03.08.2026
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Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Review: Gesättigte Fettsäuren differenzieren und lebensmittelbasierte Empfehlungen ableiten
Seit Jahrzehnten prägen Nährstoff-Grenzwerte zur Zufuhr von gesättigten Fettsäuren viele Leitlinien zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes. Ein aktuelles Review fasst die Evidenz dazu zusammen und kritisiert, dass die starre 10%-Grenze (Anteil an der Gesamtenergie) wissenschaftlich nicht konsistent durch harte Endpunkte wie Gesamtsterblichkeit oder Herz-Kreislauf-Sterblichkeit gestützt ist. In großen Studienauswertungen zeigen sich teils nur Effekte für zusammengesetzte Endpunkte, die zudem in Sensitivitätsanalysen (Prüfung der Stabilität der Ergebnisse) oft nicht stabil bleiben.
Ein weiterer Kernpunkt ist, dass Ergebnisse stark davon abhängen, wodurch gesättigte Fettsäuren ersetzt werden, zum Beispiel durch pflanzliche Öle oder durch stark verarbeitete Kohlenhydrate. Konsistent damit zeigte eine 2025 publizierte risikostratifizierte Metaanalyse von 17 randomisierten Studien (66.337 Teilnehmende), dass ein Reduzieren von gesättigten Fettsäuren zwar LDL- und Gesamtcholesterin senken. Ein bedeutsamer Nutzen für harte Endpunkte über fünf Jahre tritt aber vor allem bei Personen mit hohem kardiovaskulärem Risiko und insbesondere beim Ersatz durch mehrfach ungesättigte Fette auf.
Das Review betont, dass gesättigte Fettsäuren keine einheitliche Gruppe sind. Kurzkettige und mittelkettige Varianten werden in mehreren Arbeiten eher mit neutralen oder günstigen Effekten in Verbindung gebracht. Die gesättigte Fettsäure Palmitinsäure (C16:0) steht dagegen häufiger mit ungünstigen kardiometabolischen Markern in Verbindung. Allerdings kann ein Teil der im Blut vorhandenen Palmitinsäure durch körpereigene Bildung entstehen (De-novo-Lipogenese, Neubildung von Fettsäuren aus Kohlenhydraten und Alkohol). Dadurch sind Blutwerte der Palmitinsäure nicht automatisch ein direkter Marker für die Aufnahme über die Nahrung.
Als Konsequenz fordern die Autoren des Reviews einen Wechsel zu lebensmittelbasierten Empfehlungen. Entscheidend sei die Lebensmittelmatrix (Zusammenspiel von Struktur, Nährstoffen und Verarbeitung) und nicht allein der Anteil an gesättigten Fettsäuren. Beispiele sind vollfette Milchprodukte, Schokolade, unverarbeitetes Fleisch sowie Fette und Öle, deren Effekte je nach Verarbeitung und Gesamtprofil unterschiedlich ausfallen können. Die Schlussfolgerung lautet, dass die 10%-Grenze durch praxisnähere, lebensmittelbasierte Leitlinien ersetzt werden sollte.
Vorgestellt
Plattform: PEN® für Ernährungsfachkräfte in neuem Gewand
Die evidenzbasierte Wissensplattform PEN® (Practice-based Evidence in Nutrition) wurde im Sommer 2026 umfassend überarbeitet. Neben einer modernen Benutzeroberfläche sorgen eine verbesserte Navigation, neu strukturierte Knowledge Pathways und zusätzliche Rubriken dafür, dass wissenschaftliche Informationen schneller und gezielter gefunden werden können. Ziel der Überarbeitung ist es, den Zugang zu evidenzbasiertem Wissen im Praxisalltag weiter zu erleichtern.
Wer regelmäßig nach fundierten Antworten für die Ernährungstherapie sucht, stößt früher oder später auf PEN®. Die von Dietitians of Canada entwickelte Plattform beantwortet konkrete Fragestellungen aus der Ernährungspraxis und bietet neben evidenzbasierten Empfehlungen auch Hintergrundinformationen, Literaturbewertungen, Screening- und Assessmentinstrumente sowie Materialien für die Patientenberatung.
PEN® ist englischsprachig, kostenpflichtig und richtet sich an Ernährungsfachkräfte, die regelmäßig wissenschaftlich fundierte Informationen benötigen. Wer sich zunächst einen Eindruck verschaffen möchte, kann die Plattform 14 Tage kostenlos testen. Für Fachgesellschaften bestehen zudem Möglichkeiten einer Verbandsmitgliedschaft mit vergünstigten Zugängen für ihre Mitglieder.
