22.09.2025
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Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Wissenschaft
Übersichtsarbeit/ Positionsarbeit: Ernährung zwischen Nährstoffdichte und Verarbeitung
Eine aktuelle Publikation im Journal Animal Frontiers stellt ein neues Rahmenmodell für eine bedarfsdeckende Ernährung vor. Die Autoren schlagen darin vor, die Ernährung entlang zweier Dimensionen zu betrachten: den Nährstoffgehalt pro Kalorie und den Grad der Verarbeitung. Entscheidend sei demnach die Balance: Viele Muster können funktionieren, solange die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen gesichert bleibt. Besonders betont wird, dass ein moderater Anteil tierischer Lebensmittel (etwa ein Viertel bis ein Drittel der Kalorien) die Nährstoffsicherheit erleichtert. Zu geringe Anteile bergen Defizitrisiken, sehr hohe Mengen bleiben umstritten.
Auch der Verarbeitungsgrad spielt eine zentrale Rolle. Dabei ist die Verarbeitung kein Feind, sondern Werkzeug. Schonende Verfahren wie Kochen, Fermentieren oder Einweichen verbessern die Bekömmlichkeit sowie die Verfügbarkeit von Nährstoffen. Traditionelle Produkte wie Käse oder Brot gelten als unproblematisch, während stark verarbeitete Fertigprodukte kritisch gesehen werden. Sie sättigen schlecht, fördern das Überessen und liefern wenig Nährstoffe. Ein vollständiger Verzicht ist nicht nötig, doch der Großteil der Ernährung sollte auf unverarbeiteten oder maßvoll verarbeiteten Grundzutaten beruhen.
Das Positionspapier hebt zudem kulturelle und individuelle Vielfalt hervor. Starre, westlich geprägte Leitlinien seien wenig hilfreich. Stattdessen wird Flexibilität gefordert: Ernährung soll nicht nur Defizite vermeiden, sondern auch Sättigung, Vitalität und Lebensqualität unterstützen. Besonders wichtig ist dies für Gruppen mit erhöhtem Bedarf, wie Kinder, Schwangere oder Ältere.
Einordnung der Studie: Es handelt sich nicht um eine klassische Interventions- oder Beobachtungsstudie, sondern um ein interdisziplinäres Übersichts- und Positionspapier. Die Stärke liegt in der breiten Perspektive: Es verbindet Erkenntnisse aus Ernährungsmedizin, Kulturgeschichte und Epidemiologie und eröffnet so ein ganzheitlicheres Bild. Gleichzeitig bestehen Grenzen. Die Aussagen beruhen auf Literaturinterpretationen, nicht auf neuer Primärforschung. Schwellenwerte wie der empfohlene Anteil tierischer Lebensmittel sind daher vorläufig.
Einordnung für die Beratung: Für die Ernährungsberatung und gesundheitsbewusste Menschen liefert die Studie klare Orientierung: Nährstoffdichte und Verarbeitung sind zentrale Stellschrauben. So lassen sich Empfehlungen entwickeln, die kulturell anschlussfähig bleiben und gleichzeitig die Versorgung sichern. Im Alltag bedeutet das: pragmatische Vielfalt, weniger Ideologie, mehr Fokus auf Qualität und Sättigung.
Vorgestellt
Richtlinie: Überarbeitete Berufsrichtlinien des VDD erschienen
Die neuen Berufsrichtlinien des VDD sind veröffentlicht. Sie legen die Grundlage für ein verantwortungsvolles, fachlich fundiertes Handeln fest und definieren eine gemeinsame Haltung im Gesundheitswesen. Damit wird ein verbindlicher Rahmen geschaffen, der Orientierung gibt und Professionalität nach innen wie nach außen sichtbar macht.
Die Überarbeitung berücksichtigt aktuelle gesellschaftliche, rechtliche und praktische Entwicklungen. Neu aufgenommen wurden Aspekte wie Diversität, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Achtsamkeit. Ergänzt sind klare Aussagen zu rechtlichen Anforderungen und ethischen Grundsätzen.
Referenzwerte: Neue Bedarfswerte für Jod erschienen
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat die Referenzwerte für Jod angepasst. Für Erwachsene gilt künftig ein Wert von 150 µg pro Tag, damit liegt die Empfehlung niedriger als bisher. Für Schwangere (220 µg) und Stillende (230 µg) steigen die Werte an, ebenso für Säuglinge, deren Bedarf auf Basis neuer Studiendaten berechnet wurde. Ziel ist es, die Empfehlungen stärker am tatsächlichen Bedarf auszurichten. Für die Ernährungsberatung heißt das, den Fokus auf eine ausreichende Versorgung zu legen und dabei insbesondere empfindliche Gruppen wie Schwangere und Säuglinge im Blick zu behalten.
