Die rheumatoide Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die vor allem Gelenke betrifft und unbehandelt zu erheblichen Funktionseinschränkungen führen kann. Der Beitrag behandelt die Ursachen, Symptome und die Entstehung der Erkrankung sowie die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose und Therapie. Zudem werden die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und präventiven Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen vorgestellt.
6 Minuten Lesezeit (+ 7 Minuten weiterführende Informationen)
Inhaltsverzeichnis
Was ist Rheumatoide Arthritis und wann tritt sie auf?
Rheumatoide Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung der Gelenke mit einer Prävalenz von etwa 1 % der Bevölkerung. Die Erkrankung beginnt meist im mittleren Lebensalter, betrifft überwiegend Frauen und führt unbehandelt zur Schädigung von Gelenkknorpel und -knochen sowie zu funktionellen Einschränkungen und einer erhöhten Begleiterkrankungsrate.
„Wenn der Körper sich selbst zum Feind erklärt, wird jede Bewegung zur Verhandlung.“
Auf einen Blick
- Definition: Rheumatoide Arthritis ist eine chronisch verlaufende Gelenkentzündung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen angreift.
- Verbreitung: Die Prävalenz beträgt etwa 1 % der Bevölkerung, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer.
- Erkrankungsbeginn: Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr, kann aber auch in jüngeren oder höheren Altersgruppen auftreten.
Weiterführende Details
Definition
Die rheumatoide Arthritis (RA) zählt zu den chronisch-entzündlichen systemischen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Im Vordergrund steht eine fehlgesteuerte körpereigene Abwehrreaktion, die die Synovialmembran (Gelenkinnenhaut) und angrenzende Strukturen dauerhaft entzündet [Tan 2020]. Dies verursacht Schmerzen, Schwellungen, Funktionseinschränkungen und gipfelt ohne Behandlung in der Zerstörung von Knorpel und Knochen. Die RA kann auch andere Organe betreffen und das Risiko für kardiovaskuläre und andere Begleiterkrankungen erhöhen.
Verbreitung
Mit etwa 1 % ist die RA die häufigste chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung. Frauen sind etwa zwei- bis dreimal so oft betroffen wie Männer. Die Inzidenz zeigt einen Anstieg ab dem mittleren Lebensalter, wobei die meisten Neuerkrankungen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftreten. Auch Kinder und ältere Erwachsene können erkranken, jedoch mit geringerer Häufigkeit [Kie 2020].
Erkrankungsbeginn
Das typische Alter bei Krankheitsbeginn der RA liegt um 50 Jahre, wobei auch jüngere Erwachsene oder ältere Menschen betroffen sein können [Woo 2013]. Anfangs manifestiert sich die RA häufig an den kleinen Hand- und Fingergelenken; im Verlauf kann jedes Gelenk in Mitleidenschaft gezogen werden. Frauen entwickeln die Erkrankung öfter und in jüngeren Jahren als Männer. Die RA verläuft fast immer chronisch und unbehandelt progredient.
Wichtig für Betroffene: Wenn Sie bei sich Anzeichen wie anhaltende Gelenkschmerzen, Schwellungen oder morgendliche Steifigkeit bemerken, zögern Sie bitte nicht und suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat auf. Eine schnelle Diagnosestellung und der rasche Beginn einer individuell abgestimmten Therapie sind entscheidend, um das Fortschreiten der rheumatoiden Arthritis zu bremsen.
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Das sind die häufigsten Ursachen und Risikofaktoren
Die Erkrankung entsteht durch das Zusammenwirken genetischer und umweltbedingter Faktoren, die gemeinsam eine fehlgeleitete Immunreaktion auslösen und dauerhaft Gelenkentzündungen verursachen. Wichtige Risikofaktoren sind eine genetische Veranlagung, Rauchen und bestimmte Umwelt- sowie Ernährungseinflüsse.
