Jod – Ernährungstherapeutische Aspekte

Das Spurenelement Jod ist am Aufbau der Schilddrüsenhormone (T3, T4) beteiligt. Bis auf das Gehirn sprechen die meisten Gewebe auf T3 an. Die Hormone stimulieren den RNA- bzw. den Eiweißaufbau. Ebenso werden Wachstum und Reifung von Gehirn und Knochen durch die Schilddrüsenhormone stimuliert. Ferner werden der Sauerstoffverbrauch und den Grundumsatz bei einer gleichzeitig gesteigerten Wärmeproduktion gesteigert.

Funktionen und Wirkungsweisen

Das Spurenelement Jod ist am Aufbau der Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) beteiligt. Von Bedeutung ist vor allem T3, das effektiver und schneller wirkt als T4 (5-fach). Bis auf das Gehirn sprechen die meisten Gewebe auf T3 an.

Die Schilddrüsenhormone steuern unseren gesamten Stoffwechsel. Die folgenden Inhalte sind dem Beitrag zu Schilddrüse und Schilddrüsenhormone entnommen.

Entwicklung des Ungeborenen

Schilddrüsenhormone fördern das Körperwachstum, indem die Produktion des Wachstumshormons STH (Somatotropin) stimuliert wird. Es wird gleichermaßen das Wachstum der Knochen angeregt. Des Weiteren spielt T3 für die Gehirnentwicklung wie die Bildung von Synapsen und Nervenzellen während der Embryonalphase eine große Rolle.

Energie- und Zellstoffwechsel

T3 erhöht den Sauerstoffverbrauch sowie den Energieumsatz der Mitochondrien und somit den Grundumsatz der Zelle. Infolgedessen steigt die Wärmefreisetzung ****(Thermogenese) [Lan 2016]. Die Freisetzung von Schilddrüsenhormonen ist damit eine der Möglichkeiten für den Körper, auf Kälteeinwirkung von außen zu reagieren. Die Hormongehalte im Blut unterliegen daher jahreszeitlichen Schwankungen.

T3 und T4 sind effektive Regulatoren der Mitochondrien. Über die Stimulation verschiedener Zellprozesse steigt sowohl die Anzahl als auch die Power unserer Zellkraftwerke [Ven 2008].

Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel

T3 erhöht den Blutzuckerspiegel und wirkt somit entgegengesetzt zum Hormon Insulin. Es beschleunigt die Aufnahme von Glukose im Darm und kurbelt die Neubildung (Gluconeogenese) sowie die Freisetzung des Zuckers aus den körpereigenen Speichern an. Unter dem Einfluss der Schilddrüsenhormone erhöht sich zudem die Eiweißsynthese.

Auch steigt die Konzentration an freien Fettsäuren im Blut, indem die Enzyme der Fettsäuren-Neubildung stimuliert werden. Gleichzeitig wird der Fettabbau (Lipolyse) gefördert. Weiterhin regulieren die Hormone den Cholesterinstoffwechsel: Umsatz, Synthese und Abbau von Cholesterin werden angeregt.

Hormonstoffwechsel, Immunsystem und Stressverarbeitung

Nicht unbeeinflusst bleibt der Hormonhaushalt unseres Körpers. Schilddrüsenhormone heizen die Freisetzung und Wirkung von Adrenalin an und sorgen für eine ausreichende Bildung von Steroidhormonen wie Testosteron, Östrogen und Progesteron [Kum 2007] [Tre 2008]. So nimmt die Schilddrüse scheinbar Einfluss auf Fruchtbarkeit, Libido und Menstruationszyklus. Zudem verstärkt sich die Wirkung weiterer Neurotransmitter. Über den Einfluss auf die Steroidhormone erklärt sich auch der veränderte Cholesterinstoffwechsel bei Schilddrüsenfunktionsstörungen.

