16.02.2026
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Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Studie: ARFID-ähnliches Essverhalten bei Kindern häufig mit erhöhtem Risiko für Entwicklungsstörungen
Vermeidend-restriktives Essverhalten im Kindesalter ist in westlichen Industrieländern offenbar häufiger als lange angenommen und kann mit einem erhöhten Risiko für Entwicklungsauffälligkeiten einhergehen. Das berichten Forschende anhand von Daten aus der norwegischen Mutter-Vater-Kind-Kohortenstudie mit 35.751 Kindern. Erfasst wurde vermeidend-restriktives Essverhalten über mütterliche Angaben im Alter von 3 und 8 Jahren. Zusätzlich wurden Gesundheitsregisterdaten und genetische Informationen einbezogen [Bjo 2026].
Zentrale Befunde: Die Auswertung unterschied „transient“ (nur mit 3 Jahren), „emergent“ (nur mit 8 Jahren) und „persistent“ (mit 3 und 8 Jahren) und definierte eine klinische Untergruppe bei Hinweisen auf klinische Relevanz (z. B. Nährstoffdefizite). Insgesamt zeigten 17,7 % der Kinder ein transientes, 8,4 % ein emergentes und 6,0 % ein persistierendes Muster. Klinisch relevante Formen traten bei 6,3 % auf. Kinder mit persistierendem vermeidend-restriktivem Essverhalten wiesen häufiger Entwicklungsprobleme auf, u. a. in Sprache und Kognition, sozial-emotionaler Anpassung, Motorik sowie Aufmerksamkeit und Verhalten. In ergänzenden Analysen wurden genetische Assoziationen beschrieben. Der Einfluss einzelner genetischer Varianten wurde auf 8 bis 16 % geschätzt. Auffällig war u. a. eine Assoziation mit ADCY3, das mit Appetitregulation und Stoffwechsel in Verbindung gebracht wird.
Für die Beratung heißt das: Bei ausgeprägt eingeschränkter Lebensmittelauswahl oder dauerhaft niedriger Nahrungsaufnahme im Kindesalter sollte nicht nur das Gewicht betrachtet werden. Relevant sind ebenso Verlauf, Funktionseinschränkungen im Alltag und mögliche Hinweise auf Nährstoffdefizite. Persistente Muster verdienen besondere Aufmerksamkeit, da sie in dieser Auswertung mit einem erhöhten Risiko für Entwicklungsauffälligkeiten assoziiert waren.
Vorgestellt
Kochbuch: SMILE – Schlemmen in Mengen
Das am 26. Januar 2026 erschienene Kochbuch verbindet medizinische Expertise aus Kardiologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin mit alltagstauglichen, schnell umsetzbaren Rezepten aus preiswerten, gut verfügbaren Zutaten. Der Fokus liegt auf einer genussvollen, ausgewogenen Ernährung ohne Verbote, die sich realistisch in den Alltag integrieren lässt.
Das Buch arbeitet mit einem klaren Strukturprinzip: Jede Mahlzeit wird in drei Portionsvarianten angeboten, abgestimmt auf unterschiedliche Lebenssituationen, Aktivitätsniveaus und gesundheitliche Ausgangslagen. Ergänzend werden zentrale Zusammenhänge zwischen Ernährung, Stoffwechsel, Insulinresistenz und kardiometabolischen Risiken verständlich eingeordnet.
Der Titel „SMILE“ ist dabei bewusst programmatisch gewählt und steht für einen positiven, genussorientierten Zugang zu gesunder Ernährung, jenseits klassischer Verzichtsnarrative. Für Ernährungsfachkräfte ist das Buch interessant, weil es evidenznahe Grundlagen mit praxistauglichen Umsetzungsbeispielen verbindet und sich gut als niedrigschwellige Empfehlung für Klienten und Klientinnen eignet.
