27.10.2025
|
Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.
Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Meta-Analyse: Das Verhalten zählt – Wie mentale Strategien die Ernährungsberatung bei Diabetes verändern.
Eine neue Meta-Analyse aus dem Journal of Clinical Nursing [Wen 2025] hat neun Ernährungsinterventionen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes untersucht und kommt zu einem klaren Schluss: Erfolgreiche Ernährungstherapie ist mehr Psychologie und weniger Diätetik. Studien, die gezielt Verhaltensänderungstechniken einsetzten – also konkrete Strategien, um Motivation, Planung und Selbstkontrolle zu stärken – erzielten die deutlichsten Verbesserungen bei Blutzuckerwerten, Gewicht und Blutfetten. Entscheidend war nicht nur was gegessen wurde, sondern wie Teilnehmende beim Umsetzen unterstützt wurden.
Besonders wirksam waren laut der Analyse die Techniken „Credible Source“ und „Conserving Mental Resources“. Hinter diesen Begriffen steckt ein einfaches Prinzip: Menschen ändern ihr Verhalten eher, wenn die Informationsquelle als vertrauenswürdig erlebt wird und die Empfehlungen mental leicht umzusetzen sind. Statt komplexer Diätpläne wirkten also Strategien, die Überforderung vermeiden und den Alltag entlasten. Als Beispiele seien hier verständliche Zielsetzungen, konkrete Rückmeldungen oder auch kleine, erreichbare Schritte genannt. Das klassische „Mehr Willenskraft!“ verliert an Bedeutung, stattdessen rückt die Gestaltung der Entscheidungssituation in den Mittelpunkt.
Die Studie verdeutlicht, wie wichtig psychologische Kompetenz in der Ernährungsberatung ist. Eine gute Ernährungsempfehlung allein reicht selten, wenn sie nicht an das Denken und Handeln der Menschen angepasst ist. Für die Praxis heißt das: Wer Ernährungsberatung wirksam gestalten will, braucht weniger Belehrung, aber mehr Verhaltenswissen. Dazu gehört auch eine Portion Mut, Veränderungen so einfach wie möglich zu machen.
Zentrale Erkenntnisse aus der Meta-Analyse
- Verhaltensänderungstechniken wirken: Diese führten zu signifikanten Verbesserungen bei HbA1c, Gewicht und Blutfettwerten.
- Mentale Entlastung hilft: Leicht verständliche, alltagstaugliche Strategien steigern die Umsetzung.
- Glaubwürdige Quellen zählen: Vertrauen in die beratende Person ist zentral für Verhaltensänderung.
- Personalisierung ist entscheidend: Individuell zugeschnittene Interventionen wirken nachhaltiger als allgemeine Empfehlungen.
- Kleine Schritte, große Wirkung: Realistische Teilziele erhöhen die langfristige Adhärenz.
- Verhalten statt Verbote: Fokus auf Selbstwirksamkeit statt Kontrolle verbessert die Motivation.
Eine erfolgreiche Ernährungstherapie liegt also im Vermitteln von Ernährungswissen eingebettet in ein besseres Verhaltensdesign. Wer Menschen mit Diabetes helfen will, sollte verstehen, wie sie Entscheidungen treffen und wie gesunde Routinen mühelos in ihren Alltag passen. Ernährung verändert sich erst, wenn auch Denken und Lebensrhythmus mitgedacht werden.
Vorgestellt
Doku: Die Wahrheit über Eigenmarken (2025)
Die aktuelle SWR-Dokumentation beleuchtet den wachsenden Einfluss der Handelsmarken im Lebensmittelmarkt. Sie zeigt, dass viele dieser Produkte nicht nur deutlich günstiger sind, sondern teils aus denselben Produktionsstätten stammen wie bekannte Markenartikel. Im Praxistest überrascht eine 5-köpfige Familie, die sich einen Monat lang ausschließlich mit Eigenmarken versorgt, mit einer spürbaren Ersparnis von knapp 500 EUR und meist unter gleichbleibender Qualität. Laboranalysen und ein Blick auf die Zutatenlisten belegen zudem, dass selbst günstige Spülmaschinen-Tabs oder Schokoladen qualitativ besser abschneiden können als teure Markenprodukte. Häufig ist auch noch mehr drin.