Auf einen Blick
Weiterführende Details
Genetische Veranlagung
Gene spielen eine zentrale Rolle in der Entstehung der rheumatoiden Arthritis. Besonders das HLA-System (Humane Leukozyten-Antigene), vor allem das HLA-DRB1-Gen, ist eng mit einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit verbunden [Bal 2010]. Familiäre Häufungen belegen den Einfluss genetischer Faktoren – das Risiko ist für Verwandte ersten Grades von Betroffenen um das Drei- bis Fünffache erhöht.
Umweltfaktoren
Rauchen gilt als stärkster modifizierbarer Risikofaktor für rheumatoide Arthritis und beeinflusst auch deren Verlauf ungünstig [van 2025]. Das Risiko bleibt selbst Jahre nach dem Rauchstopp erhöht. Weitere Umweltreize, darunter Infektionen oder dauerhaftes Übergewicht, können ebenfalls eine Rolle spielen, sind aber weniger klar belegt.
Ernährung und Lebensstil
Ein hoher Konsum von rotem Fleisch wurde mehrfach als möglicher Risikofaktor untersucht, bisher zeigen Studien aber widersprüchliche Ergebnisse. Ein moderater Alkoholkonsum scheint das Risiko zu verringern, während Übergewicht und Bewegungsmangel mit einer ungünstigen Prognose und Begleiterkrankungen wie Arthrose und Gicht zusammenhängen [Pat 2004]. Für eine gezielte Prävention empfiehlt sich eine ausgewogene Ernährung reich an Gemüse, Fisch und hochwertigen pflanzlichen Fetten.
Geschlecht und Lebensalter
Rheumatoide Arthritis betrifft Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger als Männer. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter, auch wenn die Krankheit in jedem Lebensalter auftreten kann [Kvi 2006]. In der Beratung ist auf geschlechterspezifische Unterschiede bei Prävalenz, Verlauf und Begleiterkrankungen hinzuweisen.
Wichtig für Prävention: Weisen Sie Ihre Klientinnen und Klienten gezielt darauf hin, das Rauchen einzustellen, sich ausreichend zu bewegen, auf ein gesundes Körpergewicht zu achten und eine ausgewogene Ernährung zu wählen. Betonen Sie, dass diese Maßnahmen das Risiko für rheumatoide Arthritis nachweislich senken können.
Wie entsteht die Erkrankung?
Bei der chronischen Autoimmunerkrankung entzündet sich die innere Gelenkhaut durch das Immunsystem dauerhaft. Die schubweise oder fortschreitende Entzündung führt zur Zerstörung von Gelenkstrukturen und kann auch andere Organe erfassen.
Auf einen Blick
- Mechanismus: Das Immunsystem greift die Gelenkinnenhaut (Synovialis) an und löst eine Entzündungskaskade aus.
- Verlauf in Schritten: Die Erkrankung entwickelt sich typischerweise in aufeinanderfolgenden Phasen, von Auftreten erster Entzündungszeichen bis zur fortschreitenden Gelenkzerstörung.
- Krankheitsformen: RA tritt meist als symmetrische Polyarthritis auf, kann aber auch in abweichenden Formen und mit systemischen Symptomen verlaufen.
Weiterführende Details
Mechanismen
Bei der rheumatoiden Arthritis werden fehlgeleitete Immunreaktionen gegen körpereigenes Gewebe, konkret gegen die Synovialis, ausgelöst. Immunzellen wie T-Lymphozyten, B-Lymphozyten und Makrophagen wandern verstärkt in die Gelenkinnenhaut ein. Es werden entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) wie Interleukin-1 und TNF-α ausgeschüttet – diese halten die lokale Entzündung aufrecht und lassen die Synovialis anschwellen. Die Folge ist eine Aktivierung der knochen- und knorpelabbauenden Zellen, die schrittweise zu irreversiblen Gelenkschäden führen [Gor 2009].
Verlauf in Schritten
1. Entzündungsbeginn: Zunächst bemerken Betroffene meist unspezifische Beschwerden wie morgendliche Gelenksteifigkeit, allgemeine Müdigkeit und Schwellungen – anfangs vor allem an den kleinen Fingergelenken, oft symmetrisch.
