Anorexia nervosa (Magersucht) – Kurzportrait zum Krankheitsbild

Inhaltstyp: Kurzprofil ? Unsere Kurzprofile beinhalten übersichtliche Steckbriefe, Checklisten oder auch Kurzportraits zu Ernährungsberatungs- und -Ernährungstherapie-relevanten Aspekten.

Anorexia nervosa ist eine schwere Essstörung mit starkem Gewichtsverlust, verzerrtem Körperbild und Angst vor Gewichtszunahme. Kenntnisse über das Krankheitsbild können helfen, individuelle Beratungsansätze zu finden.

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Zuletzt aktualisiert:

23. August 2026

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Definition und Verbreitung

  • Definition: schwere Essstörung mit extremem Gewichtsverlust, verzerrtem Körperbild und starker Angst vor Gewichtszunahme; Betroffene kontrollieren Nahrungsaufnahme stark
  • Verbreitung: häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen; überwiegend Frauen betroffen; oft gekoppelt an andere psychische Erkrankungen
  • Deutschland: ca. 0,5–1 % der Frauen und 0,1–0,3 % der Männer betroffen

Ursachen und Risikofaktoren

  • Umwelt & Soziales (hoch): Gesellschaftlicher Druck, negatives Körperbild, familiäre Konflikte, traumatische Erfahrungen
  • Psychische Erkrankungen (hoch): Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen
  • Lebensstil (mittel): Übermäßige Aktivität, Leistungsdruck, Perfektionismus
  • Genetik (mittel): Familiäre Häufung, u. a. Gene SLC6A4, DRD2
  • Ernährung (mittel–gering): Restriktive Diäten, unregelmäßiges Essen, Mangelernährung
  • Medikamente (gering): Antidepressiva, andere Psychopharmaka (meist begleitend, nicht ursächlich)

Formen

  • Restriktive Form: Stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme, gezieltes Meiden bestimmter Lebensmittel
  • Binge-Purge-Form: Wiederholtes Überessen mit anschließendem Erbrechen oder Einsatz von Abführmitteln zur Gewichtskontrolle

Entstehung

  • nergieeinschränkung: Kaloriendefizit führt zu Unterernährung
  • Stoffwechselanpassung: Reduzierter Grundumsatz, niedrigere Körpertemperatur und Herzfrequenz
  • Hormonelle Veränderungen: Störungen bei Insulin, Leptin und Geschlechtshormonen → Amenorrhoe, Knochenschwund
  • Psychische Effekte: Neurotransmitter-Ungleichgewicht beeinflusst Stimmung und Verhalten
  • Körperliche Folgen: Herzrhythmus- und Elektrolytstörungen, Infektanfälligkeit.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrationsprobleme, verzerrte Körperwahrnehmung

Symptome

  • Körperlich: Starker Gewichtsverlust, Unterkühlung, Haarausfall, trockene Haut, brüchige Nägel, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Schwäche
  • Psychisch: Verzerrtes Körperbild, Angst, Depression, soziale Isolation, Perfektionismus, Reizbarkeit
  • Ernährungsbezogen: Appetitlosigkeit, stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme, Kalorienzählen, Angst vor bestimmten Lebensmitteln
  • Leistungsbezogen: Erschöpfung, geringe Belastbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Antriebslosigkeit

Häufige Folgen und Komplikationen

  • Komplikationen: Herzrhythmus- und Elektrolytstörungen, Osteoporose, Nierenversagen, Magen-Darm-Beschwerden
  • Folgeerkrankungen: Depression, Angststörungen, Zwangsstörungen
  • Begleiterkrankungen: Adipositas, Alkohol- und Drogenmissbrauch

Diagnostik

  • Anamnese: Essverhalten, Gewichtsverlauf, Körperbild, körperliche und psychische Symptome
  • Anthropometrie: Größe, Gewicht, BMI, Körperfettanteil
  • Labor: Elektrolyte, Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Proteine
  • Apparativ: EKG, Ultraschall, Röntgen

Therapiesäulen

  • Psychotherapie: Verhaltenstherapie, Familientherapie, Gruppentherapie
  • Ernährungstherapie: Hochkalorische Kost, individuelle Diätplanung, Ernährungsberatung
  • Lebensstil & Unterstützung: Stressbewältigung, psychologische Begleitung, moderate körperliche Aktivität
  • Medikamentöse Therapie: Antidepressiva, Antipsychotika
  • Chirurgische Therapie: Keine spezifischen Optionen