Beratungspraxis
Best Practices: Pragmatisch erweiterte Diätform gegen Diabetes
Die DASH4D-Diät baut auf der bekannten DASH-Ernährung auf und richtet sich speziell an Menschen mit Typ-2-Diabetes. Im Mittelpunkt stehen frische, vollwertige Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte, mageres Fleisch und Hülsenfrüchte. Zucker und gesättigte Fette werden deutlich reduziert, der Kohlenhydratanteil ist angepasst.
Wer diese Kost umsetzt, kann Blutdruck und Blutzuckerwerte innerhalb weniger Wochen spürbar verbessern. Schon kleine Veränderungen wie weniger Salz und Zucker sowie mehr naturbelassene Lebensmittel machen einen Unterschied.
Praktische Vorteile für den Alltag
Die DASH4D-Diät gibt Mahlzeiten eine klare Struktur, die leicht planbar ist. Sie lässt sich gut mit einer medikamentösen Therapie verbinden und unterstützt deren Wirkung. Außerdem funktioniert sie mit einfachen Prinzipien, die keine komplizierten Rezepte erfordern.
So gelingt die Umsetzung
- Täglich Obst, Gemüse und Vollkornprodukte einbauen.
- Eiweiß aus magerem Fleisch, Hülsenfrüchten oder fettarmen Milchprodukten wählen.
- Zuckerhaltige Getränke und Süßwaren stark einschränken.
- Gesättigte Fette durch pflanzliche Öle ersetzen.
- Salz reduzieren und lieber mit Kräutern würzen.
- Nüsse und Samen ungesalzen genießen.
- Regelmäßige (und wenige) Mahlzeiten einhalten, um den Blutzucker stabil zu halten.
- Fertigprodukte selten verzehren und öfter frisch kochen.
Mitgliederservice/ Interna
Blogbeitrag: Sarkopenie unter dem Brennglas – mit Ernährung den Muskelabbau stoppen
Sarkopenie als Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft betrifft nicht nur ältere Menschen. Auch Patientinnen und Patienten mit Adipositas, chronischen Erkrankungen oder unter GLP-1-Medikation sind gefährdet. Ernährung nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Von ausreichender Proteinzufuhr über Vitamin D bis zu Omega-3-Fettsäuren: gezielte Strategien können Muskelabbau bremsen, Mobilität verbessern und Mangelernährung vorbeugen.
Der Beitrag zeigt, welche Ernährungsziele zentral sind, wie eine optimale Lebensmittelauswahl gelingt und warum das Zusammenspiel von Mahlzeitenmanagement und Training entscheidend ist.
Fort- und Weiterbildungen (extern)
Online- oder Präsenz-Seminar: Ernährungsautonomie – Sollen Betroffene essen, was sie wollen oder was sie sollen?
Kategorie: Online-Seminar
Datum: 15.10.2025 (online) oder 11.02.2026 (Präsenz)
Veranstaltet von: Pohl Seminare
Referierende: Michaela Pohl
Kosten/ Rabatt für Mitglieder: 10 % Rabatt auf 195 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstaltung:
Im Rahmen der Ausbildung haben Sie gelernt, dass Sie die Essgewohnheiten der Klienten berücksichtigen sollen. Also empfehlen Sie selbstverständlich in Beratungsgespräche keine Tomate, wenn jemand Tomaten nicht mag. Auch werden Sie Fleisch in Beratungen nicht thematisieren, wenn der Patient kein Fleisch mag. Interessant wird es in Beratungsgesprächen dann, wenn Lieblingsspeisen aufgrund einer Erkrankung nicht (mehr) empfehlenswert sind.
All das sind Aspekte von Ernährungsautonomie, aber es gibt noch mehr…
Im Rahmen des Seminars wird zunächst der Begriff Autonomie betrachtet und was dieser für die Ernährungsberatung/Diät-therapie bedeutet. Dazu wird ein kurzer Blick auf Patientenrechte und Möglichkeiten, wie Patienten zu ihren Entscheidungen kommen können.
Zentrales Thema wird der Begriff, die Begriffsbestimmung von Ernährungsautonomie sein. Folgende Fragestellungen werden z. B. diskutiert:
- Wann beginnt Ernährungsautonomie und wo hört diese auf?
- Besteht für jeden Menschen die Möglichkeit Essen und Trinken zu verweigern, auch wenn dies zum Tod führt?
- Wie weit geht Ernährungsautonomie im diättherapeutischen Prozess?
Beispiele aus Ihrem Beratungsalltag machen das Seminar lebendig und praxisnah.
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