2. Ausbreitung der Entzündung: Die Synovialis wächst wuchernd in umliegendes Knorpel- und Knochengewebe ein (Pannusbildung), es kommt zu weiteren Schwellungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
3. Gelenkschädigung: Im weiteren Verlauf zerstören Enzyme und chronische Immunantworten die Knorpel- und Knochensubstanz. Es entstehen Fehlstellungen, Funktionseinschränkungen und bei fortgeschrittener Erkrankung sichtbare Deformitäten.
4. Systemische Beteiligung: Zusätzlich zu Gelenken können die Entzündungsprozesse Organe wie Herz (Perikarditis), Lunge (Lungenfibrose) oder Blutgefäße betreffen. Systemische Symptome (Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust) sind Zeichen der Krankheitsaktivität und beeinflussen die allgemeine Prognose negativ.
Krankheitsformen
Die häufigste Form ist die symmetrische Polyarthritis, bei der viele kleine und große Gelenke – vorzugsweise Finger- und Handgelenke – gleichzeitig und spiegelbildlich betroffen sind [Alb 2013]. Daneben existieren Varianten mit atypischem Verlauf, beispielsweise Oligoarthritis (Befall von wenigen Gelenken), monoartikuläre Verläufe (selten) oder dominante Beteiligung anderer Gelenkregionen [Lep 2017]. Extraartikuläre Manifestationen wie Rheumaknoten, Augen- oder Gefäßentzündungen sowie Komplikationen an Organen sind möglich, insbesondere bei ausgeprägter oder unbehandelter Erkrankung [Uff 2006].
Wichtig für Beratende: Klären Sie Betroffene über die entzündlichen Prozesse und möglichen Folgen der rheumatoiden Arthritis auf. Weisen Sie auf verschiedene Krankheitsformen und systemische Symptome hin. Vermitteln Sie alltagsnahe Tipps zu entzündungshemmenden Lebensstilfaktoren und zur Förderung der Gelenkgesundheit.
Das sind die häufigsten Symptome und Beschwerden
Rheumatoide Arthritis verursacht meist schleichend zunehmende Schmerzen, Schwellungen und Steifheit in mehreren Gelenken, oft begleitet von Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Im weiteren Verlauf entstehen häufig Bewegungseinschränkungen, Deformitäten und Funktionsverlust, teils auch Beschwerden außerhalb der Gelenke.
Auf einen Blick
Gelenkschmerzen und -schwellungen
Betroffen sind meist symmetrisch beide Körperseiten, bevorzugt Finger-, Hand- und Fußgelenke.
Morgensteifigkeit
Eine typischerweise länger als 30 Minuten anhaltende Steifigkeit der Gelenke nach dem Aufstehen.
Allgemeinsymptome
Müdigkeit, Erschöpfung, leichtes Fieber und Gewichtsverlust gehören zum Erscheinungsbild der RA.
Funktionseinschränkung und Deformitäten
Unbehandelt entstehen mit der Zeit Einschränkungen in Beweglichkeit, Kraft und teils sichtbare Fehlstellungen.
Extraartikuläre Symptome
Entzündungen an Organen wie Haut, Lunge, Herzbeutel oder Blutgefäßen können zusätzlich auftreten.
Weiterführende Details
Gelenkschmerzen und -schwellungen
Rheumatoide Arthritis zeigt sich am häufigsten durch schmerzhafte, druckempfindliche und geschwollene Gelenke. Typisch ist der symmetrische Befall, das heißt beide Körperseiten sind betroffen, häufig Fingergrund- und Mittelgelenke, Handgelenke sowie Zehengelenke [Tan 2020]. Die Schwellung ist durch Flüssigkeitseinlagerung und Verdickung der Gelenkinnenhaut (Synovialis) bedingt und verursacht Bewegungseinschränkungen sowie ein Spannungsgefühl.