Beratungspraxis
Good Practice: Störungen der Darm-Hirn-Interaktion strukturiert erfassen und begleiten
Störungen der Darm-Hirn-Interaktion, international als Disorders of Gut-Brain Interaction (DGBI) bezeichnet, umfassen unter anderem das Reizdarmsyndrom, die funktionelle Dyspepsie oder auch chronische funktionelle Bauchschmerzen. Diese Beschwerden sind nicht allein somatisch erklärbar. Entscheidend ist ein biopsychosozialer Ansatz, der biologische, psychische und soziale Einflussfaktoren systematisch berücksichtigt.
Im Zentrum steht die Darm-Hirn-Achse. Über sogenannte Bottom-up-Bahnen gelangen Signale aus dem Darm an das Gehirn. Dort werden sie durch kognitive und emotionale Netzwerke verarbeitet. Über Top-down-Bahnen beeinflusst das Gehirn wiederum Darmfunktion und -bewegung, Schmerzempfinden sowie Symptomwahrnehmung. Stress, belastende Erfahrungen, unzureichender Schlaf, gesundheitsbezogene Ängste, psychiatrische Komorbiditäten sowie eine fehlende soziale Unterstützung können den Verlauf wesentlich mitprägen und verstärken.
Zentrale Aspekte für die Beratungspraxis
- Biopsychosoziale Anamnese: Neben Ernährung, Symptomen und Verdauungsbeschwerden sollten Stress, Schlaf, Ängste, Krankheitsüberzeugungen, Essverhalten und psychosoziale Belastungen strukturiert erhoben werden.
- Assessment standardisieren: Ein strukturiertes Vorgehen erleichtert das Einschätzen, ob Selbstmanagement, ernährungstherapeutische Begleitung, Verhaltenstherapie oder spezialisierte gastropsychologische Versorgung notwendig sind.
- Somatische Engführung vermeiden: Eine rein körperbezogene Bewertung greift häufig zu kurz, da Symptomschwere und Lebensqualität auch durch emotionale, kognitive sowie soziale Faktoren geprägt werden.
- Selbstmanagement stärken: Psychoedukation zur Darm-Hirn-Achse, Stressmanagement, Bewegung, Ernährung und Lebensstil bilden die erste Versorgungsstufe und können auch in der ernährungstherapeutischen Beratung aufgegriffen werden.
- Interdisziplinär weiterleiten: Bei ausgeprägten Ängsten, Essstörungen, psychiatrischen Komorbiditäten, chronischen Schmerzen oder therapieresistenten Beschwerden ist eine multidisziplinäre Versorgung besonders relevant.
Ernährungsempfehlungen sollten bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen nicht isoliert formuliert werden. Wirksamer ist ein strukturierter Beratungsprozess, der Ernährung, Symptomtagebuch, Stressoren, Essverhalten, Krankheitsverständnis und Ressourcen gemeinsam betrachtet. So lassen sich unrealistische Diätverschärfungen vermeiden und Maßnahmen gezielter an den tatsächlichen Einflussfaktoren ausrichten.
🔒 Mitgliederservice/ Interna
FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen
Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/Aktualisierungen auf unserer Website hin.
Proteinqualität: Protein ist nicht gleich Protein. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern das Aminosäureprofil. Der Artikel erläutert, warum der DIAAS die Proteinqualität präziser abbildet als der PDCAAS und wie sich pflanzliche Quellen durch gezielte Kombination aufwerten lassen. Klinisch entscheidend wird das unter anderem bei Sarkopenie, Rekonvaleszenz oder auch Proteinrestriktion.
🔒 Proteinqualität: Passend zum Artikel wurde das Folienset zu Proteinen und Aminosäuren um den Abschnitt Proteinqualität ergänzt.
Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online-Seminar: Glukose gut – alles gut? Faktencheck zum CGM-Boom
Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 21.09.2026
Veranstaltet von: freiraum Seminare
Referierende: Dr. oec. troph. Astrid Tombek
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 135 statt 155 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) ist aus der modernen Diabetestherapie nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig entwickelt sie sich zunehmend zum Lifestyle-Trend für gesunde Menschen. In sozialen Medien werden Glukose-Peaks häufig als allgemeiner Gesundheitsindikator dargestellt – entsprechend steigt der Beratungsbedarf in der Ernährungspraxis.
Im Webinar vermittelt Dr. oec. troph. Astrid Tombek die Grundlagen des postprandialen Glukosestoffwechsels, erläutert Nutzen und Grenzen moderner CGM-Systeme und zeigt, wie Glukoseprofile fachlich fundiert interpretiert werden können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der evidenzbasierten Einordnung des aktuellen CGM- und Glukose-Hypes, damit Ernährungsfachkräfte ihre Klientinnen und Klienten kompetent beraten können.
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