieren Mahlzeiten oder trinken ungewöhnlich viel nach. Diese Anpassungen täuschen oft über die eigentliche Krankheitsaktivität hinweg. Der sogenannte IMPAKTS-Fragebogen fasst solche Strategien zusammen und erleichtert das Erkennen von Hinweisen auf eine unzureichende Krankheitskontrolle. Damit lässt sich besser einschätzen, ob Betroffene eine intensivere Behandlung benötigen.

IMPAKTS steht für:

I – Immer der Letzte am Tisch,
M – Meiden von fester Nahrung
P – Pürieren von Mahlzeiten
A – Aversion gegen Tabletten
K – Kauen/Einspeicheln
T – Trinkmenge erhöht/Nachtrinken und
S – Sozialer Rückzug.

Es handelt sich nicht um einen offiziellen Test, sondern um eine Merkhilfe für typische Beobachtungen. Der Fragebogen wird in der Praxis eingesetzt, um Symptome sichtbar zu machen, die Betroffene oder Angehörige häufig nicht mit der Erkrankung in Verbindung bringen. So lassen sich wichtige Hinweise für Diagnose und Verlaufskontrolle gewinnen.

Die EoE ist eine chronische Entzündung der Speiseröhre, die unbehandelt langfristig zu Verengungen führen kann. Je früher Veränderungen erkannt werden, desto besser lassen sich Komplikationen verhindern. Der IMPAKTS-Fragebogen unterstützt dabei, Betroffene gezielt auf Therapien hinzuweisen und die Lebensqualität zu sichern. Für die Ernährungsberatung liefert er Anhaltspunkte, um Essverhalten richtig einzuordnen und gemeinsam Strategien für den Alltag zu entwickeln.


Praxiswissen: Kartoffeln und Diabetes-Risiko – die Zubereitungsart ist entscheidend

Seit Jahren wird diskutiert, ob der Verzehr von Kartoffeln das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht. Neue Daten aus einer groß angelegten Langzeitstudie mit rund 205.000 Teilnehmenden liefern nun ein differenziertes Bild. Insgesamt zeigte sich zwar ein leicht erhöhtes Risiko bei höherem Kartoffelkonsum, entscheidend war jedoch die Zubereitungsart. Während gekochte oder gebratene Kartoffeln unauffällig blieben, war der regelmäßige Verzehr von Pommes frites deutlich mit einem höheren Risiko assoziiert.

Die Forschenden fanden heraus, dass ein Austausch von Kartoffeln durch Vollkornprodukte vorteilhaft ist. Schon drei Portionen Vollkornprodukte anstelle von Kartoffeln pro Woche senkten das Diabetesrisiko um 4 %. Besonders auffällig war der Vergleich mit Pommes: Der Ersatz von drei Portionen Pommes durch Vollkornprodukte war mit einem Rückgang des Risikos um 19 % verbunden. Weißer Reis erwies sich hingegen als ungünstigere Wahl, da er das Risiko stärker erhöhte als gekochte oder gebratene Kartoffeln.

Pommes frites sind die kritische Form des Kartoffelverzehrs, während gekochte oder gebratene Varianten in der Studie kein zusätzliches Risiko zeigten. Wichtiger als ein vollständiger Verzicht ist daher die kluge Auswahl von Zubereitungsart und Alternativen. Vollkornprodukte sollten bevorzugt werden, da sie einen klaren präventiven Nutzen zeigen. Diese Ergebnisse tragen dazu bei, verbreitete Unsicherheiten im Alltag zu klären und den Stellenwert von Kartoffeln differenziert zu betrachten.

Praktische Tipps zur Umsetzung

  • Pommes frites nur gelegentlich und in kleinen Mengen einplanen.
  • Gekochte oder gebratene Kartoffeln bevorzugen, da sie unauffälliger sind.
  • Weißer Reis ist keine gesunde Alternative.
  • Vollkornprodukte regelmäßig in den Speiseplan einbauen.
  • Kartoffeln durch ballaststoffreiche Beilagen wie Quinoa oder Hirse ersetzen.
  • Vielfalt bei den Kohlenhydratquellen anstreben.
  • Portionsgrößen bewusst halten und nicht übermäßig steigern.
  • Kombination mit Gemüse und Eiweißquellen zur besseren Sättigung nutzen.

Blogbeitrag: Milcherzeugnisse in der Beratung – Nährstoffquelle oder Gesundheitsrisiko?

Macht Milch wirklich dick? Stimmt es, dass Erwachsene sie gar nicht mehr verdauen können? Sollte ich besser auf Haferdrink umsteigen? Solche Fragen gehören zum Alltag, auch in der Ernährungsberatung. Milch ist nicht nur ein Grundnahrungsmittel, sondern auch Projektionsfläche für zahlreiche Ängste, Überzeugungen und Mythen.

Für Fachkräfte bedeutet das: Klient:innen erwarten klare, fundierte Antworten. Sie möchten wissen, welche Rolle Milch in einer ausgewogenen Ernährung tatsächlich spielt, welche Unterschiede zwischen Vollmilch, fettarmer Milch oder Bio-Milch relevant sind und wo Vorsicht geboten ist, etwa bei Laktoseintoleranz oder Rohmilch.

Eine differenzierte Einordnung ist dabei entscheidend. Denn Milch liefert einerseits wichtige Nährstoffe, andererseits können individuelle Faktoren über Nutzen oder Verträglichkeit entscheiden. Dieser Beitrag versucht, die wesentlichen Fakten einzuordnen, um Klient:innen professionell, evidenzbasiert und ohne Ideologie beraten zu können.


Vortrag: KONTROVERS DISKUTIERT – Gesättigte Fettsäuren

Typ: Vortrag
Datum: 11.09.2025
Veranstaltet von: essakademie, essteam GbR
Referierende: Ulrike Gonder
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: 89 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstaltung:

Lange Zeit kamen die Fette insgesamt nicht gut weg, wenn es um gesunde Ernährung ging. Dann wurden die Pflanzenöle rehabilitiert, Fette tierischen Ursprungs gelten jedoch vielfach noch immer als gesundheitlich ungünstig, zumindest wenn sie reich an gesättigten Fettsäuren sind. Sie sollen mit verantwortlich sein für Fettstoffwechselstörungen, Herz- und Gefäßkrankheiten, Typ-2-Diabetes und Alzheimer. Auf der anderen Seite ist diese Sichtweise auf die gesättigten Fettsäuren stets kritisiert worden. Im Online-Fachvortrag wird es um die Eigenschaften verschiedener Fettsäuren gehen, um die Einflüsse der Lebensmittel, aus denen wir sie aufnehmen, um den Kontext der anderen Makronährstoffe, die alle eine Bedeutung für die gesundheitlichen Auswirkungen haben können. Zudem sollen die Evidenzen für die verschiedenen Sichtweisen dargestellt werden, aber auch neuere Erkenntnisse, die nahelegen, dass zumindest einzelne gesättigte Fettsäuren unterschätzt sein könnten.