FETeV Newsletter 2026-36

05.10.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Metaanalyse: Kreatin für Muskelmasse, Kraft und Knochendichte nach der Menopause

Nach der Menopause beschleunigen sich häufig der Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft sowie der Rückgang der Knochendichte. Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte deshalb den Nutzen von Kreatinmonohydrat. Berücksichtigt wurden sieben randomisierte, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 608 postmenopausalen Frauen. Das mittlere Alter lag bei etwa 62 Jahren, die Studiendauer zwischen 12 und 104 Wochen.

Kreatin erhöhte die fettfreie Masse im Mittel um 0,37 Kilogramm. In drei Studien verbesserte sich außerdem die Maximalkraft (Einwiederholungsmaximum) an der Beinpresse um 7,5 Kilogramm. Das Einwiederholungsmaximum bezeichnet dabei das höchste Gewicht, das bei einer Übung einmal kontrolliert bewegt werden kann. Vorteile zeigten sich vor allem bei mindestens fünf Gramm Kreatin täglich in Verbindung mit Krafttraining. Die Knochendichte blieb unverändert, ebenso die körperliche Funktion ohne strukturiertes Training.

Die Aussagekraft ist durch die geringe Zahl und unterschiedliche Gestaltung der Studien begrenzt. Dosierungen, Trainingsprogramme, Interventionsdauer und Messmethoden variierten deutlich. Für Muskelmasse und Kraft bewerteten die Autoren die Evidenz als moderat. Auf die Knochendichte zeigte sich kein Effekt. Ob Kreatin hier wirkt, bleibt offen. Die Sicherheitsergebnisse waren mit Placebo vergleichbar. Schwere kreatinbedingte Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Einordnung bestätigt: Kreatin ist keine universelle Maßnahme gegen altersbedingte Veränderungen von Muskelmasse oder Kraft. Dessen Bedeutung liegt in einem klar begrenzten Einsatzfeld innerhalb kombinierter Strategien zum Erhalt der Muskelgesundheit.


S1-Leitlinie: Prävention der altersabhängigen Makuladegeneration

Die erste deutsche S1-Leitlinie zur altersabhängigen Makuladegeneration bündelt Empfehlungen zu Risikofaktoren, Screening, Selbstkontrolle und Prävention. Sie richtet sich primär an die Augenheilkunde, bezieht aber auch die hausärztliche Versorgung ein. Ein Screening mit Funduskopie wird grundsätzlich ab dem 55. Lebensjahr empfohlen. Die Kontrollintervalle richten sich nach Erkrankungsstadium und individuellem Risiko.

Bei den Ernährungsfaktoren erhält die mediterrane Ernährung die stärkste Empfehlung. Im Mittelpunkt stehen Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse, Olivenöl, Fisch und Geflügel. Milchprodukte und rotes Fleisch sollen nur in geringen Mengen vorkommen. AREDS2-Supplemente* werden ausschließlich bei definierten Befunden empfohlen, insbesondere bei intermediärer AMD oder fortgeschrittener AMD an nur einem Auge. Zusätzliche Omega-3-Supplemente senkten die Progression nicht weiter.

Die Leitlinie bietet Augenheilkunde, Allgemeinmedizin und Ernährungsfachkräften eine kompakte Grundlage für Präventionsgespräche. Sie eignet sich nicht zur pauschalen Empfehlung von Nahrungsergänzungsmitteln. Deren Einsatz setzt eine augenärztliche Stadieneinteilung voraus. Als S1-Leitlinie besitzt sie zudem eine geringere methodische Verbindlichkeit als höherklassige Leitlinien.

Verantwortlich: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands
Umfang: 33 Seiten, Version 1.0, gültig bis September 2031

*AREDS2-Supplemente sind spezielle Nahrungsergänzungsmittel, die das Fortschreiten einer altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) verlangsamen können.


Good Practice: Ernährungstherapie bei respiratorischen Infektionen mitdenken

Eine Mangelernährung kann den Krankheitsverlauf bei respiratorischen Infektionen ungünstig beeinflussen. Studien weisen darauf hin, dass eine bedarfsdeckende Energie- und Proteinzufuhr klinische Ereignisse und die Sterblichkeit reduzieren kann. Besonders relevant ist dies bei älteren, stationär behandelten oder an Tuberkulose erkrankten Menschen.

Das Nutritional Risk Screening erfasst das Risiko einer Mangelernährung anhand von Ernährungszustand, Krankheitsschwere und Alter. Bei erhöhtem Risiko sollte die Ernährungstherapie individuelle Energie- und Proteinziele berücksichtigen. Für eine zusätzliche Gabe einzelner Mikronährstoffe wie Zink, Selen oder Vitamine ohne nachgewiesenen Mangel zeigen die verfügbaren Daten dagegen keine überzeugenden Effekte.