Morgensteifigkeit
Ein weiteres zentrales Symptom ist die sogenannte Morgensteifigkeit: Das ist eine Bewegungsstarre der Gelenke, die nach dem Aufwachen über mindestens 30 Minuten anhält [Ora 2019]. Sie resultiert aus der nächtlichen Entzündungsaktivität und unterscheidet die rheumatoide Arthritis von anderen Gelenkerkrankungen wie Arthrose, bei denen die Steifigkeit meist kürzer besteht.
Allgemeinsymptome
Viele Patient:innen leiden zusätzlich unter unspezifischen Allgemeinbeschwerden wie ausgeprägter Müdigkeit (Fatigue), Abgeschlagenheit, leichtem Fieber oder ungewolltem Gewichtsverlust [Sco 2018]. Diese Symptome spiegeln die chronische Entzündungsreaktion im gesamten Körper wider und können die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Funktionseinschränkungen
Im weiteren Verlauf der RA führt die chronische Entzündung zu einer Zerstörung der Gelenkstrukturen. Es kommt zu nachlassender Beweglichkeit, Muskelschwäche und mitunter sichtbaren Verformungen wie Schwanenhalsdeformität (Überstreckung der Fingerendgelenke) oder Knopflochdeformität (Beugung der Mittelgelenke) [Toy 2013]. Greiffunktionen und alltägliche Aktivitäten werden erschwert, was im Alltag und Berufsleben eine Anpassung erfordern kann.
Extraartikuläre Manifestationen
Rheumatoide Arthritis beschränkt sich nicht allein auf die Gelenke. Entzündungen können an Haut (Rheumaknoten – kleine tastbare Knoten unter der Haut), Lunge (Rheumalunge, Lungenfibrose), Herzbeutel (Perikarditis) oder Blutgefäßen (Vaskulitis) auftreten [Sco 2018]. Diese Manifestationen sind Zeichen einer schweren Krankheitsaktivität und erhöhen das Risiko für Komplikationen.
Wichtig für Therapeuten: Arbeiten Sie interdisziplinär zusammen, wenn bei Patient:innen symmetrische Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit und Allgemeinsymptome auftreten, um eine rasche Diagnose und optimale Behandlung der rheumatoiden Arthritis zu gewährleisten.
Was kann bei einer unzureichenden Behandlung passieren?
Unbehandelt kann es zu dauerhaften Schädigungen der Gelenke und Funktionseinschränkungen kommen. Auch steigt das Risiko für Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Infektionen. Komplikationen können auf entzündungsbedingte Organbeteiligungen, Nebenwirkungen der Therapie und psychosoziale Belastungen zurückgehen.
Auf einen Blick
- Gelenkschäden und Behinderung: Die chronische Entzündung zerstört Gelenkknorpel und -knochen und verursacht langfristig Einschränkungen im Alltag.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Menschen mit rheumatoider Arthritis haben ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Herzinfarkt und Schlaganfall.
- Knochenschwund (Osteoporose): Entzündungsprozesse und Medikamente wie Kortison begünstigen einen fortschreitenden Abbau der Knochensubstanz.
- Infektionsrisiko: Entzündung und immunsuppressive Therapie schwächen das Abwehrsystem, Infektionen treten häufiger und schwerer auf.
Weiterführende Details
Gelenkschäden und Behinderung
Die fortschreitende Entzündung baut den Gelenkknorpel und das angrenzende Knochengewebe ab. Unbehandelt entstehen Fehlstellungen, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und im Extremfall bleibende Funktionsverluste [Gol 2003]. Selbst bei optimaler Therapie bleibt für viele Betroffene ein gewisses Risiko für Einschränkungen im Alltag und Beruf.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Ursache ist die chronische Entzündung, die eine Gefäßverkalkung beschleunigt und Herz und Gefäße anfällig macht [Han 2007]. Kardiovaskuläre Begleiterkrankungen zählen zu den Haupttodesursachen bei rheumatoider Arthritis, weshalb regelmäßige Kontrolle von Blutdruck, Blutfetten und Lebensstilfaktoren besonders wichtig ist.
