FETeV Newsletter 2026-38

19.10.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Systematische Übersichtsarbeit: Präbiotische Lebensmittel bei Zöliakie

Auch bei konsequenter glutenfreier Ernährung können Menschen mit Zöliakie weiterhin Beschwerden oder Nährstoffdefizite haben. Präbiotische Lebensmittel enthalten unverdauliche Nahrungsbestandteile, die von bestimmten Darmbakterien genutzt werden. Die Übersichtsarbeit untersuchte Präbiotika als Supplemente oder in Lebensmitteln als mögliche Ergänzung der glutenfreien Kost. Eingeschlossen waren zwölf Studien mit insgesamt 1.066 Teilnehmenden.

Oligofruktoseangereichertes Inulin wurde in mehreren Studien mit Kindern untersucht. Inulin ist ein fermentierbarer Ballaststoff. Kurzkettige Fettsäuren sind Stoffwechselprodukte, die Darmbakterien beim Abbau solcher Fasern bilden. Unter der Supplementierung stiegen die kurzkettigen Fettsäuren im Stuhl um 31 Prozent; auch Bifidobakterien nahmen zu. Hepcidin reguliert den Eisenstoffwechsel. In einer Studie sank sein Spiegel um rund 61 Prozent, was die Eisenaufnahme begünstigen kann. Einzelne Inulinstudien berichteten höhere Vitamin-D- und Vitamin-E-Spiegel. In Haferstudien mit als glutenfrei gekennzeichnetem Hafer wurde die Heilung der Dünndarmschleimhaut nicht beeinträchtigt. Zugleich verbesserte sich die Zufuhr von Eisen, Ballaststoffen, Thiamin und Zink. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.

Die Aussagekraft bleibt begrenzt. Die Studien unterschieden sich in Design, Intervention, Teilnehmendenzahl und Dauer. Viele Inulinversuche waren kleine, kurze Pilotstudien bei Kindern und betrachteten vor allem Laborwerte oder Veränderungen der Darmflora. Die Lebensmittelstudien zu glutenfreiem Hafer, Quinoa und Amaranth waren häufig unkontrolliert oder beobachtend. Wegen dieser Heterogenität war keine gemeinsame statistische Auswertung möglich. Größere, standardisierte randomisierte Studien mit klinisch relevanten Endpunkten fehlen.

Einordnung: Noch offen. Die Ergebnisse zeigen ein mögliches Potenzial präbiotischer Ergänzungen, erlauben zum aktuellen Zeitpunkt aber keine verlässliche Aussage zum klinischen Nutzen. Ob und für wen einzelne Präbiotika einen zusätzlichen Nutzen haben, muss in größeren Studien geklärt werden.


Bericht: Cochrane Deutschland mit ungewisser Finanzierung ab 2028

Die Bundesförderung der Cochrane Deutschland Stiftung endet 2027. Bisher erhielt die Stiftung jährlich gut eine Million Euro. Wie ihre Arbeit ab 2028 finanziert wird, ist bislang offen. Das Bundesministerium für Gesundheit begründet das Förderende mit veränderten Rahmenbedingungen und haushaltspolitischen Vorgaben.

Die Stiftung bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich für Fachkräfte und Öffentlichkeit auf. Grundlage sind Cochrane Reviews. Diese Übersichtsarbeiten fassen die verfügbare Studienlage zu konkreten Gesundheitsfragen systematisch zusammen, auch zu Ernährungsthemen. Ohne eine neue Grundfinanzierung könnten diese Wissensvermittlung, die Qualifizierung von Fachkräften und die Vermittlung wissenschaftlicher Methoden eingeschränkt werden oder wegfallen. Die Stiftung sucht deshalb neue Förderer, um ihre Arbeit langfristig fortzuführen.


Kurioses Fallbeispiel: Rätselhafte Methämoglobinämie in der Notaufnahme

Ungewöhnliche Beschwerden können erst im Zusammenspiel mehrerer Faktoren verständlich werden. Ein seltener Notfallbericht lenkt den Blick auf sehr hohe Verzehrmengen und ein gleichzeitig eingenommenes Medikament.

