Vitamin B12 (Cobalamin) im Schnellüberblick

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Vitamin B12 ist am Abbau von Fettsäuren sowie Aminosäuren beteiligt und spielt im Folsäure- sowie Homocysteinstoffwechsel eine große Rolle. Es handelt sich um ein wasserlösliches Vitamin der B-Gruppe und enthält ein Cobaltatom, wovon sich der Name Cobalamin ableitet. Vitamin B12 ist lichtempfindlich.

Aufnahme und Stoffwechsel

Damit Vitamin B12 vom Körper aufgenommen werden kann, muss es zunächst an ein Eiweiß (den so genannten Intrinsic Faktor aus der Magenschleimhaut) gebunden werden. Daher treten Mangelerscheinungen häufig bei Erkrankungen der Magenschleimhaut auf. Cobalamin wird zudem von den Dickdarmbakterien gebildet. Dieses kann vom Körper jedoch nicht verwertet werden, da Vitamin B12 im Dünndarm, nicht aber im Dickdarm aufgenommen wird.

Verluste treten durch Pasteurisieren und Sterilisieren (z. B. Milch) sowie beim Kochen auf. Auch hohe Vitamin C-Mengen und Alkohol setzen die Verfügbarkeit herab.

Nach der Abgabe ins Blut wird Cobalamin in die Zielorgane, vor allem der Leber, aufgenommen. In der Leber erfolgt auch die Umwandlung in die wirksame Coenzymform des Vitamins.

 

 

Im Magen sowie im oberen Dünndarm wird der Proteinkomplex durch Salzsäure (Magen) bzw. durch aus dem Pankreas sezerniertes Pepsin sowie Proteasen (Dünndarm) gespalten. Vitamin B12 wird bis zu 60 % in der Leber und zu etwa 30 % in der Muskulatur gespeichert. Der Gesamtkörperbestand beträgt zwischen 3 und 5 mg.

Der menschliche Körper verfügt damit über Reserven, sodass auch bei fehlender oder ungenügender Zufuhr klinische Erscheinungen erst nach Jahren auftreten. Als Faustregel gilt: Desto gefüllter die Speicher in jungen Jahren, desto unwahrscheinlicher ein Mangel im Alter.

Funktionen und zugelassene Gesundheitsaussagen (Health Claims)

Vitamin B12 ist in den Stoffwechsel von Fettsäuren und Aminosäuren beteiligt. Es wichtig für die Blutbildung, die Nervenfunktion und die Zellteilung. Gleichzeitig ist Vitamin B12 in den Homocysteinstoffwechsel eingebunden.

Nervenfunktion

Vitamin B12 ist des Weiteren für die Synthese von Myelin notwendig. Myelin ist eine aus Wasser und Protein bestehende isolierende Schicht der peripheren Nervenstränge in Gehirn und Rückenmark.

Zugelassene Gesundheitsaussagen:

  • Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
  • Vitamin B12 trägt zur normalen psychischen Funktion bei.

Abbau von Fetten und Eiweißen

Vitamin B12 agiert im Abbau von Fettsäuren und Aminosäuren als sogenanntes Coenzym. In dieser Funktion hilft es bei der Umwandlung und Übertragung von Stoffwechselprodukten und ist somit maßgeblich an der Energiegewinnung aus Nährstoffen beteiligt.

Zugelassene Gesundheitsaussage: Vitamin B12 trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei.

Darüber hinaus steuert es die Aufnahme von Folsäure in die roten Blutzellen und wirkt auf diese Weise an der Blutbildung mit.

Bedarf und Vorkommen

Bei einer ausgewogenen Ernährung ist ein Vitamin B12-Mangel eher unwahrscheinlich. Für Erwachsene beträgt der Tagesbedarf 4 µg (DACH-Referenzwerte). Für Schwangere (4,5 µg/Tag) und Stillende (5,5 µg/Tag) besteht ein täglicher Mehrbedarf.

Ergiebige Quellen sind vor allem tierische Lebensmittel (insbesondere Leber, aber auch Muskelfleisch, Eier, Milch, Käse und Fisch). Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten Cobalamin nur nach Gärung (z. B. Sauerkraut).

Cyanobakterien wie Spirulina oder AFA-Algen können Vitamin B12 herstellen. Hierbei handelt es sich jedoch nach Angaben des Max-Rubner-Instituts weitestgehend um eine für den Menschen nicht nutzbare Vitamin B12-Form (Pseudovitamin). Nahrungs­ergänzungsmittel mit diesen Algen sind also keine geeignete B12-Quelle.

Mikroalgen wie Chlorella dagegen können zwar selber kein Vitamin B12 synthetisieren, sind aber in der Lage, eine für den Menschen bioverfügbare Vitamin B12-Form aus der Umgebung aufzunehmen und anzureichern. Mit 1-2 Gramm getrockneter Chlorella vulgaris könnte möglicherweise der Tagesbedarf eines Erwachsenen gedeckt werden. Eine finnische Studie hat gezeigt, dass Veganer, die Chlorella und/oder die Makroalge Nori über einen langen Zeitraum verzehrt haben, einen 2-fach höheren Vitamin B12-Serumspiegel als die Kontrollgruppe von Veganern hatten (Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband).

Mangelerscheinungen und Risikogruppen

Ein Vitamin B12-Mangel ist in unseren Breitengraden bei Gesunden bei einer normalen „Mischkost“ eher selten anzutreffen. Eine mögliche Ursache für einen Vitamin B12-Mangel ist die ungenügende Produktion des Intrinsic Faktors. Diese kann aufgrund einer Magenschleimhautatrophie, Entfernung des Magens sowie chronischer Magenschleimhautentzündungen auftreten. Erkrankungen des Darms begünstigen eine Unterversorgung, da die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung verhindert wird. Bei Diabetes mellitus steigt der Bedarf infolge erhöhter Verluste über die Nieren und medikamentöse Wechselwirkungen.

