FETeV Newsletter 2026-37

12.10.2026

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Der Newsletter erscheint bis auf wenige Ausnahmen wöchentlich.


Studie: Neue Umrechnungsfaktoren für den Proteingehalt von Lebensmitteln

Das Max Rubner-Institut hat gemeinsam mit europäischen Forschungspartnern eine Datenbank entwickelt, die eine differenziertere Berechnung des Proteingehalts von Lebensmitteln ermöglicht. Dieser wird üblicherweise aus dem gemessenen Stickstoffgehalt abgeleitet. Ein Umrechnungsfaktor übersetzt die Stickstoffmenge in eine geschätzte Proteinmenge. Häufig kommt dafür der pauschale Faktor 6,25 zum Einsatz, dessen Grundlagen rund 200 Jahre zurückreichen. Der Wert beruht auf der Annahme, dass Protein im Mittel 16 % Stickstoff enthält (100 : 16 = 6,25).

Die NiCE Factors Database stellt neue Umrechnungsfaktoren zusammen, die berücksichtigen, dass sich der Stickstoffanteil von Proteinen je nach Lebensmittel unterscheidet und ein Teil des Stickstoffs nicht aus Protein stammt. Die Faktoren liegen zwischen 5,0 und 5,9. Damit ergeben sich je nach Lebensmittelgruppe etwa 5 bis 20 % niedrigere berechnete Proteingehalte als mit dem bisherigen Faktor. Die Forschungsgruppe hat dafür die wissenschaftlichen Grundlagen der Berechnung überarbeitet. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Food Chemistry veröffentlicht.

Die niedrigeren Werte bedeuten nicht, dass Lebensmittel plötzlich weniger Protein enthalten. Es ändert sich nur die Berechnung, nicht das Lebensmittel selbst. Der bisherige Faktor wird unter anderem für Lebensmittelkennzeichnung, Nährstoffdatenbanken und Verzehrserhebungen verwendet. Ob und wann die neuen Faktoren dort übernommen werden, ist bislang offen. Ebenso bleibt unklar, welche Folgen eine Umstellung für die Bewertung der Proteinzufuhr hätte.

Einordnung: Die Studie zeigt vor allem, dass angegebene Proteingehalte auch vom Rechenverfahren abhängen. Für Vergleiche zwischen Lebensmitteln und Datensätzen wird deshalb wichtiger, welche Faktoren zugrunde liegen. Auch die Referenzwerte für die Proteinzufuhr wurden überwiegend auf Basis des Faktors 6,25 abgeleitet. Würden nur die Gehaltsangaben der Lebensmittel umgestellt, entstünde ein Vergleich mit unterschiedlichem Maßstab. Neue Berechnungswerte allein begründen daher noch keine veränderten Empfehlungen zur Proteinzufuhr.


Dokumentation: next BITE – Wie werden wir in Zukunft essen?

Die zweiteilige ZDF-Dokumentation „next BITE“ verbindet Ernährungsfragen aus dem Alltag mit sozialen und ökologischen Herausforderungen. Wissenschaftsjournalist Eric Mayer untersucht, wie abwechslungsreiches Essen mit begrenztem Budget gelingt und welche Rolle Proteinprodukte tatsächlich spielen. Im Mittelpunkt stehen praktische Ansätze und Menschen, die an einer bezahlbaren und nachhaltigen Ernährung arbeiten.

Folge 1 „Gutes Essen geht auch günstig“ begleitet einen Wocheneinkauf mit 50 Euro und zeigt Möglichkeiten, Lebensmittelreste zu verwerten. Dänische Schulverpflegung und das Berliner Projekt „Gemüse auf Rezept“ ergänzen den Blick auf individuelle Einkaufsmöglichkeiten. Folge 2 „Proteine neu gedacht“ beschäftigt sich mit dem persönlichen Eiweißbedarf, angereicherten Produkten und gewöhnlichen Lebensmitteln. Hinzu kommen alternative Eiweißquellen aus Lupinen und Pilzen sowie ein Besuch in Island, der Heimat von Skyr.

Die Dokumentation ist interessant für Menschen, die Ernährungstrends und alltagstaugliche Ansätze kennenlernen möchten. Für Ernährungsfachkräfte bieten die Themen mögliche Gesprächsanlässe zu Budgetgrenzen und Erwartungen an sogenannte Proteinprodukte. Das journalistische Format ersetzt jedoch weder eine individuelle Ernährungsberatung noch eine systematische wissenschaftliche Bewertung der vorgestellten Ansätze.


Good Practice: Ernährung in den Wechseljahren – Muskeln, Knochen und Stoffwechsel unterstützen

In den Wechseljahren verändern sich häufig Körperfett, Muskelmasse und Hungerempfinden. Eine Gewichtszunahme lässt sich daher nicht allein durch die verzehrte Menge erklären. Auch hormonelle Veränderungen, Schlaf, Stress und Bewegung beeinflussen die Entwicklung. In der Beratung stehen neben dem Gewichtsmanagement deshalb Beschwerden, Essgewohnheiten und persönliche Lebensbedingungen im Mittelpunkt. Gemeinsam vereinbarte Ziele setzen bei vorhandenen Ressourcen an, statt Schuldgefühle oder unrealistische Erwartungen zu verstärken.