Ein 82-jähriger Mann kam nach Schwindel und einem Zusammenbruch in die Notaufnahme. Seine Haut war schiefergrau, sein Blutdruck sehr niedrig. Wegen einer schweren Herzerkrankung suchten die Ärzte zunächst nach einem akuten Herzproblem. Die ersten Untersuchungen lieferten keine eindeutige Erklärung.⁠⁠

Die mögliche Erklärung ergab sich erst, als die Ärzte nach den Essgewohnheiten fragten. Der Mann hatte über Wochen fast drei Kilogramm gekochte Rote Bete pro Woche gegessen und das Kochwasser mitgetrunken. Außerdem nahm er Isosorbidmononitrat, ein nitrathaltiges Medikament gegen herzbedingte Brustschmerzen. Die Ärzte vermuteten, dass Nitrate aus dem Gemüse und dem Medikament gemeinsam zu seinen Beschwerden beigetragen haben könnten. Nitrat selbst ist weitgehend unbedenklich. Problematisch wird es erst, wenn Bakterien im Mund oder bei warmer Lagerung von Lebensmitteln einen Teil davon zu Nitrit umwandeln, das in hohen Mengen den roten Blutfarbstoff so verändert, dass er weniger Sauerstoff transportieren kann. Nach einer Behandlung im Krankenhaus besserte sich sein Zustand rasch.⁠⁠

Praxistipps zum Umgang mit nitrathaltigen Lebensmitteln

  • Abwechslung statt Verzicht: Nitratreiche Sorten wie Rucola, Feldsalat und Spinat mit nitratärmeren Gemüsearten abwechseln. Das BfR rät, den Gemüseverzehr nicht einzuschränken [BfR 2026].
  • Saisonale Freilandware wählen: Saison und Freilandanbau können niedrigere Nitratgehalte begünstigen.
  • Blattgemüse putzen: Äußere Blätter, Stiele und dicke Blattrippen entfernen, dort kann sich mehr Nitrat sammeln.
  • Kochwasser verwerfen: Beim Blanchieren oder Garen in Wasser kann Nitrat ins Kochwasser übergehen.⁠⁠ Kochwasser anschließend verwerfen.
  • Kühl und frisch lagern: Das senkt nicht den Nitratgehalt selbst, kann aber die Umwandlung zu Nitrit während der Lagerung begrenzen.
  • Nitratreiches Gemüse nicht lange warmhalten und nicht mehrfach aufwärmen.
  • Säuglinge: Für sie gilt die Entwarnung „kein Anlass zur Sorge“ ausdrücklich nicht.

Wichtig: Der Bericht schildert einen einzelnen außergewöhnlichen Fall. Er belegt keine Gefahr durch üblichen Rote-Bete-Verzehr und rechtfertigt keine pauschale Empfehlung, das Gemüse zu meiden. Auch die EFSA bewertet die Vorteile einer gemüsereichen Ernährung als deutlich größer als mögliche Risiken durch Nitrat [EFSA 2008]. Bei üblichen Verzehrmengen besteht für gesunde Erwachsene kein Anlass zur Sorge.⁠⁠


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

🔒 Colitis ulcerosa – Beratungsschema: Das Beratungsschema für Colitis ulcerosa bündelt Assessment, Ernährungsdiagnosen, Ziele und Interventionen für Schub und Remission. Im Mittelpunkt stehen eine ausreichende Versorgung, individuelle Verträglichkeit und die Verlaufskontrolle.

🔒 Gallensteine – Miniposterpaket: Das Miniposterpaket umfasst fünf laienverständliche Infografiken zu Entstehung, Ernährung, Fettzufuhr, Gewichtsabnahme und verbreiteten Mythen bei Gallensteinen. Ein ausfüllbares Kontaktfeld („Überreicht von“) ermöglicht die Personalisierung vor der Weitergabe.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Verbindung von Ernährung, Hormonhaushalt & Nervensystem (2 Termine)

Veranstaltungstyp: Online-Seminar
Datum: 23.11. und 30.11.2026
Veranstaltet von: FEM-Academy
Referierende: Stefanie Bart, B.Sc.
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 10 % Rabatt auf 380 EUR netto
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Dieses Seminar umfasst insgesamt 8 Unterrichtseinheiten und ist auf zwei Vormittage aufgeteilt. Es vermittelt ein klares, praxisrelevantes Verständnis darüber, wie Ernährung hormonelle Regelkreise beeinflusst und wie diese Prozesse mit dem Nervensystem zusammenwirken.

Teil 1 legt den theoretischen Schwerpunkt, Teil 2 zeigt die konkrete Anwendung in der Beratungspraxis. Fachkräfte erhalten einen strukturierten Zugang zu aktuellen Forschungserkenntnissen und deren Umsetzung im beruflichen Alltag.

Hinweis: Das Fortbildungsprogramm für 2027 der FEM-Academy ist nun online. Auch im nächsten Jahr erhalten unsere Mitglieder 10 % Rabatt auf die angebotenen Seminare/ Webinare (mit Ausnahme von FEM Focus).