Knochenschwund (Osteoporose)
Osteoporose entsteht, weil Entzündungsstoffe und Medikamente wie Glukokortikoide den Knochenabbau verstärken [Rat 2020]. Der Verlust an Knochendichte erhöht das Risiko für Brüche und erschwert die Mobilität im Alltag zusätzlich. Calcium- und vitamin-D-reiche Ernährung, Bewegung und gezielte Osteoporosetherapie helfen, das Knochenrisiko zu reduzieren.
Infektionsrisiko
Sowohl die RA-Erkrankung selbst als auch die entzündungshemmende Therapie schwächen das Immunsystem [Ger 2014]. Die Anfälligkeit für bakterielle, virale und Pilzinfektionen ist erhöht, insbesondere unter Kortison oder speziellen Immunsuppressiva. Jede unklare Infektion sollte ärztlich abgeklärt werden, Impfungen sind möglichst aktuell zu halten.
Wichtig für Betroffene: Achten Sie auf eine konsequente Behandlung, regelmäßige Bewegung, eine kalziumreiche Ernährung sowie ein gesundes Körpergewicht, um das Risiko für Komplikationen und Folgeerkrankungen wirksam zu senken. Lassen Sie sich dabei von Ernährungsberater:innen unterstützen, die Sie für mögliche Folgeerkrankungen sensibilisieren und Sie zu einer gesundheitsfördernden Lebensweise anleiten.
So wird die Erkrankung festgestellt
Anhand typischer Beschwerden, der körperlichen Untersuchung, spezifischer Laborwerte und bildgebender Verfahren wird die Autoimmunerkrankung festgestellt. Die Diagnose stützt sich auf das Zusammenspiel von klinischen Symptomen, den Nachweis von Entzündungszeichen und das Erkennen charakteristischer Veränderungen an den betroffenen Gelenken.
Auf einen Blick
Klinische Untersuchung
Die Ärzteschaft beurteilt Schwellung, Schmerz und Funktion der Gelenke sowie Allgemeinsymptome wie Müdigkeit.
Laborwerte
Entzündungsparameter (CRP, Blutsenkung), Rheumafaktor und Anti-CCP-Antikörper helfen zur Abklärung und Sicherung der Diagnose.
Bildgebung
Röntgen, Ultraschall oder MRT zeigen Gelenkveränderungen und das Ausmaß der Entzündung.
Verlaufsbeurteilung
Wiederholte Kontrollen der Krankheitsaktivität und Dokumentation des Therapieerfolgs begleiten die Behandlung.
Weiterführende Details
Klinische Untersuchung
Die Diagnose beginnt mit dem ärztlichen Gespräch und einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Typisch sind geschwollene, druckempfindliche und überwärmte Gelenke, häufig an den Fingern, Händen und Füßen, oft beidseitig (symmetrisch). Zusätzlich beurteilt die Ärztin/der Arzt die Beweglichkeit und prüft auf Funktionseinschränkungen sowie allgemeine Symptome wie Morgensteifigkeit oder Erschöpfung.
Laborwerte
Bestimmte Blutwerte unterstützen die Diagnose und geben Hinweise auf die Krankheitsaktivität. Erhöhte Entzündungswerte wie C-reaktives Protein (CRP) und Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) sind unspezifisch, aber typisch. Rheumafaktor und Antikörper gegen citrullinierte Peptide (Anti-CCP) sind spezifischer; ihr Nachweis spricht für eine rheumatoide Arthritis, auch wenn sie nicht bei allen Erkrankten vorkommen.
Bildgebung
Röntgenaufnahmen der Hände und Füße können typische Veränderungen wie Gelenkspaltverschmälerungen oder knöcherne Erosionen zeigen. Ultraschall (Sonographie) und Magnetresonanztomographie (MRT) erfassen Frühzeichen der Entzündung und werden bei unklaren Befunden oder zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs eingesetzt. Insbesondere der Ultraschall erkennt Ergüsse und Entzündungen schon im Frühstadium.