Bemerkenswert ist zudem, dass die günstigsten Eigenmarken über alle großen Einzelhandelsketten hinweg nahezu identische Preise aufweisen. Für 18 vergleichbare Produkte zahlte das Filmteam in Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Kaufland jeweils exakt 27,32 Euro. Das ist ein klarer Hinweis auf die Preisstrategie des Handels und die Angleichung im Niedrigpreissegment. Solange es sich nicht um illegale Preisabsprachen handelt, ist das legitim.
Für Ernährungsfachkräfte ist das Thema in mehrfacher Hinsicht relevant. Steigende Lebensmittelpreise zwingen viele Haushalte zum Umdenken, ohne dass dies zwangsläufig mit Qualitätsverlust einhergehen muss. Eigenmarken können in der Beratung als realistische Option für preissensible Klientinnen und Klienten thematisiert werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Fokus auf nährstoffgerechter, aber wirtschaftlicher Lebensmittelauswahl liegt.
Beispiele wichtiger Eigenmarken im deutschen Einzelhandel:
- EDEKA: Gut & Günstig, EDEKA Bio, EDEKA zuhause
- REWE: ja!, REWE Bio, REWE Beste Wahl
- Kaufland: K-Classic, K-Bio, K-Take it Veggie
- ALDI Nord/Süd: Milsani, Milfina, GutBio, Cucina, Tandil
- Lidl: Milbona, Vemondo, Cien, Bellarom, Alesto
- Penny: Penny, Naturgut, Today
- Netto Marken-Discount: GutBio, Viva Vital, TiP
- dm: dmBio, Balea, alverde, Denkmit
- Rossmann: enerBiO, Alterra, Isana, Domol
- Müller: Aveo, BeautyLash, Bio Primo, Soft Star
Beratungspraxis
Cave: Vitamin D nicht in hochdosierten Einzelgaben einnehmen
Neuere Untersuchungen zeigen, dass seltene, aber sehr hohe Vitamin-D-Dosen über Nahrungsergänzungsmittel mit Risiken verbunden sind. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge können solche „Bolusgaben“ zu stark schwankenden Vitamin-D-Spiegeln führen. Das wiederum kann das Risiko für Stürze, Knochenbrüche und andere unerwünschte Effekte erhöhen, besonders wenn bereits eine ausreichende Versorgung besteht.
Eine tägliche, niedrig dosierte Einnahme gilt als sicherer und besser steuerbar. Das BfR empfiehlt maximal 20 Mikrogramm (etwa 800 IE) pro Tag in frei verkäuflichen Präparaten. Höhere Dosen sollten nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen, inklusive Überprüfung des Vitamin-D-Spiegels sowie von Kalzium- und Nierenwerten. Auch die Kombination mit Vitamin K2 ist nicht unproblematisch, vor allem bei Personen, die Blutgerinnungshemmer einnehmen.
Für die Ernährungsberatung ist das Thema relevant, weil Vitamin-D-Präparate häufig ohne Rücksprache eingenommen und in einigen Kundenkreisen als absolutes „Must have“ angesehen werden. Die klare Abgrenzung zwischen Nahrungsergänzung und Arzneimittel ist wichtig, ebenso wie die Aufklärung über Dosierung, Wechselwirkungen und mögliche Risiken. In der Beratung kann dies helfen, Fehlinformationen zu korrigieren und die sichere Anwendung zu fördern.
Praktische Empfehlungen:
- Vitamin-D-Spiegel vor Beginn einer Supplementation prüfen lassen.
- Tägliche niedrige Dosen bevorzugen, keine Hochdosis-Intervalle.
- Produkte mit klarer Dosierungsangabe und Qualitätsnachweis wählen.
- Kombinationen mit Vitamin K2 kritisch prüfen, besonders bei Einnahme von Antikoagulanzien.