BIOFACH-Messe: 7 Ernährungstrends als Lifestyle-Statement
Die BIOFACH-Messe in Nürnberg zeigt: Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Ernährung wird zum Ausdruck von Lifestyle, Moral und Selbstoptimierung. Umweltredakteur Sebastian Moritz beobachtet auf der weltweit größten Messe für ökologische Konsumgüter sieben zentrale Entwicklungen:
- Bio: Mainstream mit moralischem Mehrwert
- Clean Eating: Kontrolle und Selbstdisziplin
- Supplements: Körper als Hightech-System
- Detox & Entgiftung: Reinheit als Sehnsucht
- Glow-Food: Schönheit von innen
- Vegan & plant-based: Haltung auf dem Teller
- Essen als Medizin: Funktionelle Ernährung
Diese Trends zeigen: Gesundheit ist nur ein Aspekt. Essen wird zum Symbol für Werte und Identität. Wer Bio kauft oder vegan lebt, zeigt Haltung. Der Teller wird zur Bühne für persönliche Überzeugungen in einer komplexen Welt.
Beratungspraxis
Gendermedizin: Geschlechtsspezifische Unterschiede im Stoffwechsel – und was sie für die Praxis bedeuten
Lange Zeit wurde Medizin entlang eines „Standardpatienten“ gedacht, der faktisch häufig männlich war. Biologische Faktoren (Sex) und psychosoziale Einflüsse (Gender) können aber messbare Unterschiede im Stoffwechsel und in Risikoprofilen erzeugen. Für die Praxis bedeutet das vor allem: Diagnostik- und Beratungslogiken sollten nicht automatisch als geschlechtsneutral angenommen werden.
Ein praxisnahes Beispiel ist die Adipositas- und Risikoabschätzung. Neben Prävalenzunterschieden sind Unterschiede in der Fettverteilung relevant: In der fruchtbaren Lebensphase wird Fett bei Frauen häufiger subkutan gespeichert. Postmenopausal kann es durch sinkende Östrogenspiegel zu einer stärkeren viszeralen Fettverteilung kommen. Viszerales Fett ist mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert.
Auch diagnostisch ergeben sich Unterschiede: Bei Typ-2-Diabetes werden standardmäßig Nüchternglukosewerte herangezogen. Der Artikel betont, dass Frauen häufiger eine gestörte Glukosetoleranz zeigen können, die eher über einen oGTT sichtbar wird. Wenn der oGTT aus Aufwandgründen seltener durchgeführt wird, steigt das Risiko, dass relevante Störungen bei Frauen übersehen werden.
Für die Beratung heißt das: Risikoeinschätzungen bei Übergewicht nicht ausschließlich am BMI ausrichten, sondern Taillenumfang, Körperzusammensetzung und individuelle Risikofaktoren konsequent ergänzen. Bei klinischem Verdacht auf eine gestörte Glukosetoleranz sollte die Diagnostik (z. B. oGTT) aktiv mitgedacht werden, um Unterdiagnosen zu vermeiden.
🔒 Mitgliederservice/ Interna
FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen
Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.
Lebensmittelrecherche bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Das Online-Tool erlaubt das Filtern von über 700 Lebensmitteln und 10 Lebensmittelgruppen bei Unverträglichkeit auf Laktose, Fruktose, Polyole und/oder Gluten.
PCOS: Das aktuelle dynamische Folienset liefert praxistaugliche Slides zum Krankheitsbild und zur Ernährungstherapie bei PCOS, geeignet für das Beratungsgespräch mit dem Patienten/ Klienten.
Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online-Seminar: Ernährungstherapie in der Gynäkologie – das hat Potenzial!
Veranstaltungstyp: Online Seminar, Webinar
Datum: 02.03.2026 und 03.03.2026
Veranstaltet von: Landwirtschaftliche Lehranstalten – Triesdorf
Referierende: Diane Faude, B. Sc.
Kosten / Rabatt: 90,00 Euro/ 75,00 Euro
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Prävention spielt in der gynäkologischen Versorgung eine zentrale Rolle, etwa in der Schwangerschaftsbetreuung oder der onkologischen Vorsorge. Ernährungstherapie ist bislang vor allem beim Gestationsdiabetes etabliert, ihr Potenzial reicht jedoch deutlich weiter.
Frühe Lebensstilinterventionen können langfristige Gesundheitsverläufe positiv beeinflussen und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Typ 2 Diabetes oder kardiovaskuläre Erkrankungen reduzieren. Das Seminar beleuchtet diese Ansatzpunkte praxisnah und evidenzbasiert.
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