Verlaufsbeurteilung
Eine kontinuierliche Beurteilung des Krankheitsverlaufs ist zentral für die langfristige Therapieplanung. Dazu zählen regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Gelenkschwellungen, Entzündungsparameter im Blut und die Dokumentation von Schmerzen und Funktionsstatus. Spezielle Bewertungsskalen (z. B. DAS28) helfen, die Krankheitsaktivität objektiv zu messen und Therapieerfolge festzuhalten.
Wichtig für Betroffene: Sollten Sie anhaltende Gelenkbeschwerden oder Schwellungen bemerken, lassen Sie diese frühzeitig ärztlich abklären und bestehen Sie gegebenenfalls auf eine Überweisung zu einer Rheumatologin oder einem Rheumatologen. Eine zeitnahe fachärztliche Diagnostik verbessert Ihre Therapiechancen deutlich.
Wie wird die rheumatoide Arthritis behandelt?
Das kombinierte Therapiekonzept umfasst medikamentöse Maßnahmen, Bewegung, Physiotherapie, Ernährung und psychosoziale Unterstützung. Diese Behandlungssäulen wirken gemeinsam, um Entzündungen einzudämmen, Gelenkschäden zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Auf einen Blick
- Medikamentöse Therapie: Zentrale Säule zur Eindämmung der Entzündung und zum Erhalt der Gelenkfunktion – eingesetzt werden Basistherapeutika (DMARDs), Biologika und bedarfsweise Kortikosteroide.
- Bewegung und Physiotherapie: Gezielte Bewegung erhält die Gelenkfunktion, beugt Kontrakturen vor und stärkt die Muskulatur.
- Ernährungstherapie: Entzündungshemmende und knochenschonende Ernährung unterstützt die medikamentöse Behandlung und beugt Folgeerkrankungen vor.
- Psychosoziale Unterstützung: Beratung, Schulungen und Austausch helfen bei Krankheitsbewältigung und Alltagsstruktur.
Weiterführende Details
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung bildet das Fundament der Rheuma-Therapie. Sie besteht aus sogenannten krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs wie Methotrexat), die das Fortschreiten der Krankheit bremsen und Gelenkzerstörung verhindern [Sch 2008]. Biologika und sogenannte JAK-Inhibitoren kommen zum Einsatz, wenn die Standardtherapie nicht ausreicht. Kurzfristig lindernde Wirkstoffe wie Kortikosteroide (z. B. Prednisolon) und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) helfen, Entzündungen und Schmerzen zu kontrollieren, sollten aber wegen Nebenwirkungen nur zeitlich begrenzt zum Einsatz kommen [Sun 2016].
Bewegung und Physiotherapie
Bewegung und gezielte Physiotherapie sind wichtig, um Muskelkraft, Gelenkbeweglichkeit und Koordination zu erhalten sowie Steifigkeit und Schmerzen zu reduzieren [Küt 2010]. Aktive und passive Übungen verhindern Fehlstellungen und erhalten die Selbstständigkeit. Bewegung kann individuell angepasst werden, etwa durch Gehtraining, Wassergymnastik oder Ergotherapie.
Ernährungstherapie
Eine entzündungsarme, ausgewogene Ernährung bei RA unterstützt die Therapie, fördert das Wohlbefinden und beugt Begleiterkrankungen (z. B. Osteoporose) vor. Zu empfehlen ist eine überwiegend pflanzliche Kost mit vielen ungesättigten Fettsäuren (z. B. aus Fisch, Nüssen, pflanzlichen Ölen), wenig rotem Fleisch und ausreichend Kalzium und Vitamin D. Eine Ernährungsberatung unterstützt die Umstellung und hilft, individuelle Nährstoffdefizite auszugleichen.