Zudem fördert T3 ein gut funktionierendes Immunsystem. Es stimuliert ein Schlüsselenzym der Zellatmung, reduziert dadurch die Bildung von freien Radikalen in der Zelle und sorgt für weniger oxidativen Stress [She 2004]. Das wirkt sich positiv auf unser Immunsystem aus und erhöht gleichermaßen den Energieumsatz.

Unter psychischem Stress wiederum steigt die Konzentration des Stresshormons Cortisol in unserem Blut. Daraufhin ändert das Gehirn seine Befehle an die Schilddrüse, in dessen Folge weniger Hormone gebildet und freigesetzt werden.

Herz-Kreislauf-System und Muskulatur

Im Herzmuskel steigert T3 die Sensibilität der Herzzellen für Adrenalin und Noradrenalin. Dies erhöht die Kontraktionsfähigkeit des Herzens und die Herzfrequenz. Zudem steigt die Produktion verschiedener Eiweiße wie Myosin, welche direkt am Kontraktionsprozess des Herzmuskels beteiligt sind.

Auch mehren sich Hinweise, dass die Schilddrüsenhormone Einfluss auf Wachstum und Zusammensetzung bzw. Aufbau der Muskelfasern nehmen können [Sal 2014] [Lee 2014]. Während der Anteil an oxidativen Typ 1-Muskelfasern unter T3 abnimmt, soll der Anteil an glykolytischen Typ 2-Muskelfasern zunehmen [Kim 2013].

Gehirnstoffwechsel und Leistungsfähigkeit

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen ebenso unsere Leistungsfähigkeit. Wie bereits beschrieben, steigert T3 die Wirkung einiger Neurotransmitter. Es erhöht wie im Herzen die Sensitivität für Adrenalin und Noradrenalin. Zudem fördert es die Durchblutung sowie die Glukoseversorgung im Gehirn. Somit steigert es Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie Gedächtnisleistung und Motivation.

Magen und Darm, Leber und Nieren

Ferner stehen unsere Verdauungsorgane unter dem Einfluss der Schilddrüsenhormone. T3 stimuliert im Magen die Bildung von Magensäure sowie die glatte Muskulatur in der Darmwand und regt die Darmbewegung an. Sowohl im Magen als auch im Darm soll T3 die Durchlässigkeit der Schleimhaut mit regulieren. Dieser Mechanismus würde auch das bei Schilddrüsenerkrankungen häufig auftretende Leaky Gut Syndrom erklären [van 1999] [Yan 2003]. In den Nieren erhöht es die Filtrationsrate, fördert die Natriumrückresorption und die Kaliumausscheidung. Hierdurch wird auch vermehrt Wasser im Körper zurückgehalten, wodurch das Blutvolumen steigt. In der Leber wiederum sorgen die Schilddrüsenhormone für einen effizienten Abbau von Medikamenten und unterstützen die Entgiftung.

Vorkommen und Zufuhrempfehlungen

Vorkommen

Der Jodgehalt von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln ist vom Jodgehalt des Bodens und des Trinkwassers im Erzeugergebiet sowie von der Jodversorgung landwirtschaftlicher Nutztiere abhängig. Die Lebensmittelgehalte unterliegen daher großen Schwankungen.

Jodreich sind in der Regel Seefische und andere Meerestiere. Innereien, Milch und Eier werden bei entsprechender Fütterung der Tiere ebenfalls mit Jod angereichert. Jod wird als Nahrungsergänzung in Form von Natrium- oder Kaliumjodat Speisesalzen zugesetzt. In Deutschland herrscht das Freiwilligkeitsprinzip.

Für Mitglieder: Recherche-Tabellentool mit Jodidgehalten von Lebensmitteln pro 100 g und pro Portion.

Zufuhrempfehlungen

Bedarf

Laut den Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr gemäß der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt der Bedarf für Erwachsene bei etwa 150-200 µg pro Tag (DGE Referenzwerte). Schwangere und Stillende benötigen etwas mehr (230 bzw. 260 µg/ Tag).