- Ärztliche Kontrolle bei Nierenfunktionsstörungen oder hohem Risiko für Kalziumüberschuss.
- Sonne als natürliche Quelle nutzen, ohne Sonnenbrandrisiko.
- Ernährung mit Vitamin-D-reichen Lebensmitteln ergänzen (z. B. Fisch, Eier, Pilze).
- Regelmäßig auf aktuelle Empfehlungen von Fachinstituten achten.
Mitgliederservice/ Interna
Plattform FETeV: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen
Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen hin.
Essen für Muskelerhalt und Regeneration: Wie kann die Ernährung für den Erhalt von Muskeln, vor allem im Alter, beitragen? 12 Ernährungsoptionen zur Auswahl und/oder Kombination.
Handouts zu Vitaminen verfügbar: Steckbriefe u.a. mit therapeutischer Relevanz, Statusbestimmung und Hinweisen zur Nahrungsergänzung.
Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.
Gastkolumne
Mangelernährung: Awareness alleine reicht nicht
Wieder einmal steht die Malnutrition Awareness Week (MAW)* vor der Tür. Vom 10. bis 14. November wird sich nach gewohntem Muster alles um die Mangelernährung drehen: Dann werden altbekannte Experten den desolaten Zustand rund um die Mangelernährung mit den altbekannten Warnungen und Wehklagen bejammern. Nach einer ESPEN Meldung haben WHO und das ICD-11-Team am 23. Oktober 2025 endlich den lange ersehnten Diagnosecode für die „Unterernährung bei Erwachsenen“ genehmigt.
Obwohl damit ein Meilenstein für die klinische Ernährung erreicht ist, fehlt es für die ambulante Therapie der Mangelernährung tatsächlich noch immer an fast allem, angefangen von einer angemessenen Vergütung bis hin zu klaren therapeutischen Richtlinien für die Diagnose und die Therapie. Wie man das besser machen kann, zeigen zum Beispiel die Schweizer: Mit SwissDRG wurde dort ein flächendeckendes Screening von Patienten zur Diagnose der Mangelernährung eingeführt; als Grundlage für eine fachkompetente, interdisziplinäre Ernährungstherapie. Zudem steht mit dem Webportal clinicalnutrition.science eine Toolbox für ein individualisiertes, evidenzbasiertes Management der Mangelernährung zur Verfügung, das seinesgleichen sucht.
Wo rund um die Mangelernährung auch bei uns noch viel mehr geht, können Interessierte von Pascal Tribolet, Dozent an der Berner FH Gesundheit und Diätetik, Mitautor der EFFORT Studie und Entwickler von clinicalnutrition.science, in einem Webinar am 03. November erfahren.
* Begleitet werden die Angebote im Web von einem Patiententag am 12. November mit diversen Aktivitäten vor Ort in Kliniken, Reha und Pflegeeinrichtungen, bei denen es ums Thema Mangelernährung geht.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online-Seminar: Marketing wirkt – Vom Bauchgefühl zur Strategie
Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 28.–29.11.2025
Veranstaltet in Kooperation mit: essenz wissenswerk
Referentin: Janina Kaiser
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 300 EUR statt 340 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:
Das Marketing ist entscheidend, um Klient:innen, Patient:innen und Kund:innen gezielt zu erreichen. Diese Fortbildung legt den Fokus auf die Menschen, die Sie ansprechen möchten. Neben der Entwicklung eines klaren Angebots stehen passende Kommunikationskanäle, überzeugende Sprache und visuelle Gestaltung im Mittelpunkt.
Mit hohem Praxisanteil und Workshop-Charakter bietet das Seminar die Möglichkeit, das Gelernte direkt auf die eigene berufliche Situation zu übertragen. Es richtet sich besonders an Fachkräfte, bei denen die Öffentlichkeitsarbeit im Alltag oft zu kurz kommt oder die im breiten Feld der Marketingoptionen Orientierung suchen.
Newsletter abonnieren:
✓ aktuell, kompakt, kostenfrei
✓ Datenschutz-konform
✓ jederzeit kündbar