FETeV Newsletter 2026-33

14.09.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: KI-Modell soll Erfolg einer Lebensstiltherapie bei Adipositas vorhersagen

Strukturierte Programme aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie können bei Adipositas deutliche Gewichtsverluste und gesundheitliche Verbesserungen bewirken. Der individuelle Behandlungserfolg fällt jedoch unterschiedlich aus. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Hohenheim untersuchte deshalb, ob sich das Therapieergebnis bereits vor Beginn eines einjährigen Programms prognostizieren lässt.

Die Studie umfasste 50 Erwachsene mit fortgeschrittener Adipositas, überwiegend Grad III. Für das Prognosemodell kombinierte das Team klinische Daten, Blutwerte, Körperzusammensetzung, Blutmetabolom und Darmmikrobiom. Das Blutmetabolom bildet kleine Stoffwechselprodukte im Blut ab. Die beste Vorhersage erreichte ein Machine-Learning-Modell aus klinischen Daten und Mikrobiomprofilen. Es unterschied Personen mit höherem und geringerem Behandlungserfolg mit einer AUC von 0,898. Die AUC beschreibt, wie zuverlässig ein Modell zwei Gruppen voneinander trennt.

Die Aussagekraft bleibt durch die kleine Stichprobe und das besondere Behandlungskonzept begrenzt. Das Programm umfasste eine dreimonatige Phase mit standardisierter Trinknahrung und etwa 850 Kilokalorien täglich. Es folgten eine Übergangs- und eine Erhaltungsphase mit engmaschiger medizinischer Betreuung. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf andere Programme oder Personengruppen übertragen. Zudem sind unabhängige, prospektive Validierungen erforderlich.

Einordnung: Noch offen ist, ob das Modell unter üblichen Versorgungsbedingungen zuverlässig funktioniert und einen zusätzlichen Nutzen gegenüber etablierten klinischen Kriterien bietet. Gelingt die externe Bestätigung, könnten Prognosemodelle künftig die Auswahl zwischen Lebensstiltherapie, medikamentöser Behandlung und chirurgischen Verfahren gezielter unterstützen.


Aktualisierte Leitlinie: Therapie der Akne – Ernährung erstmals mit eigenem Kapitel

Die aktualisierte S2k-Leitlinie zur Therapie der Akne ordnet medikamentöse, dermatokosmetische und lebensstilbezogene Maßnahmen nach Akneform und Schweregrad ein. Neu aufgenommen wurde ein eigenes Kapitel zu Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln.

Im Ernährungskapitel stehen individuelle Triggerfaktoren und eine ausreichende Nährstoffversorgung im Mittelpunkt. Der glykämische Index beschreibt, wie stark kohlenhydrathaltige Lebensmittel den Blutzucker erhöhen. Randomisierte kontrollierte Studien weisen darauf hin, dass eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index entzündliche Hautveränderungen reduzieren kann. Als mögliche Trigger nennt die Leitlinie hochverarbeitete Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate sowie Milch- und Molkenproteinprodukte. Empfohlen wird eine ausgewogene mediterrane Kost mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst, Nüssen, Saaten und Fisch. Die Einnahme von Zink wird bedingt empfohlen. Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D können ergänzend erwogen werden, die Evidenz hierzu ist jedoch begrenzt. Ernährungsmaßnahmen sollen eine verschreibungspflichtige Therapie begleiten und nicht ersetzen.

Die Leitlinie eignet sich besonders für Fachkräfte, die Ernährung strukturiert in die interdisziplinäre Aknebehandlung einordnen möchten. Sie ersetzt keine systematische Evidenzbewertung und bietet nur begrenzte Grundlagen für pauschale Ernährungsvorgaben.

Herausgeber: Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Stand: August 2026, gültig bis 31. Juli 2031
Zugang: kostenfrei

Sachbuch: Bad Food

Warum werden ernährungsbedingte Erkrankungen häufiger, obwohl das Wissen über Ernährung wächst? Chris Methmann verlagert den Blick von individuellen Entscheidungen auf die strukturelle Macht der Lebensmittelindustrie. Das im August 2026 erschienene Sachbuch untersucht, wie öffentliche Debatten, Werbung, Produktgestaltung und Lobbyarbeit das Ernährungsverhalten beeinflussen.

Anhand von Beispielen aus Politik, Geschichte, sozialen Medien und Alltag beschreibt Methmann wirtschaftliche Interessen und kommunikative Manipulationsstrategien. Nach Verlagsangaben bietet das Buch zudem Werkzeuge, um diese Mechanismen zu erkennen und politische Veränderungen einzufordern. Als Geschäftsführer von foodwatch schreibt der Autor aus einer verbraucherpolitisch klar positionierten Perspektive. Das verspricht eine zugängliche und pointierte Analyse, kann aber auch zu einer einseitigen Gewichtung komplexer Ursachen führen.