Eine mediterrane Ernährungsweise bietet – wie so oft – eine gut untersuchte Grundlage für die langfristige Gesundheit. Sie verbindet einen hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel mit überwiegend ungesättigten Fetten, etwa aus Olivenöl, Nüssen oder Fisch. Eine bedarfsgerechte Eiweißversorgung ergänzt dieses Muster. In Kombination mit Krafttraining unterstützt sie den Erhalt der Muskulatur. Ausreichend Calcium und Vitamin D tragen zur Knochengesundheit bei. Entscheidend bleibt das Zusammenspiel, nicht die möglichst hohe Zufuhr einzelner Nährstoffe.

Empfehlungen in Kürze

  • Pflanzenvielfalt erhöhen: Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchte liefern Ballaststoffe, fördern die Sättigung und unterstützen die Darmfunktion sowie den Stoffwechsel.
  • Eiweißquellen einplanen: Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Eier und/oder Fisch helfen, den individuellen Bedarf über unterschiedliche Lebensmittel zu decken.
  • Calciumversorgung prüfen: Milchprodukte, angereicherte Pflanzenalternativen und calciumreiches Mineralwasser tragen zur empfohlenen Zufuhr bei.
  • Fettquellen auswählen: Rapsöl, Olivenöl, Nüsse und Samen liefern viele ungesättigte Fettsäuren, die sich günstig auf die Blutfette auswirken.
  • Krafttraining ergänzen: Mindestens zwei individuell angepasste Einheiten pro Woche unterstützen die Muskelkraft und die körperliche Funktion.
  • Esssituationen erfassen: Ein Ernährungstagebuch macht Zusammenhänge zwischen Mahlzeiten, Hunger, Sättigung, Schlaf und Stress für die gemeinsame Beratung sichtbar.

Cave: Eine höhere Eiweißzufuhr ist nicht allein aufgrund der Wechseljahre erforderlich. Bei eingeschränkter Nierenfunktion braucht die Eiweißmenge eine individuelle medizinische Abstimmung. Nahrungsergänzungsmittel kommen nur bei begründetem Bedarf infrage. Starke oder verlängerte Blutungen erfordern ärztliche Abklärung, gegebenenfalls einschließlich des Eisenstatus. Ernährung ersetzt keine medizinische Behandlung.


FETeV Plattform: Neue Veröffentlichungen und Aktualisierungen

Wir weisen auf folgende Veröffentlichungen/ Aktualisierungen auf unserer Website hin.

Neu: Arbeitsmaterialien über „Inhalte finden“

Wir stellen unsere Beratungsmaterialien nach und nach auf eine neue Darstellung um – mit Kurzbeschreibung, Einsatzmöglichkeiten sowie Angaben zu Format und Stand, damit Sie vor dem Aufrufen sehen, was Sie erwartet.

Auf der neuen Seite „Inhalte finden – Arbeitsmaterial/ Downloads“ sind bereits alle Arbeitsmaterialien versammelt – eingrenzbar nach Thema und Inhaltsmodul oder über die Stichwort-Suche. Noch nicht umgestellte Themen öffnen sich dabei in der bisherigen Darstellung. Wir empfehlen bereits jetzt die Nutzung dieser Suche. Sie durchsucht auf Wunsch auch unsere Grundlagenartikel, Kurzprofile, Tools und Ressourcen (dafür im Feld Inhaltstyp auf „Alle Inhaltstypen“ wechseln und auf „Suche/ Filtern“ klicken).

Insulinresistenz – Folienset

Das Folienset liefert 30 praxistaugliche PowerPoint-Folien zu Insulinresistenz und zur Ernährungstherapie, gegliedert in „Das Krankheitsbild“ und „Ernährung und Alltag“. Bildhafte Erklärmodelle wie Schlüssel und Schloss, Teufelskreis und Eisberg machen die Entstehung verständlich; der Praxisteil behandelt Kohlenhydratqualität, Ballaststoffe, Fett- und Eiweißquellen, Getränke, Mahlzeitenrhythmus, Bewegung und Hafertage. Die Folien können bearbeitet und erweitert sowie einzeln als Infografiken für Social Media oder eigene Unterlagen exportiert werden. Die wissenschaftlichen Grundlagen finden sich im entsprechenden Grundlagenartikel.

Schauen Sie auch regelmäßig bei unserer Website-Chronik vorbei.


Online-Seminar: Essenspläne für Klient*innen mit einer Essstörung gestalten

Veranstaltungstyp: Online-Seminar / Webinar
Datum: 13.11.2026
Veranstaltet von: Weiterbildung Ernährung
Referierende: Sonja Beinlich, M. Sc. Oecotrophologie
Kosten / Rabatt für Mitglieder: 10 % Rabatt auf 159 EUR
Kurzbeschreibung laut Veranstalter:

Klient*innen mit einer Essstörung profitieren häufig davon, wenn sie von uns einen Essensplan erhalten. Dieser gibt ihnen die nötige Sicherheit, ausreichend, jedoch nicht übermäßig zu essen. Ferner hilft er dabei, angstbesetzte Lebensmittel schrittweise zu integrieren.

Durch den Einsatz eines Baukastensystems bei der Entwicklung der Pläne handeln wir nach dem Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe. Unsere Klient*innen lernen dadurch, ihre Ernährung flexibler zu gestalten und sich Stück für Stück von festen Vorgaben zu lösen.