FETeV Newsletter 2026-32

07.09.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Metaanalyse: Molkenprotein und Training bei Sarkopenie

Sarkopenie betrifft Muskelmasse, Muskelkraft und körperliche Leistungsfähigkeit. Eine Netzwerk-Metaanalyse vergleicht mehrere Behandlungen anhand direkter und indirekter Studiendaten. Untersucht wurde, welche Kombinationen aus Proteinquelle und Trainingsform bei untrainierten älteren Menschen die günstigsten Ergebnisse erzielen. Das Durchschnittsalter lag bei 73 Jahren, die jüngsten Studienkollektive begannen bei 50 Jahren.

Die Analyse umfasste 235 randomisierte kontrollierte Studien mit 20.980 Teilnehmenden, zehn Proteinquellen und drei Trainingsformen. Molkenprotein kombiniert mit Krafttraining erreichte die höchste Rangposition für Muskelmasse und Beinkraft. Die standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) beschreibt die Effektgröße unabhängig vom Messverfahren; Werte ab etwa 0,8 gelten als großer Effekt. Für Muskelmasse lag sie bei 1,29 und für Beinkraft bei 1,16. Molkenprotein mit Mehrkomponententraining rangierte bei Aufstehtest, Timed-up-and-go-Test und allgemeiner Mobilität am höchsten.

Die Ergebnisse sind vorsichtig zu bewerten. Nur 39 Studien hatten ein niedriges Verzerrungsrisiko, 70 Studien ein hohes. Zudem unterschieden sich Proteinmengen, Einnahmezeitpunkte, Trainingsprogramme und untersuchte Personengruppen deutlich. Für Muskelmasse und Beinkraft bestand ein Hinweis auf Publikationsverzerrung. Leichte unerwünschte Wirkungen betrafen vor allem Magen-Darm-Beschwerden sowie vorübergehende Gelenk- und Muskelschmerzen.

Einordnung: Die Evidenz bestätigt, dass Proteinversorgung und körperliches Training gemeinsam betrachtet werden sollten. Molkenprotein mit Krafttraining erscheint besonders günstig für Muskelmasse und Beinkraft. Bei der körperlichen Mobilität spricht mehr für ein vielseitiges Training. Eine generelle Überlegenheit einzelner Protokolle ist wegen der erheblichen Heterogenität noch nicht gesichert.


Fachbuch: Ernährung bei Krankheit

Das im August 2026 erschienene Lehrbuch verbindet ernährungsphysiologische Grundlagen mit medizinischem Wissen zu akuten und chronischen Erkrankungen. Die Pathophysiologie beschreibt, wie krankheitsbedingt veränderte Körperfunktionen entstehen und ablaufen. Darauf aufbauend erläutert das Buch den Energie- und Nährstoffbedarf sowie praktisch umsetzbare Konzepte für eine zielgerichtete Ernährungstherapie.

Im Mittelpunkt stehen häufige Krankheitsbilder, bei denen eine orale Ernährung weiterhin möglich ist. Berücksichtigt werden auch Lipödem und übertragbare Erkrankungen wie Influenza, SARS-CoV-2 und HIV/AIDS. Die einheitlich aufgebauten Kapitel behandeln Prävalenz, Ätiologie, Diagnostik, pathophysiologische Veränderungen, Energieumsatz, Nährstoffbedarf und Ernährungsstatus. Daraus werden jeweils diätetische Maßnahmen abgeleitet. Fallbeispiele aus der Praxis und hervorgehobene Schlüsselinformationen erleichtern die Anwendung. Ergänzend stehen über die SN Flashcards-App 200 digitale Lernkarten zur Wissensüberprüfung bereit.

Das Buch richtet sich an Studierende der Ernährungswissenschaften und verwandter Fachgebiete sowie an Fachkräfte aus Ernährungsmedizin und Diätetik. Durch den systematischen Kapitelaufbau eignet es sich sowohl als Lehrbuch als auch als Nachschlagewerk. Erkrankungen, die keine orale Ernährung mehr zulassen, stehen nicht im Mittelpunkt. Auch ersetzt das Werk keine krankheitsspezifischen Leitlinien oder individuell erforderliche medizinische Diagnostik.

Titel: Ernährung bei Krankheit
Autor:innen: Peter Stehle, Gert Bischoff und Sabine Ellinger
Verlag: Springer Spektrum, 1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-662-73397-4
Preis: 44,99 EUR (Softcover), 34,99 EUR (eBook)

Transparenzhinweis: Wir stellen dieses Fachbuch aus redaktionellem Interesse vor. FETeV erhält dafür keine Vergütung und steht in keiner geschäftlichen Beziehung zum Anbieter.


