Gallensäureverlustsyndrom – Kurzportrait zum Krankheitsbild

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

Das Krankheitsbild in der Schnellübersicht stellt dar: Definition, Ursachen und Risikofaktoren, Formen/ Stadien, Entstehung und Symptome, Folgen, Diagnostik sowie Therapiesäulen des Gallensäureverlustsyndroms. Die Übersicht kann von Mitgliedern als (PDF-)Handout gedruckt werden.

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Zuletzt aktualisiert:

30. April 2026

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Definition und Verbreitung

  • Definition: Das Gallensäureverlustsyndrom bezeichnet einen funktionellen Mangel an Gallensäuren, der durch eine unzureichende Rückresorption im Dünndarm (terminales Ileum) entsteht. Dadurch gelangen vermehrt Gallensäuren in den Dickdarm und verursachen wässrige Durchfälle.
  • Verbreitung: Das Krankheitsbild gilt als oft übersehene Ursache für chronischen Durchfall. Die Häufigkeit in Deutschland in der Gesamtbevölkerung wird auf etwa 1 Prozent geschätzt; bei ungeklärter chronischer Diarrhö liegen etwa 5 Prozent der Fälle vor.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Erkrankungen (hoch): Morbus Crohn mit Befall des terminalen Ileums, Resektion oder andere Schädigung des terminalen Ileums, bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) oder Blindsack-Syndrom, Zustand nach Gallenblasenentfernung.
  • Genetik/ Medikamente (mittel): Genetischer Defekt im Rückkopplungsmechanismus des enterohepatischen Kreislaufs, Strahlenschäden im Beckenbereich.

Formen

  • Typ 1 (sekundäre Form): Ursache ist eine Erkrankung, Resektion oder Schädigung des terminalen Ileums; typisch sind wässrige Durchfälle, bei größeren Resektionen auch Fettstühle und Mangelzustände.
  • Typ 2 (primäre Form): Es liegt keine morphologische Veränderung des Darms vor; häufig wird ein genetischer Defekt im Gallensäurekreislauf vermutet.
  • Typ 3 (assoziierte Form): Ausgelöst durch andere gastrointestinale Faktoren wie Gallenblasenentfernung, bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms oder ein Blindsack-Syndrom.

Stadien

  • Kompensiert: Die Leber kann den Verlust an Gallensäuren durch erhöhte Neubildung noch weitgehend ausgleichen. Häufig stehen wässrige Durchfälle (durch Gallensäuren im Dickdarm) im Vordergrund; eine ausgeprägte Fettmalabsorption ist eher nicht typisch.
  • Dekompensiert: Der Gallensäureverlust übersteigt die Neubildungsfähigkeit der Leber. Dann kann es zusätzlich zu Fettmalabsorption mit Fettstühlen und Mangel an fettlöslichen Vitaminen sowie Vitamin-B12-Mangel kommen.

Entstehung

  • Störung der Rückresorption: Gallensäuren werden im terminalen Ileum nicht ausreichend wieder aufgenommen, wodurch der enterohepatische Kreislauf unterbrochen ist.
  • Verlagerung in den Dickdarm: Gallensäuren gelangen vermehrt in den Dickdarm und erhöhen dort den osmotischen Druck und die Sekretion von Wasser sowie Elektrolyten.
  • Leitsymptom: Es entsteht eine wässrige, teils massive Diarrhö, die auch nachts auftreten kann (wichtig für die Differenzialdiagostik!).
  • Komplikation: Wenn der Gallensäureverlust die Syntheseleistung der Leber übersteigt, kommt es zu Fettmalabsorption mit Fettstühlen und Mangel an fettlöslichen Vitaminen sowie Vitamin B12.

Symptome

  • Körperlich: Chronisch wässrige Durchfälle, nächtlicher Stuhldrang, Blähungen, Bauchschmerzen oder Krämpfe, Völlegefühl, Fettstühle bei schwerem Verlauf.
  • Psychisch: Hoher Leidensdruck durch Unvorhersehbarkeit der Beschwerden und häufig späte Diagnosestellung.
  • Ernährungsbezogen: Fettintoleranz, Mangel an fettlöslichen Vitaminen, Vitamin B12-Mangel.
  • Leistungsbezogen: Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue) durch Nährstoffmangel und Elektrolytverluste.

Folgen und Komplikationen

  • Komplikationen: Perianale Hautreizungen und Analekzeme, Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste, Gewichtsverlust bei Malabsorption.
  • Folgeerkrankungen: Nierensteine durch enterale Hyperoxalurie, Gallensteine durch verändertes Verhältnis von Cholesterin zu Gallensäuren.

Diagnostik

  • Anamnese: Chronische wässrige Diarrhö mit nächtlichem Stuhldrang, Stuhlfrequenz und -beschaffenheit, Vorerkrankungen wie Morbus Crohn, Darmresektion oder Gallenblasenentfernung.
  • Labor: Entzündungsmarker, Screening auf Vitamin B12-Mangel und Mangel an fettlöslichen Vitaminen, Stuhluntersuchungen zum Ausschluss anderer Ursachen.
  • Apparativ: SeHCAT-Test als Referenzmethode, quantitative Stuhltests auf Gallensäuren, Ileokoloskopie zur Abklärung anderer Darmerkrankungen; Therapieversuch mit Gallensäurebindern kann die Verdachtsdiagnose stützen.

Therapiesäulen (nach Relevanz)

  • Medikamentöse Therapie: Gallensäurebinder wie Colestyramin; die Dosierung wird an die Beschwerden angepasst, Nebenwirkungen können Verstopfung oder Blähungen sein.
  • Ernährungstherapie: Bei Fettstühlen Begrenzung der Fettzufuhr auf unter 40 Gramm pro Tag, Einsatz von MCT-Fetten als Ersatz, sowie oxalsäurearme Lebensmittelauswahl zur Steinprophylaxe.
  • Substitution und Supportiva: Ausgleich von Mangel an fettlöslichen Vitaminen und Vitamin B12, ggf. Zink und Calcium (Cave!); unterstützend können Flohsamenschalen oder Heilerde zur Bindung von Flüssigkeit und Gallensäuren eingesetzt werden.