Psychosoziale Unterstützung
Chronische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis belasten Psyche und Alltag. Psychosoziale Angebote, z. B. Beratung, Patientenschulungen, Austausch in Selbsthilfegruppen oder Hilfe bei sozialrechtlichen Fragen, helfen beim Umgang mit Schmerzen, Einschränkungen und Ängsten [Get 2010]. Eine Verbesserung des seelischen Wohlbefindens wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus.
Wichtig für alle: Die besten Erfolge erzielt die Therapie, wenn alle Säulen ineinandergreifen und individuell an die Situation der Patientin/des Patienten angepasst werden. Ein interdisziplinäres Team aus Rheumatolog:innen, Physio- und Ergotherapeut:innen, Ernährungsfachkräften und psychosozialen Beratenden gewährleistet eine umfassende Betreuung. Eine regelmäßige Anpassung der Therapie ist notwendig, um Komplikationen zu vermeiden und Lebensqualität sowie Funktionsfähigkeit auf Dauer zu sichern.
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Glossar, Literaturverzeichnis und Beratungsunterlagen
Glossar der Schlüsselbegriffe
Autoimmunerkrankung: Fehlregulation des Immunsystems, bei der körpereigenes Gewebe angegriffen wird.
Morgensteifigkeit: Typisches Frühsymptom der RA mit länger als 30 Minuten anhaltender Steifigkeit nach dem Aufstehen.
Symmetrische Polyarthritis: Form der Gelenkentzündung, bei der mehrere Gelenke auf beiden Körperseiten gleichzeitig betroffen sind.
Extraartikuläre Manifestationen: Entzündliche Beschwerden außerhalb der Gelenke, z. B. an Lunge, Haut oder Gefäßen.
Inzidenz: Zahl der Neuerkrankungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums; bei RA liegt sie bei etwa 40 Fällen pro 100.000 Personen jährlich.
DMARDs: Basismedikamente, die das Fortschreiten der RA verlangsamen und Gelenkschäden vorbeugen.
Biologika: Biotechnologisch hergestellte Medikamente, die gezielt in das Immungeschehen eingreifen.
CRP: Laborwert zur Bestimmung von Entzündungsaktivität; bei RA meist erhöht.
Anti-CCP-Antikörper: Früher und spezifischer Marker zur Diagnose der RA.
Osteoporose: Häufige Begleiterkrankung bei RA durch Entzündung und Kortisontherapie; erhöht das Frakturrisiko.
Literaturverzeichnis
Die im Beitrag am häufigsten verwendeten Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V. (DGRh) – Leitlinie:
Fiehn C, Holle J, Iking-Konert C, Leipe J, Weseloh C, Frerix M, Alten R, et al.
S2e-Leitlinie: Empfehlungen zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten in Deutschland.
AWMF-Register-Nr. 060-004. Online verfügbar: - Ernährungs-Umschau – Artikel:
Keyßer G. Ernährung und Rheuma.
Ernährungs Umschau. 2014;61(7): M606–M614.
Online verfügbar (Abstract): - Sköldstam L, Hagfors L, Johansson G.
An experimental study of a Mediterranean diet intervention for patients with rheumatoid arthritis.
Annals of the Rheumatic Diseases. 2003;62(3):208–214.
https://doi.org/10.1136/ard.62.3.208 - Kjeldsen-Kragh J, Haugen M, Borchgrevink CF, et al.
Controlled trial of fasting and one-year vegetarian diet in rheumatoid arthritis.
Lancet. 1991;338(8772):899-902.
https://doi.org/10.1016/0140-6736(91)91770-U - Lee YH, Bae SC, Song GG.
Omega-3 polyunsaturated fatty acids and the treatment of rheumatoid arthritis: a meta-analysis.
Arch Med Res. 2012;43(5):356–362.
https://doi.org/10.1016/j.arcmed.2012.05.005 - Choi HK, Atkinson K, Karlson EW, et al.
Purine-rich foods, dairy and protein intake, and the risk of gout in men.
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Dietary interventions for rheumatoid arthritis.
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Weitere Informationen zum Thema
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