Gallensteine (Cholelithiasis) – Krankheitsbild im Kurzportrait

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

Das Krankheitsbild in der Schnellübersicht stellt dar: Definition, Ursachen und Risikofaktoren, Formen/ Stadien, Entstehung und Symptome, Folgen, Diagnostik sowie Therapiesäulen von Gallensteinen (Cholelithiasis). Die Übersicht kann von Mitgliedern als (PDF-)Handout gedruckt werden.

Gehört zu:

Zuletzt aktualisiert:

23. Juni 2026

Für den übersichtlichen Druck der folgenden Einträge ist ein Login erforderlich.

Definition und Verbreitung

  • Definition: Die Cholelithiasis bezeichnet das Vorhandensein von Gallensteinen in der Gallenblase oder in den Gallengängen.
  • Verbreitung: Gallensteine sind häufig; viele Betroffene bleiben beschwerdefrei.
  • Deutschland: Etwa 15 bis 20 Prozent tragen Gallensteine, und etwa 75 bis 80 Prozent haben keine Beschwerden.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Erkrankungen (hoch): Adipositas und das metabolische Syndrom, Diabetes mellitus, Morbus Crohn und Kurzdarmsyndrom, Leberzirrhose, hämolytische Erkrankungen.
  • Lebensstil (hoch): Bewegungsmangel, eine westliche Ernährungsweise mit hohem Anteil an Zucker und raffinierten Kohlenhydraten sowie Übergewicht und ein rascher Gewichtsverlust.
  • Genetik/ Medikamente: Familiäre Veranlagung sowie Genvarianten wie ABCB4-Defizienz und ABCG5 und ABCG8; Östrogene und Fibrate können das Risiko erhöhen.

Formen

  • Cholezystolithiasis: Steine in der Gallenblase; häufigste Form.
  • Choledocholithiasis: Steine im Gallengang; oft mit höherem Risiko für Komplikationen.
  • Cholesterinsteine und Pigmentsteine: Meist Cholesterinsteine; seltener Pigmentsteine, zum Beispiel bei Hämolyse oder Leberzirrhose.

Entstehung

  • Übersättigung: Die Galle wird steinbildend, wenn zu viel Cholesterin vorhanden ist oder zu wenige Gallensäuren und Phospholipide zur Lösung vorhanden sind.
  • Kristallisation: Aus einer übersättigten Galle können Kristalle ausfallen. Muzin aus der Gallenblase kann das Verklumpen fördern.
  • Stase: Eine träge oder unvollständige Entleerung der Gallenblase begünstigt, dass Kristalle zu Grieß und anschließend zu Steinen wachsen.
  • Komplikation: Steine können den Abfluss behindern und dadurch Entzündungen oder eine Pankreatitis auslösen.

Symptome

  • Körperlich: Krampfartige Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche, Fieber und Schüttelfrost, Gelbsucht.
  • Psychisch: Angst und Verwirrung können bei schweren Verläufen auftreten.
  • Ernährungsbezogen: Unverträglichkeit gegenüber sehr fettreichen Speisen, Völlegefühl und Blähungen.
  • Leistungsbezogen: Schwäche und Leistungsabfall, vor allem bei Komplikationen.

Folgen und Komplikationen

  • Komplikationen: Akute Gallenblasenentzündung (akute Cholezystitis), Gallengangsentzündung (Cholangitis), Gallengangssteine (Choledocholithiasis) und gallensteinbedingte Bauchspeicheldrüsenentzündung (biliäre Pankreatitis).
  • Folgeerkrankungen: Porzellangallenblase und ein erhöhtes Risiko für ein Gallenblasenkarzinom bei sehr großen Steinen oder Porzellangallenblase.
  • Häufige Begleiterkrankungen: Adipositas und das metabolische Syndrom, Diabetes mellitus, Morbus Crohn und Leberzirrhose.

Diagnostik

  • Anamnese: Typische Gallenkolik, Auslöser nach fettreichen Mahlzeiten, Risikofaktoren wie Übergewicht oder rascher Gewichtsverlust.
  • Labor: Bilirubin, Gamma-GT und alkalische Phosphatase bei Cholestase; CRP und Leukozyten bei Entzündung; Lipase bei Verdacht auf biliäre Pankreatitis.
  • Apparativ: Ultraschall als Methode der Wahl; bei Verdacht auf Gallengangssteine Endosonografie oder MRCP; ERCP vor allem therapeutisch.

Therapiesäulen (nach Relevanz)

  • Cholezystektomie (operative Entfernung der Gallenblase): Standardtherapie bei symptomatischen Gallenblasensteinen und bei Komplikationen; bei akuter Cholezystitis oft frühzeitig sinnvoll.
  • ERCP bei Gallengangssteinen: Endoskopische Steinentfernung bei Choledocholithiasis, häufig mit anschließender zeitnaher Entfernung der Gallenblase.
  • Medikamente und Lebensstil: NSAR zur Kolikbehandlung; UDCA nur in ausgewählten Fällen oder zur Prophylaxe bei raschem Gewichtsverlust; langfristig ausgewogene Ernährung, moderates Gewichtsmanagement, regelmäßige Bewegung und Vermeidung langer Nüchternphasen.