FETeV Newsletter 2026-26

27.07.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studienanalyse: Deutlich mehr Krebsfälle durch Übergewicht als bisher vermutet?

Übergewicht und Adipositas erhöhen das Risiko für verschiedene Krebsarten. Das Wissen darum gehört seit Jahren zu den gesicherten Erkenntnissen der Ernährungsmedizin. Eine aktuelle Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) legt nun jedoch nahe, dass der Einfluss von übermäßigem Körperfett bislang deutlich unterschätzt worden sein könnte [DKFZ Pressemitteilung]. Demnach könnten mehr als zehn Prozent aller Krebserkrankungen mit Übergewicht zusammenhängen – nahezu doppelt so viele wie bisher angenommen.

Grundlage der DKFZ-Analyse waren die Ergebnisse einer Studie zu Daten von rund 450.000 Frauen und Männern aus der britischen UK Biobank, die über einen Zeitraum von knapp zwölf Jahren beobachtet wurden. Mehr als 50.000 Teilnehmende erkrankten in dieser Zeit an Krebs [Adh 2026].

Wie kann es sein, dass sich die Ergebnisse so deutlich von früheren Schätzungen unterscheiden? Zum einen zeigt die britische Studie erneut die Grenzen des Body-Mass-Index (BMI). Der BMI sagt wenig darüber aus, wie viel Körperfett vorhanden ist und wo es gespeichert wird. Gerade das stoffwechselaktive Bauchfett scheint für das Krebsrisiko besonders bedeutsam zu sein. Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis erwiesen sich deshalb als aussagekräftigere Risikomarker.

Zum anderen berücksichtigten die Forschenden einen bislang oft vernachlässigten methodischen Effekt: Viele Tumoren führen bereits Jahre vor der Diagnose zu einem ungewollten Gewichtsverlust. Dadurch erscheinen Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose häufig schlanker, als sie vor Beginn ihrer Erkrankung waren – ein Effekt, der den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs statistisch abschwächen kann.

Für die Ernährungstherapie und -beratung ergeben sich daraus mehrere Konsequenzen:

  • Prävention und Behandlung von Übergewicht gewinnen für die Krebsprävention weiter an Bedeutung.
  • In der Praxis sollte der BMI nicht isoliert betrachtet, sondern möglichst durch den Taillenumfang ergänzt werden.
  • Ebenso wichtig ist die sorgfältige Beurteilung von Gewichtsverläufen: Ein ungeklärter Gewichtsverlust ist keineswegs automatisch ein Therapieerfolg, sondern kann auch ein Warnsignal sein.

Die Ergebnisse werfen schließlich auch ein neues Licht auf die Debatte um Body Positivity, Fat Acceptance und Co. Menschen verdienen Respekt – unabhängig von ihrem Körpergewicht. Gleichzeitig dürfen gesundheitliche Risiken nicht relativiert werden. Die Herausforderung besteht darin, Menschen mit Adipositas wertschätzend und ohne Stigmatisierung zu begegnen und dennoch offen über die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht zu sprechen. Gute Beratung sollte von Empathie getragen sein und therapeutisch auf Evidenz gründen!

Dr. Friedhelm Mühleib, Vorstandsmitglied FETeV


Sachbuch: KI für kluge Kommunikation – Rhetorik-Skills mithilfe Künstlicher Intelligenz verbessern

Künstliche Intelligenz (KI) kann Texte und Kommunikationsaufgaben erheblich beschleunigen, entfaltet ihren Nutzen aber erst dann zuverlässig, wenn die Eingaben präzise geführt werden. Das Buch „KI für kluge Kommunikation“ von Anita Hermann-Ruess zeigt anhand vieler Beispiele, wie Prompts so aufgebaut werden, dass Ergebnisse zielgenau, authentisch und passend zur jeweiligen Zielgruppe ausfallen.

Im Zentrum steht ein strukturierter Ansatz für wirksames Prompting. Beschrieben werden unter anderem Super-Prompts, die klare Ziele, Kontextinformationen, eigene Gedanken, Stilvorgaben, Beispiele und weitere Spezifikationen bündeln. Zusätzlich wird erläutert, wie Prompts iterativ verfeinert werden können, bis Inhalt, Ton und Struktur stimmen. Als Königsdisziplin werden Framework-Prompts dargestellt, bei denen bewährte Denkmodelle wie SWOT, die Minto-Pyramide oder fachbezogene Modelle wie der G-NCP als Strukturvorgabe dienen und so schnell tiefere, strategischere Ergebnisse ermöglichen.

Für die Praxis ist besonders relevant, dass das Buch KI nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug im eigenen Schreib- und Kommunikationsprozess positioniert. Empfohlen wird ein Dreischritt: Rohtext selbst erstellen, von KI sprachlich und strukturell veredeln lassen, anschließend für unterschiedliche Zielgruppen und Medien anpassen. Das schafft Geschwindigkeit, ohne die inhaltliche Verantwortung und den Ton aus der Hand zu geben. Auch wenn das Buch bereits 2025 erschienen ist, bleiben die Grundprinzipien hochwertiger Prompts zeitlos. Zwar entwickeln sich KI-Modelle und ihre Funktionen rasant weiter, doch die zentrale Botschaft des Buches, nämlich klare Ziele formulieren, ausreichend Kontext liefern und Ergebnisse schrittweise verbessern, ist weiterhin uneingeschränkt relevant.

