FETeV Newsletter 2026-14

13.04.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Nutritional Value Score – Ein neues Bewertungssystem für Lebensmittel

Viele Bewertungssysteme für Lebensmittel greifen zu kurz. Sie fokussieren auf Überernährung und blenden Nährstoffmängel aus. Eine aktuelle Studie stellt nun den „Nutritional Value Score“ vor. Er bewertet Lebensmittel auf einer Skala von 1 bis 100 und soll Ernährungsqualität global vergleichbar machen.

Berücksichtigt werden Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiß, Fettsäuren, Ballaststoffe und der Energiegehalt. Methodisch entscheidend ist die Verknüpfung von absoluter Nährstoffmenge und Energiedichte. Dadurch werden weder sehr leichte noch besonders energiereiche Lebensmittel systematisch bevorzugt. Stark verarbeitete Produkte erhalten grundsätzlich Abzüge.

In ersten Analysen zeigt der Score differenziertere Ergebnisse als viele bisherige Systeme. Blattgemüse, Innereien und Fisch erreichen hohe Werte. Zuckerreiche und stark verarbeitete Produkte liegen deutlich darunter. Der Score ist nicht primär für Verbraucher gedacht, sondern als Instrument für Politik, Forschung und Prävention. Ziel ist es, Entscheidungen stärker am tatsächlichen Nährwert auszurichten, auch im Hinblick auf Kosten und Umweltwirkungen.


Fachbuch: Standardwerk „Ernährungsmedizin“ in neuer Auflage erschienen

Die aktualisierte Neuauflage des Standardwerks „Ernährungsmedizin“ bündelt systematisch den Stand der Ernährungsmedizin und verbindet Grundlagenwissen mit konkreter Praxisorientierung. Das Spektrum reicht von Nährstoffen und Lebensmitteln über verschiedene Lebensphasen bis hin zu rechtlichen Fragen.

Ein Schwerpunkt liegt auf der klinischen Anwendung. So beinhaltet das Werk unter anderem das Erfassen von Ernährungszuständen, den Umgang mit Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen, Mangelernährung sowie Unverträglichkeiten und Allergien. Prävention und Therapie werden dabei als zusammenhängende Aufgabe verstanden.

Die neue Auflage greift gezielt aktuelle Themen auf, darunter Ernährung im Krankenhaus und in der Rehabilitation, Ernährungsarmut sowie Zusammenhänge mit Infektionen und psychischen Belastungen. Gesellschaftliche und individuelle Aspekte erhalten mehr Raum. Ergänzt wird das Werk durch eine digitale Version, die klassisches Fachbuch und moderne Wissensplattform verbindet.

Details

Titel: Ernährungsmedizin
Verfasst von: Hans Konrad Biesalski, Stephan C. Bischoff, Matthias Pirlich, Arved Weimann
Verlag: Georg Thieme Verlag, 6. Auflage März 2026, 1232 Seiten
EAN: 9783132445956
Preis: 120 EUR (März 2026)

Umfrage: Internationale Befragung zur Versorgung bei Übergewicht

Im Rahmen eines internationalen Projekts werden Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen zu Prävention, Betreuung und Behandlung von Übergewicht befragt. Ziel ist es, Herausforderungen, bewährte Ansätze und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren. Erfasst werden strukturelle Bedingungen, bestehende Maßnahmen und politische Rahmenbedingungen im jeweiligen Land.

Die Befragung deckt sowohl Vorbeugung als auch Behandlung ab, von Aufklärung und Beratung bis hin zu medizinischen Interventionen. Die Teilnahme ist freiwillig, anonym und dauert etwa 15 Minuten. Die Ergebnisse fließen in Berichte und internationale Initiativen ein.


Bericht Finanzkommission Gesundheit: Mögliche relevante Auswirkungen auf den Heilmittelbereich

Die FinanzKommission Gesundheit schlägt spürbare Änderungen für den Heilmittelbereich vor, zu dem auch die Ernährungsberatung und -therapie gehört.. So empfiehlt die Kommission ein Preismoratorium, also ein Einfrieren der Vergütungen, für 2027. Danach sollen Preissteigerungen an die Lohnentwicklung oder die tatsächlichen Kosten gekoppelt werden. Der Zugang zur Versorgung und die grundsätzliche Erstattungsfähigkeit sollen voraussichtlich unangetastet bleiben.

Im Bereich Prävention wird eine gestaffelte Abgabe auf zuckergesüßte Getränke vorgeschlagen, um den Konsum zu senken und Hersteller zu Rezepturänderungen zu bewegen.

Zudem sollen künftig nur noch Leistungen mit nachweisbarem Nutzen erstattet werden. Für die Ernährungstherapie bedeutet das keine unmittelbare Einschränkung, erhöht aber die Anforderungen an fundierte Begründungen, besonders bei präventiven Angeboten.

Wichtig: Es handelt sich hierbei um Empfehlungen. Die politische Umsetzung kann abweichen, verzögert erfolgen oder nur Teile aufgreifen. Auch Anpassungen im Gesetzgebungsverfahren sind wahrscheinlich. Konkrete Auswirkungen sind erst mit den finalen Beschlüssen verlässlich einschätzbar.