  • Ernährungsrisiko erfassen: Ein standardisiertes Screening unterstützt die frühzeitige Erkennung einer möglichen Mangelernährung.
  • Bedarf individuell bestimmen: Energie- und Proteinziele richten sich nach Ernährungszustand, Erkrankungsschwere und klinischem Verlauf.
  • Nahrungsaufnahme beobachten: Verzehrmengen und Gewichtsverlauf zeigen, ob die geplanten Ziele erreicht werden.
  • Energie und Protein verdichten: Kleine, nährstoffreiche Mahlzeiten können bei Appetitmangel die Bedarfsdeckung erleichtern.
  • Trinknahrung gezielt einsetzen: Eine Ergänzung kommt infrage, wenn die normale Ernährung den Bedarf nicht deckt.
  • Verlauf regelmäßig prüfen: Ziele und Maßnahmen sollten an Veränderungen des Gesundheitszustands angepasst werden.

Cave: Die Ernährungstherapie ergänzt die medizinische Behandlung und ersetzt keine antiinfektive Therapie. Bei Schluckstörungen, schwerer Mangelernährung, relevanten Begleiterkrankungen oder anhaltend unzureichender Nahrungsaufnahme ist eine interprofessionelle Abklärung erforderlich.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

Insulinresistenz – Ernährungsoptionen: Die 10 Ernährungsoptionen stellen mögliche nicht-medikamentöse Stellschrauben in der Therapie der Insulinresistenz dar und sind ihrer Hebelwirkung entsprechend sortiert. Mitglieder können die Übersicht als (PDF-)Handout drucken und/oder als Gesprächsgrundlage nutzen.

Proteinreiche Ernährung – Pro und kontra: Eine proteinreiche Ernährung sättigt gut und hilft, Muskeln zu erhalten – beim Abnehmen, im Alter und bei Krankheit. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann dieselbe Menge schaden. Ob mehr Protein nützt, hängt von Energiebilanz, Alter, Gesundheitszustand, Bewegung und Proteinquelle ab.

Hühnereiallergie kompakt: Die Hühnereiallergie ist eine immunologisch vermittelte Reaktion auf Eiproteine und gehört zu den häufigsten Nahrungsmittelallergien im Kleinkindalter. Der Steckbrief erklärt, welche Komponenten die Verträglichkeit von rohem, gekochtem und verbackenem Ei bestimmen. Er zeigt außerdem, wie die Meidung gestuft wird und wann das Notfallset nötig ist.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Longevity – zwischen Hype und Wissenschaft

Veranstaltungstyp: Online-Tageswebinar
Datum: 23.10.2026
Veranstaltet von: freiraum seminare
Referierender: Dr. Malte Rubach
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 210 EUR statt 240 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Longevity ist längst mehr als ein Gesundheitstrend. Zwischen Biohacking, Selbstoptimierung, Supplements und Social-Media-Hacks entsteht ein milliardenschwerer Markt, begleitet von der Hoffnung, nicht nur länger, sondern möglichst jung, leistungsfähig und kontrollierbar zu leben. Doch was davon ist wissenschaftlich fundiert? Und welche Rolle spielen Ernährungsfachkräfte in diesem Spannungsfeld aus Evidenz, Erwartung und Überforderung?

Das Seminar ordnet den Longevity-Trend kritisch und praxisnah ein. Im Fokus stehen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Ernährung, Bewegung, Regeneration und Lebensstil sowie die Frage, welche Empfehlungen tatsächlich belastbar sind. Themen wie Blue Zones, Gesundheitsspanne versus Lebensspanne, personalisierte Ernährung, Epigenetik, Supplemente wie NAD+, Resveratrol oder Spermidin sowie Fasten- und Anti-Aging-Konzepte werden evidenzbasiert beleuchtet.

Ebenso geht es um gesellschaftliche und psychologische Aspekte: Warum wird Altern zunehmend als vermeidbares Problem betrachtet? Wo liegen die Grenzen von Selbstoptimierung? Und wie verändert der Trend die Beratungspraxis mit immer stärker „informierten“ Klienten?

Das Seminar verbindet Wissenschaft, kritische Reflexion und konkrete Praxisbeispiele. Gruppenarbeiten und Fallbeispiele ermöglichen den Transfer in den Berufsalltag. Zusätzlich werden alternative kulturelle Perspektiven auf Alter, Gesundheit und Lebensqualität betrachtet.