Details

Titel: KI für kluge Kommunikation
Autor/Herausgeber: Anita Hermann-Ruess
Verlag: GABAL Verlag GmbH, 2. Auflage 2025
EAN: 9783967392548
Preis (aktuell): 28,00 EUR


Beratungsstandards: Neue Studien fordern die Lipödem-Leitlinie heraus

Ein aktueller Fachartikel in der Ernährungs Umschau (Barth, 7/2026) bündelt die molekularen und klinischen Erkenntnisse der letzten beiden Jahre zur Ernährungstherapie beim Lipödem mit unmittelbaren Konsequenzen für die Beratungspraxis.

Multi-Omics-Daten zeichnen ein neues Bild des Gewebes: In frühen Stadien dominiert eine zelluläre Stresssignatur mit hochregulierter mitochondrialer Aktivität und lokal gedämpfter Immunantwort; in fortgeschrittenen Stadien sind Energiegewinnung und Fettverbrennung herunterreguliert. Das Lipödem erscheint damit stärker als systemische denn als rein entzündliche Erkrankung – anders als bislang angenommen.

Die wesentlichen neuen Aspekte:

  • Moderate statt radikaler Konzepte: Mediterran orientierte Kost erreicht klinisch relevante Ergebnisse – etwa 9 % Gewichtsverlust ohne Ketose – bei besserer Nährstoffversorgung und höherer Alltagstauglichkeit. Eine Überlegenheit ketogener Konzepte ist bislang nicht belastbar gezeigt.
  • Protein als Leit-Nährstoff: Eine Zufuhr von 1,2–1,6 g/kg Normalgewicht hat sich in der Praxis bewährt, um die häufig reduzierte Muskelmasse zu erhalten. Kohlenhydrate bleiben moderat und niedrig-glykämisch.
  • WHtR statt BMI: Ernährungsziele und Kaloriendefizite sollten sich an der Waist-to-Height-Ratio orientieren. So lassen sich überzogene Diätziele und unnötige Restriktionen vermeiden.
  • Bariatrische Chirurgie: Eingriffe sollten zurückhaltend und nicht als primäre Lipödem-Therapie eingesetzt werden. Die Autorin vermutet einen zusätzlichen Zellstress-Reiz auf das erkrankte Gewebe.
  • Systemische Dimension: Auffälligkeiten zeigen sich auch in tieferen Bauchfettschichten und im Brustgewebe. Das Lipödem lässt sich damit nicht mehr als rein lokale Erkrankung der Extremitäten verstehen.

Wie verhält sich das zur S2k-Leitlinie? In zwei Punkten deckungsgleich: Die WHtR ist dort bereits verankert, die mediterrane Kost ausdrücklich empfohlen. Abweichungen bestehen bei der Bewertung der ketogenen Ernährung (Empfehlung 10.9 führt sie als Option), beim entzündungszentrierten Erklärungsmodell, bei der Einordnung als reine Extremitätenerkrankung sowie in der Haltung zur bariatrischen Chirurgie. Entscheidend ist die Chronologie: Die Leitlinie datiert vom 22.1.2024 – die zugrunde liegenden Arbeiten erschienen 2025 und 2026 und konnten in der Leitlinie nicht berücksichtigt werden.

Für die Praxis bedeutet das keine Entweder-oder-Entscheidung. Sowohl die mediterrane als auch die ketogene Empfehlung tragen den Empfehlungsgrad „kann“. Beide Wege sind leitlinienkonform. Die neuere Datenlage spricht dafür, moderat und nährstoffdicht einzusteigen. Ketogene Phasen bleiben als Option verfügbar. Welcher Weg passt, sollte individuell und gemeinsam mit den Ratsuchenden entschieden werden.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

🔒 Adipositas: Welches Abnehmkonzept passt zu welchem Adipositas-Patienten? Das interaktive Tool führt in vier Schritten durch die Basis-Evaluation und liefert eine abgestufte, ampelbasierte Einordnung aller sechs Therapiekonzepte – von der energiereduzierten Kost bis zur bariatrischen Chirurgie.

Reizdarmsyndrom: Die Ernährungstherapie beim Reizdarmsyndrom arbeitet mit wenigen, klaren Stellschrauben, die die typischen Beschwerden im Alltag spürbar beeinflussen können. Im Zentrum stehen eine strukturierte Mahlzeitenroutine, die gezielte Steuerung fermentierbarer Kohlenhydrate und eine passende Ballaststoffstrategie. Der Artikel ordnet die Hebel ein, beschreibt die praktische Umsetzung und zeigt typische Hürden mit alltagstauglichen Lösungen.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Zu verändertem Essverhalten motivieren

Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 04.–05.09.2026
Veranstaltet von: Weiterbildung Ernährung
Referierende: Sonja Pöhls, Diplom-Oecotrophologin
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 10 % Rabatt auf 399 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Viele Ratsuchende wissen sehr genau, was eine gesunde Ernährung ausmacht – die Umsetzung im Alltag gelingt jedoch häufig nicht. Zwischen Wissen und tatsächlichem Essverhalten besteht oft eine große Diskrepanz. Das Seminar beschäftigt sich mit den Hindernissen und Einflussfaktoren, die Verhaltensänderungen erschweren, und zeigt auf, wie Patientinnen und Patienten zu nachhaltigen Veränderungen motiviert werden können.

Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Was fördert die Motivation zur Veränderung? Welche Faktoren sollten in der Ernährungsberatung berücksichtigt werden? Und wie können Beratungsziele langfristig erreicht werden?

Die praxisorientierte Fortbildung vermittelt zunächst theoretische Grundlagen und zeigt anschließend anhand verschiedener Methoden, Coaching-Tools und Fallbeispiele, wie diese erfolgreich in den Beratungsalltag integriert werden können.