Zuckersteuer: Mit Vollgas am Ziel vorbei?

Kommt sie nun, die Zuckersteuer – und wenn ja, in welcher Form? Die geplante Steuer auf zuckergesüßte Getränke könnte in der Bekämpfung von Adipositas, Diabetes & Co. hilfreich sein – allerdings ganz sicher nicht in dem geplanten simplen Reiz-Reaktions-Konzept: Cola & Co. werden teurer, der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt, Diabetiker und Adipöse werden dünner, die Einnahmen aus der Steuer machen den Staatssäckel (ein kleines bisschen) dicker. Ein klassisches Beispiel für lupenreine Verhältnisprävention. Doch so funktioniert das echte Leben leider nicht.

Große Frage: Wie könnte es stattdessen funktionieren? Bereits vor Jahresfrist forderte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt im Rahmen der Diskussion um die Tabaksteuer, die Einnahmen zweckgebunden zu verwenden: „Höhere Preise für Zigaretten könnten dazu beitragen, den Tabakkonsum signifikant zu senken. Die entstehenden Einnahmen sollten gezielt und zweckgebunden zum Ausbau wirksamer und hoch notwendiger Präventionsmaßnahmen insbesondere im Kinder- und Jugendbereich eingesetzt werden.“ Was Reinhardt hier fordert ist die nichts weniger als die nötige und sinnvolle Kombination aus Verhältnis- und Verhaltensprävention.

Die wäre auch der einzig richtige Weg für die Zuckersteuer. Die Einnahmen aus der Steuer sollten zweckgebunden investiert werden, z.B. für Maßnahmen in Schulen und Kitas, Programme in der betrieblichen Gesundheitsförderung oder niedrigschwellige Angebote für besonders belastete Zielgruppen oder ernährungs- bzw. verhaltenstherapeutischer Betreuung Betroffener bzw. bei Kindern und Jugendlichen der ganzen Familie, um nur einige mögliche Ansatzpunkte zu nennen.

Apropos Ernährungstherapie: Mit den Ernährungsfachkräften steht eine ganze Berufsgruppe zur Verfügung, die deutlich mehr leisten könnte als es die Verteuerung der Produkte kann – durch individuelle Beratung, langfristige Begleitung, alltagsnahe Interventionen und mehr. Zucker ist einer von vielen Bestandteilen unserer Nahrung. Wer den Zuckerkonsum reduzieren will, muss kein Zuckerproblem, sondern ein Ernährungsproblem lösen. Dazu bräuchte es allerdings die richtigen Rahmenbedingungen. Bisher müssen sich Ernährungsfachkräfte von Ausnahmen abgesehen mit Almosen der Krankenkassen abspeisen lassen. Das müsste sich ändern. Die Mittel aus der Zuckersteuer wären da gut investiert.

Wenn sich ernsthaft etwas ändern soll, führt der Weg nicht über pauschale Preissteuerung, sondern nur über eine zusätzliche gezielte Unterstützung und Beratung dort, wo Verhalten entsteht und geprägt wird. In der Kombination von Preis- und Verhaltensmaßnahmen liegt das große, von Politik und Interessenvertretungen unterschätzte Potenzial. Natürlich ist dieser Weg aufwendiger, weniger skalierbar – aber eben auch näher an einem humanistischen Menschenbild. Wollen wir Gesundheitspolitik via Verhältnisprävention im Gießkannenprinzip organisieren? Oder wollen wir die Zahl der Adipösen und Diabetiker über die Stärkung individueller Verantwortung und Handlungskompetenz reduzieren? Gerne mit Unterstützung aus der Zuckersteuer. Das ist die zentrale Frage. Für Ernährungsfachkräfte sollte die Entscheidung klar sein!

Dr. Friedhelm Mühleib (Vorstandsmitglied FETeV)
Der Kommentar spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

🔒 Nahrungsmittelallergien: Es stehen 2 neue Präsentationen zur Verfügung: eine fachliche Powerpoint zur Ernährungstherapie bei Allergien im Allgemeinen sowie eine Beraterpräsentation zur Erdnussallergie im Speziellen.

Ballaststoffe: Es steht ein übersichtlicher Steckbrief zu Ballaststoffen zur Verfügung, der von Mitgliedern als Handout für die Beratung gedruckt werden kann.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei. In dieser Woche wurden zahlreiche Inhalte online ergänzt und aktualisiert.


Webinar/ Vortrag: Ernährung bei Schluckstörungen

Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 29.04.2026 und 28.09.2026
Veranstaltet von: Wisswerk
Referierende: Manuela Motzko
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 29,00 €
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Das Seminar vermittelt grundlegende Kenntnisse zur Ernährung bei Schluckstörungen. Im Fokus stehen Ursachen, typische Symptome sowie der physiologische Schluckvorgang als Basis für das Verständnis der Problematik.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzung im Alltag. Behandelt werden die Auswahl geeigneter Lebensmittel und Getränke, verschiedene Andickungsmittel sowie der Einsatz konsistenzadaptierter Trinknahrung zur sicheren und bedarfsgerechten Versorgung.