Good Practice: Lebensstilmaßnahmen bei Reflux gehören zur Basistherapie

Bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) fließt Magensaft in die Speiseröhre zurück. Das führt zu Sodbrennen und saurem Aufstoßen. Der untere Schließmuskel der Speiseröhre und das Zwerchfell bilden die natürliche Refluxbarriere. Protonenpumpenhemmer, also Säureblocker, werden regelmäßig gegen die Symptome verordnet. Allgemeinmaßnahmen zum Lebensstil bleiben in der Praxis aber oft ungenutzt, wie der Gastroenterologe Joachim Labenz beim Internistenkongress 2026 feststellte.

Was die Refluxbarriere belastet

Übergewicht wirkt auf zwei Wegen. Erstens erhöht zu viel Bauchfett den Druck vom Bauchraum auf den Mageneingang. Zweitens setzt viszerales Fettgewebe entzündungsfördernde Botenstoffe frei, die die Barrierefunktion zusätzlich schwächen. Alkohol entspannt den Schließmuskel und reizt die Speiseröhrenschleimhaut. Nikotin entspannt denselben Muskel und mindert den Speichel, der Säure in der Speiseröhre abpuffert. Späte und große Mahlzeiten erhöhen das Magenvolumen und die nächtliche Säurelast. Im flachen Liegen fehlt die Schwerkraft als Schutz. Kohlensäurehaltige Getränke dehnen den Magen. Dagegen ist ein pauschaler Zusammenhang mit Schokolade, Kaffee, scharfen Speisen oder Zitrusfrüchten laut Leitlinie nicht allgemeingültig belegt.

Was entlastet

In Linksseitenlage liegt der Mageneingang oberhalb des Magensaftspiegels, der Rückfluss wird dadurch erschwert. Hydrogencarbonat kann Magensäure abpuffern.

Daraus ergeben sich die folgenden möglichen Maßnahmen:

  • Gewicht: Eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht entlastet den Schließmuskel mechanisch und stoffwechselbedingt.
  • Alkohol und Tabak: Beides entspannt den Schließmuskel und sollte gemieden werden.
  • Getränke: Stilles Wasser oder stilles hydrogencarbonatreiches Heilwasser ist die beste Basis. Alkoholische und kohlensäurehaltige Getränke sind eher zu meiden, auch kohlensäurehaltige Heilwässer.
  • Mahlzeitenmanagement: Kleinere Mahlzeiten und ein Abstand von zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen verringern den nächtlichen Rückfluss.
  • Schlafposition: Ein erhöhtes Kopfende und die Linksseitenlage leiten Magensaft vom Mageneingang weg.
  • Lebensmittelauswahl: Pauschale Verbote entfallen. Nur individuell unverträgliche Speisen werden weggelassen.
  • Atmung: Bauchatmung trainiert das Zwerchfell als Teil der Antirefluxbarriere.

Lebensstilmaßnahmen ersetzen nicht in jedem Fall die medikamentöse Therapie. Sie gehören aber zur Basis und können Symptome sowie die Bedarfsmedikation und -dauer mitunter deutlich reduzieren.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

Divertikelkrankheit: Die Ernährungstherapie bei der Divertikelkrankheit arbeitet vor allem mit einer ballaststoffreichen, fleischarmen Lebensmittelauswahl, einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr und einem passenden Umgang mit der Ernährung in akuten Entzündungsschüben.

Sesamallergie kompakt: Die Sesamallergie ist eine primäre Sofortreaktion auf sehr stabile Speicherproteine des Sesamsamens und bleibt bei den meisten Betroffenen dauerhaft bestehen. Der Steckbrief erklärt die entscheidenden Allergenkomponenten, die niedrige Reaktionsschwelle und typische versteckte Quellen. Er zeigt außerdem, warum die Unterscheidung zwischen raffiniertem und unraffiniertem Sesamöl wichtig ist und wann das Notfallset nötig ist.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Leaky Gut – Ursachen und Folgen einer geschwächten Darmbarriere

Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 28.09.2026
Veranstaltet von: Weiterbildung Ernährung
Referierende: Dr. Elke Jaspers, Mikrobiologin
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 10 % auf 129 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Das Seminar vermittelt einen Überblick über Entstehung und Folgen des Leaky-Gut-Syndroms – einer übermäßig durchlässigen Darmschleimhautbarriere. Im Mittelpunkt stehen wesentliche schädigende Mechanismen sowie mögliche Zusammenhänge mit dem Reizdarmsyndrom.

Auf Basis aktueller Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung werden zudem Zusammenhänge zwischen einer beeinträchtigten Darmbarriere und neurodegenerativen Erkrankungen betrachtet.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der schützenden Funktion bestimmter Darmbakterien. Ergänzend werden ausgewählte Ernährungsbestandteile vorgestellt, mit denen sich die Integrität der Darmbarriere positiv beeinflussen lässt.