Auch Medikamente und verschiedene Lebensmittel können die Aufnahme beeinträchtigen und eine Unterversorgung provozieren. Unter den Medikamenten stechen insbesondere die häufig verordneten Säureblocker wie beispielsweise Omeprazol oder Pantoprazol und Antidiabetika wie Metformin.

Medikament/ Nährstoff

Effekt auf Vitamin B12 (Quelle)

Acetylsalicylsäure

    • gestörte Aufnahme durch gastrointestinale Schäden

Alkohol

    • ungenügende Aufnahme über die Nahrung
    • gestörte Aufnahme durch Alkohol-induzierte Gastritis (Magenschleimhautentzündung) oder exokrine Pankreasinsuffizienz

Chloramphenicol

    • indirekter Effekt durch gestörte Reifung der roten Blutzellen

Colchicin

    • Schädigung der Schleimhäute des Gastrointestinaltrakts
    • Wechselwirkungen mit den Rezeptoren des Intrinsic-Faktors

Colestyramin, Colestipol

    • Bindung des Intrinsic Faktors
    • gestörte Aufnahme im Dünndarm

Metformin

    • gestörte Aufnahme durch geringere Verfügbarkeit von Calcium(-ionen)

Natriumhydrogencarbonat

    • erhöhter pH-Wert im Magen

Säureblocker/ Antazida/ Protonenpumpenhemmer (Omeprazol, Pantoprazol)

    • gestörte Freisetzung aus der Eiweißbindung

Ranitidin

    • gestörte Freisetzung aus der Eiweißbindung

Infolge von übernormal großen Blutkörperchen entsteht eine Anämie (Blutarmut). Symptome einer solchen Störung zeigen sich in Hautblässe, Ermüdungserscheinungen und allgemeiner Schwäche. Ein schwerer Mangel führt zur Veränderung der roten Blutkörperchen mit irreparablen neurologischen Schäden. Das Risiko für eine (altersbedingte) Atrophie des Gehirns sowie Demenz/ Morbus Alzheimer steigt.

Weitere Anzeichen können sein:

  • Zellteilungsstörungen in Haut und Schleimhäuten mit der Folge von Entzündungen
  • Haarausfall
  • Muskelschwäche
  • Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisschwäche
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • depressive Verstimmungen
  • teilweise Lähmungserscheinungen mit Gangunsicherheit

Des Weiteren ist der Homocysteinstoffwechsel gestört, was die Entwicklung einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung) fördern und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann. Ein Vitamin B12-Mangel ähnelt dem Folsäuremangel und unterscheidet sich lediglich im Auftreten neurologischer Schäden.

 

 

Risikogruppen

  • Patienten mit chronischen Magenschleimhautentzündungen
  • Personen, denen der Magen teilweise oder ganz entfernt wurde (Magenresektion)
  • Diabetiker
  • Alkoholiker
  • Senioren
  • strenge Vegetarier und Veganer

Im Besonderen sind strenge Vegetarier und Veganer gefährdet, einen B12-Mangel auszubilden. Bei einer ausschließlich pflanzlichen Ernährungsweise wird zu wenig B12 zugeführt. Dies gefährdet ebenso Säuglinge, insofern sie von vegetarisch/ vegan lebenden Müttern voll gestillt werden. Senioren hingegen leiden oft unter Entzündungen der Magenschleimhaut oder weisen aufgrund der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten eine gestörte Nährstoffaufnahme auf.

Bei diesen Risikopersonen bleibt ein Vitamin B12-Mangel aufgrund der eher unspezifischen Symptome oft lange Zeit unbemerkt. Hier empfiehlt sich eine über das Routinelabor hinausgehende Diagnostik (siehe Bestimmung Status).

Es sind auch nach einer sehr hohen B12-Zufuhr keine Nebenwirkungen beobachtet wurden. Es sind keine toxischen Reaktionen auch bei einer Supplementierung von mehr als 10 mg Cobalamin täglich aufgetreten. Nur bei in vitro-Applikationen kann es zu allergischen Reaktionen kommen.

Vitamin B12 in Nahrungsergänzungsmitteln
Ein Vitamin B12-Gehalt darf bei Lebensmitteln nur ausgelobt werden, wenn 100 Gramm des Lebensmittels mindestens 0,375 µg B12 (15 % des Nährstoffbezugswerts) enthalten sind. Gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG sind folgende Verbindungen von Vitamin B12 in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen: Cyanocobalamin, Hydroxocobalamin, Desoxyadenosylcobalamin, Methylcobalamin.

Bestimmung Status

Vitamin B12 wird in der routinierten Labordiagnostik im Blut bestimmt. Werte unter 200 ng/l deuten demnach auf einen Mangel hin; Werte über 1.100 ng/l hingegen auf eine Überversorgung bzw. Überversorgung. Von einer ausreichenden Versorgung sprechen Mediziner ab einem Wert von etwa 300 ng/l.

 

 

Die Praxiserfahrungen zeigen jedoch, dass die Bestimmung von Vitamin B12 im Blut nicht immer aussagekräftig ist. Laborexperten weisen darauf hin, dass selbst bei einem gemessenen Wert von 400 ng/l bereits ein Mangel vorliegen kann. Bei gegebenem Anlass sollte daher zur weiteren Abklärung bei niedrignormalen Cobalamin-Werten neben Holotranscobalamin (HoloTC) auch die Methylmalonsäure im Urin bestimmt werden (Quelle).