Die Bedarfsdeckung wird nur durch die breite Anwendung von jodiertem Speisesalz bzw. durch regelmäßigen Fischverzehr erreicht. Die Zufuhr sollte lediglich bei PatientInnen mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Morbus Basedow, Hashimoto Thyreoiditis) begrenzt werden.

Ist-Zufuhr

Das Robert-Koch-Institut verweist in einer aktuellen Stellungnahme aus dem Jahr 2021 auf die noch verbesserungswürdige Versorgung mit dem Mineralstoff Jod.

Demnach besteht laut aktuellen Daten bei knapp 30 % der Erwachsenen und 44 % der Kinder und Jugendlichen das Risiko einer Unterversorgung. Bei Kindern und Jugendlichen zeichnet sich sogar ein rückläufiger Trend ab.

Das RKI stellt verschiedene Modellszenarien zur Verbesserung der Versorgung vor. So sollte die Lebensmittelindustrie mehr Jodsalz verwenden. Auch könnte Speisesalz mit mehr Jod angereichert werden, wenn langfristig die Salzreduktion in der Bevölkerung sinkt.

Weitere Informationen sind auf der Website des Robert-Koch-Instituts erhältlich.

Unter- und Überversorgung

Mangelerscheinungen

Eine unzureichende Versorgung mit Jod führt zu einer geringen Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut. Diesen gleicht der Körper auf Dauer mit einem kompensatorischen Wachstum des Schilddrüsengewebes aus, wobei der Schilddrüsenumfang zunimmt (Kropfbildung). Die Schilddrüsenzellen bilden vermehrt verschiedene Wachstumsfaktoren, die sowohl das Wachstum der Schilddrüsenzellen als auch von Bindegewebszellen anregen. Durch die Einnahme von Jod oder die Gabe von Schilddrüsenhormonen geht das Schilddrüsengewebe wieder zurück.

Die Beschwerden beginnen meist schleichend, sodass anfangs keine Symptome wahrgenommen werden. Erst bei einer stärkeren Unterfunktion klagen die Betroffenen unter anderem über Müdigkeit; Antriebsarmut; ein gesteigertes Schlafbedürfnis sowie Gewichtszunahme, Konzentrationsstörungen, Kälteempfindlichkeit oder Verstopfung.

Ein schwerer Jodmangel in der Schwangerschaft führt beim Ungeborenen zu Entwicklungsstörungen und schlimmstenfalls zum Kretinismus. Bei Kindern treten Wachstums- und Entwicklungsstörungen auf.

Toxizität

Intoxikationen durch Jod sind indes sehr selten. Es besteht eine große Sicherheitsspanne zwischen Bedarf und Toxizität. Symptome treten erst bei einer längerfristigen Zufuhr von etwa 500 µg Jod/ Tag auf. Die Ursache einer sogenannten Jodüberladung, zum Beispiel bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, ist eine zu hohe Aufnahme von Jod beispielsweise über große Mengen von Meeresalgen. Es entsteht eine Thyreotoxikose. Charakteristische Symptome sind beispielsweise Brennen und Schmerzen in Mund-/Rachenraum und Hals; ein metallischer Geschmack; vermehrter Speichelfluss; Magenbeschwerden sowie Kopfschmerzen.

Bioverfügbarkeit und Interaktionen

Bioverfügbarkeit

Die Aufnahme von Jod aus der Nahrung sinkt durch Trinkwasser mit hohem Härtegrad sowie niedrigem Nitratgehalt. Das beeinflusst auch das Auftreten der regionalen Kropfhäufigkeit. Die Gehalte schwanken zwischen 1 und 7 mg pro Liter und liegen in Küstenregionen etwas höher. Ferner wird die Aufnahme durch goitrogene Substanzen gestört. Hierzu zählen unter anderem Glukosinolate, Senföle oder verschiedene Flavonoide. Ein Teil des enthaltenen Jods geht ins Kochwasser über und damit verloren. Einige Medikamente stören zudem den Jodstoffwechsel.

Beratungsmaterialien/ Downloads

BildNameKategorien
Produkt zum Warenkorb hinzugefügt!
0 Artikel - 0,00