Das Buch richtet sich an Personen, die Ernährung als politisches und wirtschaftliches System verstehen möchten. Für eine vertiefte wissenschaftliche Bewertung industriell verarbeiteter Lebensmittel reicht eine engagierte Verbraucherschutzperspektive allein jedoch nicht aus. Ob Gegenpositionen und die Evidenz zu den gesundheitlichen Aussagen angemessen berücksichtigt werden, lässt sich anhand der Produktbeschreibung nicht beurteilen.

Titel: Bad Food
Autor: Dr. Chris Methmann
Verlag: Ullstein Hardcover, 2026
ISBN: 978-3-550-20491-3
Preis: 23,00 EUR (Hardcover); 18,99 EUR (E-Book)

Transparenzhinweis: Wir stellen dieses Buch aus redaktionellem Interesse vor. FETeV erhält dafür keine Vergütung und steht in keiner geschäftlichen Beziehung zum Anbieter.


Übersicht: Ernährung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wünschen häufig klare Ernährungsempfehlungen. Eine einheitliche Ernährung für alle Betroffenen gibt es jedoch nicht. Ernährungsmaßnahmen müssen Erkrankungsform, Entzündungsaktivität, Ernährungszustand, Begleiterkrankungen und individuelle Verträglichkeit berücksichtigen. Besonders wichtig sind die Früherkennung von Mangelernährung und eine qualifizierte ernährungstherapeutische Begleitung.

Bei Morbus Crohn kann eine exklusive enterale Ernährung besonders im Kindesalter eine Remission einleiten. Dabei deckt eine medizinische Trinknahrung vorübergehend den gesamten Energiebedarf. Bei Colitis ulcerosa ist die exklusive enterale Ernährung keine wirksame primäre Entzündungstherapie. In der Remission bildet eine vollwertige, überwiegend pflanzliche Ernährung mit wenig hochverarbeiteten Lebensmitteln die gemeinsame Grundlage.

  • Mangelernährung erfassen: Gewicht, Gewichtsverlauf, Muskelmasse und Nahrungsaufnahme werden regelmäßig dokumentiert.
  • Mikronährstoffe prüfen: Eisen, Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure und Zink werden abhängig von Befund und Therapie kontrolliert.
  • Krankheitsphase berücksichtigen: Im Schub stehen Verträglichkeit und Versorgung im Vordergrund, in der Remission schrittweise mehr Vielfalt.
  • Hochverarbeitete Produkte reduzieren: Der Fokus auf vollwertige Lebensmittel senkt zugleich die Zufuhr von Zucker, Zusatzstoffen sowie rotem und verarbeitetem Fleisch.
  • Spezialdiäten gezielt einsetzen: Trinknahrung und Ausschlussdiäten benötigen ein klares Therapieziel und eine fachliche Begleitung.
  • Beschwerden einordnen: Funktionelle Beschwerden rechtfertigen keine pauschalen Verbote und zeigen nicht automatisch eine aktive Entzündung an.

Cave: Bei Stenosen, schwerem Schub, deutlichem Gewichtsverlust oder Mangelernährung gelten allgemeine Empfehlungen nur eingeschränkt. Restriktive Kostformen können Defizite verstärken. Ernährungstherapie ergänzt die medizinische Behandlung und ersetzt keine wirksame Entzündungstherapie.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

Diabetes Typ 2: Eine wirksame Ernährungstherapie bei Typ-2-Diabetes verbindet Gewichtsmanagement, geeignete Lebensmittel und eine passende Mahlzeitenstruktur. Der Beitrag ordnet die wichtigsten Hebel ein, zeigt konkrete Alltagsstrategien und greift typische Hürden sowie Sicherheitsfragen auf.

GLP-1-Agonisten im Überblick und Vergleich: Das Kurzprofil vergleicht die einzelnen GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) und dualen Agonisten. Die Daten und Prozentangaben basieren auf den klinischen Studienprogrammen wie SCALE, STEP, SELECT, SURMOUNT.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Allergietag: Hautnah informiert – Neurodermitis, Urtikaria und ein starker Alltag

Veranstaltungstyp: Online-Veranstaltung
Datum: 16.09.2026
Veranstaltet von: Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB)
Referierende: diverse
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Der Online-Allergietag findet im Rahmen des Aktionsjahres IMpulse 2026 statt und widmet sich unter dem Motto „Hautnah informiert“ den Themen Neurodermitis und Urtikaria sowie dem Umgang mit den Erkrankungen im Alltag.

Zum Programm gehören Fachvorträge, Podcasts und Live-Webinare. Teilnehmende können während der Webinare Fragen an die Vortragenden richten. Aufzeichnungen stehen im Nachgang zur Verfügung.

Ergänzend werden zu ausgewählten Themen Workbooks, Infoschriften, Podcasts und weitere Materialien angeboten. Für den Zugang zu den Zusatzmaterialien ist eine Registrierung erforderlich. Für einzelne Live-Webinare ist zusätzlich eine gesonderte Anmeldung notwendig.